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BLACK HISTORY - Erfolgsgeschichte Botswana

23:02
 
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Botswana ist eine unerwartete Erfolgsgeschichte. Bei der Staatsgründung wirtschaftlich schwach und ohne nennenswerte Infrastruktur, gilt Botswana heute als eines der wohlhabendsten und stabilsten Länder Afrikas. Das liegt nicht nur am überlegten Umgang mit Diamantenvorkommen. Wie hat Botswana das geschafft? Februar ist "Black History Month". Von Linus Lüring (BR 2022)

Credits
Autor: Linus Lüring
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann, Florian Schwarz
Technik: Susanne Harasim
Redaktion: Thomas Morawetz
Im Interview: Dr. Christian von Soest, Prof. Andreas Wimmer, Mogkweetsi Masisi

Linktipps:
Deutschlandfunk (2023): Wo die Regierung die Medien selbst – Pressefreiheit in Botswana
Botswana: Ein Land reich an Natur und mit stabiler Demokratie. Einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es jedoch nicht - die Regierung produziert Inhalte für Fernsehen, Radio und Zeitungen selbst. Wie passt das in das politische System? JETZT ANHÖREN
SWR (2024): Afrika im Aufbruch – Digitaler Fortschritt ohne Ende
In Afrika boomt die „FinTech“-Branche: Bezahlen per Smartphone-App gehört zum Alltag. Auch andere Finanzgeschäfte werden digital geregelt. Die Technologie vernetzt auch die Menschen auf dem Kontinent über Grenzen hinweg. Einige der afrikanischen Fintech-Entwicklungen werden inzwischen weltweit genutzt. Und diese Erfolgsgeschichten sind noch nicht auserzählt. Denn Experten sagen der Branche in Afrika weiter einen Boom voraus. ZUM HÖRBEITRAG

Und hier noch ein paar besondere Tipps für Geschichts-Interessierte:

Im Podcast „TATORT GESCHICHTE“ sprechen die Historiker Niklas Fischer und Hannes Liebrandt über bekannte und weniger bekannte Verbrechen aus der Geschichte. True Crime – und was hat das eigentlich mit uns heute zu tun?
DAS KALENDERBLATT erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum - skurril, anrührend, witzig und oft überraschend.
Und noch viel mehr Geschichtsthemen, aber auch Features zu anderen Wissensbereichen wie Literatur und Musik, Philosophie, Ethik, Religionen, Psychologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung, Natur und Umwelt gibt es bei RADIOWISSEN.
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
Alles Geschichte finden Sie auch in der ARD Audiothek:
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Timecodes (TC) zu dieser Folge:
TC 00:15 – Intro
TC 02:26 – Eine Reise nach Großbritannien
TC 04:49 – Der Enkel des Königs
TC 09:11 – Ein Umbruch durch Ausgleich und Verständigung
TC 10:52 – Diamantensegen
TC 16:22 – Kratzer im ‚afrikanischen Märchen‘
TC 22:18 – Outro
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
TC 00:15 – Intro
Musik: C1582570107 Der Maschinenbauer
SPRECHERIN
London, 6. September 1895. Drei Männer treffen in der Stadt an der Themse ein, noch etwas seekrank von der langen Reise. Zwei Wochen waren sie unterwegs. Es handelt sich um drei Herrscher aus Gebieten im südlichen Afrika. Schnell machen sie gegenüber hochrangigen Politikern ihr Ziel klar: Sie wollen erreichen, dass ihre Königreiche unter den Schutz der Britischen Krone kommen. Herrscher, die sich freiwillig einer Kolonialmacht unterwerfen?
SPRECHER
Was erstmal verwunderlich klingt, ist Strategie: Denn damals hatten es auch das Deutsche Reich mit der Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika und die Buren im Süden auf ihre Heimat abgesehen, erklärt Christian von Soest, Politikwissenschaftler am Leibniz-Institut für globale und regionale Studien in Hamburg.
