Fotoworkflow – RAW aufheben oder löschen?

 
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Von Boris Nienke entdeckt von Player FM und unserer Community - Das Urheberrecht hat der Herausgeber, nicht Player FM, und die Audiodaten werden direkt von ihren Servern gestreamt. Tippe auf Abonnieren um Updates in Player FM zu verfolgen oder füge die URL in andere Podcast Apps ein.


Also ich weiß nicht… sicher, Platz ist Platz – Aber der ist doch auch zum nutzen da?
Wenn ich dann lese und höre: „Wieder 10 GB Platz gewonnen“, dann rechne ich mal kurz: Bei einer aktuellen 2TB Platte sind das nicht mal 0,5% der Gesamtkapazität. Dafür hat man dann aber einen großen Schwung Negative weg geworfen und nur die Abzüge behalten. Ist es das wert?

Spart man wirklich so viel oder verliert man mehr als man spart?
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Erinnerungen

Mein Vater hat vor einiger Zeit einen ganzen Schrank Dias weg geworfen. „Uralte“ Fotos, schlecht gelagert, teils arg beschädigt. Außerdem brauchte er den Platz und die Bilder guckt sich ja eh keiner mehr an (was in dem Zustand auch nicht mehr gegangen wäre). Ja, klang mal nachvollziehbar. Inzwischen hätte ich aber passende Scanner- oder Repro-Techniken um die Dias (wenigstens einen Teil davon) digital zu retten/restaurieren und meine Schwestern würden sich freuen, ihre Eltern zu Jugendzeiten zu sehen… gibt’s nicht mehr. Ist jetzt alles weg. Bis auf die wenigen Bilder die es noch als Abzüge in den Alben gibt.

An die Zukunft denken

Will sagen: Ich maße mir doch HEUTE nicht an zu entscheiden, ob ich ein RAW nie wieder benötigen werde. Ich habe schon alte RAWs in neuen RAW-Entwicklern bearbeitet und war froh, dass ich das tun konnte. Neue Möglichkeiten. Wer weiß, was da später möglich sein wird? Vielleicht möchten meine Schwestern in 10 Jahren mal meine alten Fotos selber bearbeiten oder mit dann neuen Techniken nutzen/betrachten/wasauchimmer – dann wollen die vielleicht mehr als den 800x600px JPG-Abzug der dann auf jedem Armband viel zu niedrig aufgelöst rüber kommt?!

Meine Vorgehensweise

Ich bearbeite meine Bilder seit einigen Jahren mit Lightroom. Mein Workflow sieht dabei wie folgt aus:

  • Bilder von Speicherkarte importieren, 1:1 Vorschauen berechnen lassen
  • Durch die Bilder gucken (in Einzelbildansicht) und entscheiden:
    • a) Unscharf, verwackelt, nicht das was ich wollte? Dann tatsächlich zum löschen markieren (X)
    • b) Super! DER Treffer. Sei es durch Schärfe, Motiv, Situation – auf JEDEN Fall behalten UND näher betrachten und ggf. bearbeiten/nutzen. Dann als „Pick“ markieren (P)
    • c) Ja, in Ordnung. Motiv, Schärfe, Situation… passt schon. Haut mich nicht aus den Socken, ist aber OK. Dann auf jeden Fall aufheben! Meinungen können sich ändern oder man braucht Füllmaterial für ein Buch, eine Webseite etc. Keine Flagge setzen aber aufheben (U)

Je nach Situation lösche ich die mit „X“ markierten anschließend direkt. Wenn ich zig tausend Fotos von einer Veranstaltung gemacht habe und nach dem Durchgang noch 1000+ Bilder übrig sind, dann ist es mir schlicht egal, wenn ich jetzt ein oder zwei Bilder zu viel lösche. SO gut können die gar nicht gewesen sein, sonst hätte ich die gar nicht erst mit X markiert wink – Also weg damit.
Bei anderen Situationen (Portraits, Bands,…) wo es weniger Fotos insgesamt sind, da warte ich damit noch ein paar Tage und schaue dann noch mal mit frischem Kopf über die „X“ markierten. Ab und an behalte ich dann doch noch ein/zwei Bilder, der Rest fliegt dann aber von der Platte (nur die Xer!)

Alles andere wird aufgehoben! Auch wenn ein Bild durch PS gegangen ist, dann habe ich halt ein RAW und ein PS.

Derzeit spielt sich das noch alles auf meiner internen iMac Platte ab (die habe ich inzwischen von 500 GB auf 2 TB aufgerüstet). Zukünftig werde ich darüber nachdenken, eine externe Platte (2+ TB) ausschließlich für die Fotos/Videos anzuschließen oder aber Jahresweise auszulagern (also z.B. aktuelles Jahr und Vorjahr auf der internen Platte für schnellen Zugriff, alles ältere auf eine externe Platte)

Inzwischen sorgt TimeMachine für ein regelmäßiges Backup der internen Platte auf einen Drobo (4 Platten, RAID-ähnlich), damit nicht die Hardware selbst mal die Bilder löscht wink

Algebra

Festplattenplatz ist richtig günstig geworden:

  • 2 Terabyte liegen, zum Zeitpunkt wo ich das hier schreibe, bei um die 100 Euro (teils 80,- und teils 130,-)
  • Die RAW-Dateien meiner alten 5D (Mk1) benötigen etwa 15 MB
  • Es passen also etwa 133.000 Aufnahmen auf so eine Platte.
  • Das macht ca. 75 cent pro 1000 Fotos.

OK, Bei einer 5D Mk2 sind die Aufnahmen größer, so um die 25 MB. Also etwa 80.000 Aufnahmen und ca. 1,25 Euro pro 1000 Fotos. Von einer Kostenexplosion kann man aber nun nicht sprechen – Auch dann nicht, wenn man die Preise verdoppelt, weil man mindestens eine Kopie als Backup vorhalten sollte.

Formatwechsel

Formate von Festplatten – oder Speichermedien generell – und auch Bilddaten werden sich ändern. Das haben sie immer getan. Mal mehr, mal weniger. Früher hatten wir IDE-Platten, heute SATA. Wer viele Daten hat, der muss natürlich auch viel umkopieren oder konvertieren, wenn der nächste große Wechsel ansteht.

Aber erstens trifft das immer zu, egal ob man die RAW aufgehoben hat oder nicht und zweitens werden die alten Formate und Datenträger nicht von einen tag auf den anderen unbenutzbar. Wenn eine neue Schnittstelle kommt, so wird der alte Computer sicher noch eine Zeit weiter laufen. Wenn es einen neuen Bildformat-Standard gibt, dann wird die alte Software noch weiter funktionieren und evtl. werden neue Programme sogar die alten Formate lesen und konvertieren können. Man kann dann stückweise den Wechsel planen und in kleinen Schritten umsetzen.

Fazit

Wie viele Fotos macht Ihr pro Jahr? Wer sein Geld mit den Bildern verdient, der kalkuliert die Preise für Festplatten gleich mit ein. Wer die Fotografie als schönes Hobby betreibt, der wird sehen, dass Festplatten deutlich günstiger als so manches Objektiv sind.

Lohnt es sich nun wirklich die RAW-Dateien weg zu werfen um Platz zu schaffen? Meiner Meinung nach: Nein.

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