Mehr Memes!

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Warum die Politik endlich visuelle Kommunikation lernen muss

Das gesprochenen und geschriebenen Wort dominiert die Politik: lange Reden, ausführliche Diskussionen und Pressemitteilungen. Dabei sind ungefähr zwei Drittel der Menschen eher visuelle Typen – sie verarbeiten und erlernen Informationen vor allem über das Sehen. Deswegen fordern wir mehr visuelle politische Kommunikation! (Und machen dafür drei Vorschläge).

Das Problem: Politische Kommunikation setzt auf Text

Vor kurzem hat es eine politische Grafik zu trauriger Berühmtheit erlangt. Am 3. März 2021 trat Angela Merkel mit Michael Müller vor die Presse, um die Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens und den aktuellen Fahrplan für die Corona-Maßnahmen vorzustellen. Veranschaulicht wurden die Beschlüsse mit einer Powerpoint-Grafik, die verschiedene Öffnungsschritte in einer Tabelle zusammengefasst hat.

Die Darstellung hat für viel Verwirrung und Belustigung gesorgt. Viele Abgeordneten fanden sich in dem “Corona-Irrgarten” selbst nicht zurecht, wie der WDR herausfand. Die Idee war jedoch gut gemeint, denn Grafiken können wesentlich verständlicher als reiner Text sein. Der Grund: das menschliche Gehirn ist auf Bildverarbeitung getrimmt.

Visuelle politische Kommunikation muss besser umgesetzt werden! Wir stellen drei Schritte vor, wie die Politik das bildhafte Kommunizieren lernen und anwenden kann.

Drei Lösungen für eine visuelle politische Kommunikation

1. Bewusstsein für bildhafte Kommunikation schaffen

Der erste Schritt für eine Veränderung muss ein gewisses Bewusstsein für die Bedeutung von Bildern sein. PolitikerInnen und ihre Teams müssen sich fortbilden. Ein gutes Buch für den Start ist zum Beispiel “Auf der Serviette erklärt” von Dan Roam (oder das englische Original “On the Back of a Napkin”).

2. Politische Memes und Emojis verstehen lernen

Bilder sagen oft mehr als Worte und durch das Internet sind Emojis mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Kommunikation – über Landesgrenzen hinweg. Sascha Lobo schrieb dazu “Esperanto ist tot, lang leben Emojis”.

Dabei sind Emojis keine Spielerei mehr. Selbst das wichtigste politische Abkommen Europas aus dem Jahr 2017 wurde in Emojis kommuniziert: mit fasste der damalige EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker den Brexit-Deal zusammen.

Ihr wollt politische Memes und Emojis verstehen lernen? Vier Lese-Tipps:

  1. Field Guide to Political Emojis
  2. Welche Emojis sind bei Nazis, Rechtsradikalen, Rassist*innen beliebt?
  3. Rechte Wutwelt: Emojis in den Facebook-Kommentaren deutscher Parteien
  4. Politische Internet-Memes: Eine Chance für die politische Bildung?

3. Expertise für visuelle Kommunikation einholen

Man kann und muss natürlich nicht alles selbst können. Profi-PolitikerInnen und Ministerien sollten sich das Wissen ins Team holen, z.B. über ausgebildete Grafik-DesignerInnen oder Daten-JournalistInnen.

Gerade der Datenjournalismus taugt als Vorbild. Denn komplexe Themen journalistisch über visualisierte Daten und interaktive Webseiten aufzuarbeiten, wird immer beliebter. Ein aktuelles Beispiel ist das ZEIT Online-Projekt “Das Coronavirus in Grafiken, Karten und Illustrationen”, das dieses Jahr den Grimme-Preis gewinnen könnte.

Klar, es können sich nicht alle eineN Haus-GrafikerIn leisten. Doch mittlerweile gibt es auch Tools wie “Tableau Public”, mit denen man kostenlos Daten einfach und schick visualisieren kann.

Und selbst PowerPoint erlaubt, einfache Datenvisualisierung! Das hat Finanz-Staatssekretär Wolfgang Schmidt unter Beweis gestellt, der in Eigenregie die neuesten Corona-Maßnahmen in eine gut strukturierte Tabelle umgewandelt hat. Da kann sich das Bundespresseamt der Kanzlerin noch was abschauen (und sollte das auch ).

Wenn Dich das Thema visuelle politische Kommunikation interessiert, dann wahrscheinlich auch unsere Folge, wie politische Bildung gegen Verschwörungstheorien wirken kann.

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