1 von Soest
Herrschaft von außen, offensichtlich das war die Einschätzung, die unter den Häuptlingen eben vorherrschte, können wir nicht verhindern. Und da waren die Briten das kleinste Übel. Wenn man es denn schon nicht geschafft hat, diese Mächte von außen eben aus dem Land rauszuhalten. Und da eben diese Reise nach London, wo man um diesen Schutz eben gebeten hat.
Musik: C1582570113 Auf der Müllkippe 0‘53
SPRECHERIN
Die britische Öffentlichkeit ist fasziniert von den Besuchern aus dem fernen Afrika und ihrer Mission. “Ein Triumvirat aus drei dunkelhäutigen Königen”, heißt es bewundernd in der Presse damals. Als mächtigster von ihnen gilt Khama III. Ein Name, der später noch wichtig werden wird. Nach einem Gespräch mit Queen Victoria haben er und die beiden anderen ihr Ziel erreicht: Die Briten schließen ihre und benachbarte Reiche zum Protektorat Betschuanaland zusammen. Ein Gebiet, das zentral im südlichen Afrika liegt - etwa gleich weit von Pazifik und Atlantik entfernt.
SPRECHER
Diese Entscheidung und die Bemühungen der drei Herrscher haben Folgen, die bis heute spürbar sind. Aus Betschuanaland wird später die unabhängige Republik Botswana. Ein Staat der Schlagzeilen macht.
TC 02:26 – Eine Reise nach Großbritannien
C1351080001 Kalimba work song (a) 0‘17
Zitator
“Eine Erfolgsgeschichte”
“Das afrikanische Wunder”
“Afrikas Oase der Stabilität und Demokratie”
SPRECHERIN
Das sind die Überschriften von Artikeln, die in den letzten Jahren über Botswana geschrieben wurden. Sie passen nicht zu dem Klischee, das viele Menschen in Deutschland noch immer im Kopf haben, wenn sie an Afrika denken. Krieg, Korruption, Armut. Ist Botswana wirklich eine Erfolgsgeschichte und möglicherweise ein Vorbild für andere Staaten? Was hat das Land anders gemacht?
C1555160105 Water trops 0‘31
SPRECHER
Die damalige Reise nach Großbritannien sehen viele als entscheidenden Ausgangspunkt für eine positive Entwicklung Botswanas. Nach der Errichtung des Protektorats Betschuanaland erfüllen sich die Hoffnungen der drei Herrscher, die gezielt britischen Schutz gesucht haben. Ihre Heimat bleibt von größeren kolonialen Einflüssen verschont und - wichtiger noch - ihre Macht bleibt mehr oder weniger unangetastet.
SPRECHERIN
Die Briten setzen auf indirekte Kontrolle und nutzen die traditionellen Herrschaftsstrukturen weiter, um das Land zu regieren. Für sie geht es in erster Linie darum zu verhindern, dass andere Staaten ihren Einfluss ausdehnen und etwa das Deutsche Reich noch größere Gebiete im Süden Afrikas kontrolliert. Ein konkretes Interesse an Betschuanaland selbst haben die Briten nicht, und das erscheint erstmal nachvollziehbar, erklärt Christian von Soest: Das Protektorat ist etwa so groß wie Frankreich, extrem dünn besiedelt und besteht zu einem großen Teil aus Wüste, der Kalahari. Größere Rohstoffvorkommen gibt es nicht. Die Bevölkerung lebt vor allem von der Viehzucht.
2 von Soest
Das Wort, was am besten die Kolonialzeit zusammenfasst, ist eigentlich die Vernachlässigung. Man hat eigentlich gar keine, keine großen Investitionen gemacht.
C1595860130 One world pattern (e) 0‘26
SPRECHER
Weil das Protektorat unprofitabel ist, planen die Briten Betschuanaland an die südafrikanische Union zu übergeben, dem Vorläuferstaat des heutigen Südafrika. Nachdem dort Mitte des 20. Jahrhunderts allerdings die Politik der Rassentrennung, die sogenannte Apartheid, eingeführt wurde, ging Großbritannien auf Abstand zu diesen Plänen. Betschuanaland soll stattdessen ein eigenständiger unabhängiger Staat werden.
TC 04:49 – Der Enkel des Königs
SPRECHERIN
Dabei wird ein Mann eine wichtige Rolle spielen: Seretse Khama. Enkel von Khama III., also dem Mann, der den Schutz der Briten gesucht hatte. Seretse Khama ist nun designierter Herrscher der Bamangwato-Ethnie. Doch dieses Amt wird er nie ausüben. Zunächst geht er in den 1940er Jahren zum Studium nach Großbritannien.
Musik: C1351080007 Shangaan lullaby (a) 0‘25
SPRECHER
An einem Juniabend 1947 lernt er dort die junge Ruth kennen. Die beiden tanzen und verlieben sich. Ein afrikanischer Prinz und eine weiße Britin. Nur ein Jahr später planen die beiden zu heiraten. Ihre Liebe wird ein internationales Politikum. Seretse Khama schreibt einen langen Brief in die Heimat.
SPRECHERIN
Damals kennen Ruth und er sich seit etwa eineinhalb Jahren, erklärt er darin. Außerdem seien sie sich aller Schwierigkeiten bewusst, die sie jetzt erwarten. Aber Seretse Khama schreibt weiter, es würde keinen Sinn machen, sie von der Heirat abzubringen. Sie beide wollten den Schritt auf jeden Fall gehen.
SPRECHER
Die Reaktionen sind zunächst heftig. “Wenn er sie mitbringt, werde ich ihn töten”, soll Seretses Onkel angekündigt haben. Für die meisten in Betschuanaland waren Weiße in erster Linie Kolonialisten, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben. Gleichzeitig äußert auch das weiße Apartheidsregime im benachbarten Südafrika heftige Kritik an der Ehe.
SPRECHERIN
Aber Seretse und Ruth lassen sich nicht trennen. “Liebe kennt keine Hautfarbe”, erklärt er und verkündet schließlich seinen Verzicht auf den Thron. Einige Jahre später ziehen die beiden dann nach Betschuanaland. Mit seiner zurückhaltenden Art und seiner positiven Ausstrahlung gewinnt er die Herzen vieler Landsleute wieder. Auch Ruth wird in ihrer neuen Heimat immer beliebter.
Musik: M0007510022 Afrikan dream 0‘22
SPRECHER
In dieser Zeit, gegen Ende der 1950er Jahre, nehmen die Vorbereitungen für die Unabhängigkeit des Protektorats an Fahrt auf. Dass Seretse Khama dabei eine Schlüsselfigur wird, ist für Christian von Soest kein Zufall.
3 von Soest Khama
Einmal war er Nachkomme des wichtigsten Stammes. Das heißt, er hatte ein hohes Maß an Legitimität und Autorität. Er war politisch extrem gut verbunden. Er war in Großbritannien ausgebildet. Hatte also sehr gute Verbindungen auch zur früheren Kolonialmacht und war auch einer der größten Viehbesitzer. Das heißt, er hat zur Zeit der Unabhängigkeit die Unterstützung aller politisch wichtigen Gruppen in Botswana. Der ausgebildeten Elite, der traditionellen Autoritäten, der britischen Herrscher, der Viehzüchter und der ländlichen Bevölkerung.
Musik: M0007510022 Afrikan dream 0‘30
SPRECHERIN
Seretse Khama gründet die Botswana Democratic Party, kurz BDP, und gewinnt damit bei den ersten Wahlen die Mehrheit der Sitze im Parlament. Als Betschuanaland 1966 als Botswana die Unabhängigkeit erlangt, wird Seretse Khama der erste Staatspräsident. Beim Amtsantritt zeigt Khama sich demütig.
SPRECHER
Er erklärt, wie sehr er sich über das große Vertrauen der Bevölkerung Botswanas freue. Gleichzeitig spricht er aber auch von den großen Erwartungen, die auf ihm lasten würden. Er hofft, dass er die Versprechen erfüllen kann, die er den Menschen Botswanas gegeben hat.
SPRECHERIN
Die Startbedingungen sind auf den ersten Blick denkbar schlecht, wenn man sich die Fakten anschaut: 1966 hat Botswana gerade mal 12 Kilometer asphaltierte Straße, keinen direkten Meereszugang, im Land gibt es nur um die 20 Universitätsabsolventen und neun Schulen, die über die Grundschule hinausgehen.
SPRECHER
In anderen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent ist die Ausgangslage komfortabler. Hier hatten die Kolonialmächte deutlich stärker investiert. Das hatte allerdings einen Preis. Denn dabei hatten sie den Kolonialgebieten auch eigene Machtstrukturen aufgezwungen. In Botswana waren die Herrschaftsverhältnisse auf lokaler Ebene dagegen unverändert geblieben.
5 von Soest
Das war für die weitere Entwicklung des Landes sehr, sehr wichtig. Und wenn wir uns andere Länder anschauen, da hatten Regierungen einen revolutionären Anspruch, gegen diese Herrschaftsordnung aus der kolonialen Zeit und Besitzordnungen eben anzukämpfen. Und genau diesen revolutionären Anspruch – das finden Sie nicht in Botswana.
TC 09:11 – Ein Umbruch durch Ausgleich und Verständigung

Musik: M0007510024 Happy plains 0‘20
SPRECHERIN
Der Unabhängigkeitsprozess läuft deshalb sehr konsensual ab - ohne blutige Kämpfe. Generell basiert die Herrschaftskultur in den verschiedenen Königreichen und Ethnien des Landes schon immer auf Ausgleich und Verständigung.
SPRECHER
Für Seretse Khama geht es jetzt zunächst darum, Verwaltungsstrukturen für den jungen Staat aufzubauen. Britische Kolonialbeamte werden dabei nicht aus dem Land geworfen, sondern zunächst weiterbeschäftigt als Angestellte des Staates und nach und nach durch botswanische Angestellte ersetzt. Eine weise Entscheidung, erklärt Andreas Wimmer, Sozialwissenschaftler an der Columbia University in New York.
6 Wimmer
Durch diese Geschichte des graduellen Übergangs von einer Kolonialverwaltung zu einer Selbstverwaltung erklärt sich, wieso das im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern die botswanische Verwaltung sehr effizient war. Korruption gibt’s auch auf sehr reduzierter Ebene.
SPRECHERIN
Auch Klientelismus wird von Anfang an in Botswana bekämpft. Dass Verwaltungsangestellte die eigene Ethnie bevorzugen, wenn es zum Beispiel um den Bau von Straßen oder Schulen geht, soll verhindert werden. Das gelingt weitgehend, auch weil Seretse Khama bei der Zusammensetzung der Regierung darauf achtet, dass die verschiedenen Ethnien des Landes in der Regierung vertreten sind.
7 Wimmer
Und das war eigentlich von Anfang an der Fall. Heißt, dass keine der größeren Gruppen war eigentlich von der Macht ausgeschlossen. Es gab ein power-sharing arrangement, informelles power-sharing arrangement von Beginn an…
TC 10:52 – Diamantensegen
Musik: C1588530112 Green oasis 0‘47
SPRECHER
Seretse Khama ist überzeugt von der Demokratie. Diese ist für ihn entscheidend für die Stabilität eines Landes Er soll sich sogar eine stärkere Opposition gewünscht haben. Diese hatte anfangs nur sieben von 34 Sitzen. Generell rechnet er damit, dass Staatsführer, die die Bevölkerung gewaltsam unterdrücken, irgendwann selbst mit Gewalt aus dem Amt gedrängt werden.
SPRECHERIN
Der Stil von Seretse Khama sorgt damals auch international für Aufsehen. In der New York Times erscheint kurz nach der Unabhängigkeit ein langer Artikel, der Botswana als erfreuliche Ausnahme zu anderen afrikanischen Staaten beschreibt. Das Wort „Erfolgsgeschichte“ wird hier bereits erwähnt.
SPRECHER
Es gibt allerdings ein Problem - dem jungen botswanischen Staat fehlen nach wie vor Einnahmen. Größter Wirtschaftszweig ist immer noch die Viehzucht. Das Land gilt Mitte der 1960er Jahre als eines der ärmsten der Welt, auch weil es eben keine nennenswerten Rohstoffvorkommen gibt.
Musik: C1588530110 Call of the desert 0‘35
SPRECHERIN
Dabei gibt es Hoffnung. In den Nachbarländern wurden schon vor Jahrzehnten große Diamantenvorkommen entdeckt. Und auch in Botswana laufen seit Mitte der 1950er Jahre Erkundungen. Nachdem zehn Jahre lang in unterschiedlichen Regionen Botswanas keine Edelsteine gefunden wurden, sollen die kostspieligen Bemühungen 1965 eingestellt werden. Der leitende Geologe kann allerdings eine Verlängerung um ein Jahr heraushandeln.
SPRECHER
Und nur zwei Monate vor Ablauf der Frist hat das Team Erfolg und findet tatsächlich erste Hinweise auf Diamantenvorkommen - unweit der Hauptstadt Gaborone. In der folgenden Zeit werden dann mehrere Diamantenvorkommen in verschiedenen Teilen des Landes entdeckt. Sie zählen bis heute zu den größten der Welt. Das Land kann jetzt mit enormen Einnahmen rechnen. Nun zeigt sich, dass es ein Glücksfall war, dass Botswanas staatliche Strukturen und die Verwaltung bereits weitestgehend aufgebaut waren, als der Diamantensegen über das Land hereinbrach. Andreas Wimmer:
8 Wimmer
So ist es vielleicht zu erklären, dass eben im Unterschied zu anderen ressourcenreichen Ländern in Afrika, aber auch anderswo, dass der Diamantenreichtum nicht versickerte in den privaten Bankkonten von Politikern und hohen Funktionären und dass das Einkommen aus dem Diamantenabbau eben zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur benutzt wurde, und nicht einfach, um politisch Stimmen zu kaufen oder eine Armee aufzubauen.
Musik: M0007510021 Tribal conflict 0‘32
SPRECHERIN
Länder, wie Angola oder auch Sambia verfügen einerseits über enorme Rohstoffvorkommen wie Kupfer oder Öl, sind andererseits aber politisch sehr instabil. Der Grund: Staatliche Strukturen sind oft schwach und daher versuchen verschiedene Kräfte, sich möglichst große Teile des Reichtums zu sichern. Immer wieder entstehen so blutige Konflikte. Als “Ressourcen-Fluch” wird dieser Teufelskreis bezeichnet.
SPRECHER
Dass Seretse Khama und seine Regierung es geschafft haben, diese Entwicklung zu verhindern, ist für den Soziologen Andreas Wimmer von der Columbia University eine entscheidende Entwicklung. Er hat ein Buch geschrieben über die Frage, warum manche Staaten scheitern und andere prosperieren. In Botswana sei es gelungen, Investitionen in Schulen, Krankenhäuser und Straßen so zu verteilen, dass möglichst alle Teile der Bevölkerung davon profitieren.
9 Wimmer
Das Argument ist, dass das dazu beigetragen hat, dass die Bürger unabhängig von ihrem ethnischen Hintergrund, unabhängig von der Sprache, die sie sprechen die Regierung als gleichermaßen legitim erachten und die entsprechenden politischen Parteien auch unterstützen.
SPRECHERIN
Dies führte auch dazu, dass die Unterschiede der Volksgruppen im Land eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen. Gewaltsame Konflikte entlang ethnischer Trennlinien, wie es sie in anderen instabilen Staaten immer wieder gibt, sind in Botswana nicht entstanden.
SPRECHER
Eine weitere visionäre Entscheidung half, diese günstigen Voraussetzungen dauerhaft zu sichern, betont der Politikwissenschaftler Christian von Soest. Die botswanische Staatsführung rund um Seretse Khama geht zur Diamantenförderung ein Joint Venture mit dem südafrikanischen Bergbaukonzern DeBeers ein. Die Einnahmen teilen sich zur Hälfte Staat und Konzern.
10 von Soest
Das hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass man erstens eben die Expertise hat, dass aber auch der Zugriff auf die Einnahmen eben auch sehr viel kontrollierter vonstattenging als das in anderen Staaten der Fall war.
SPRECHERIN
Dieses Kooperationsmodell wird später auch von anderen Ländern kopiert, zum Beispiel im Nachbarland Namibia.
Musik: C1582570117 Im Supermarkt 0‘34
SPRECHER
Botswana erlebt in den 1970er Jahren dank der Diamantenförderung einen enormen Aufschwung. Das Land verzeichnet das höchste Wirtschaftswachstum weltweit. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen entwickelt sich zu einem der höchsten auf dem Kontinent. Die Gesundheitsversorgung wird weiter massiv ausgebaut und ist zum großen Teil kostenlos. Die internationalen Beobachter überbieten sich mit Lob für “die Schweiz Afrikas”, wie Botswana immer wieder genannt wird.
TC 16:22 – Kratzer im ‚afrikanischen Märchen‘
SPRECHERIN
Dabei steht das Land außenpolitisch vor großen Herausforderungen. Die zentrale Frage ist, wie sich Botswana gegenüber dem rassistischen Apartheidsregime im Nachbarland Südafrika verhält. Seretse Khama ist durch seine Ehe mit der weißen Ruth und seiner liberalen Einstellung der personifizierte Gegenentwurf zu einer Politik der Rassentrennung.
SPRECHER
Er weiß gleichzeitig, dass er seine Kritik vorsichtig formulieren muss, um den mächtigen Nachbarn nicht zu sehr zu reizen und die eigene Souveränität nicht zu gefährden. Anders als andere Staaten hat Botswana südafrikanische Freiheitsbewegungen wohl auch deshalb nie offen unterstützt.
Musik: C1608480130 Toumani A 0‘42
SPRECHERIN
1980 kommt es zu einem Einschnitt in der Geschichte Botswanas. Staatspräsident Seretse Khama stirbt im Alter von nur 59 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber der Übergang zu seinen Nachfolgern vollzieht sich geräuschlos. Und auch die folgenden Parlamentswahlen laufen grundsätzlich demokratisch und frei ab. Viele Berichte beschreiben Botswana bis heute überschwänglich als ein afrikanisches Märchen. In den letzten Jahren hat diese Erzählung allerdings einige Kratzer bekommen.
SPRECHER
Ein Beispiel dafür sind Minderheitenrechte. Der sehr repressive Umgang mit einer indigenen Volksgruppe, den San, hat immer wieder für internationale Kritik gesorgt. Christian von Soest:
12 von Soest
Die San leben als Nomaden, sind nicht wirklich sesshaft und das wurde als nicht modern von der Regierung aufgefasst. Ein sehr paternalistisches Verhältnis von Politik teilweise, das nicht ausgerichtet ist auf den Schutz von alternativen Lebensformen und -entwürfen.
SPRECHERIN
Die San wurden von der Wasserversorgung abgeschnitten und gezielt aus ihren gewohnten Lebensräumen vertrieben. Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass in diesen Gebieten Diamantenvorkommen vermutet wurden. Und diesen Edelsteinen wird in Botswana nach wie vor alles untergeordnet. Sie sind der Garant für den Wohlstand des Landes.
SPRECHER
Dabei gibt es allerdings einen Haken. Denn trotz dieser Einnahmen steigt die Arbeitslosigkeit in Botswana in den letzten Jahren. Sie liegt bei rund 20 Prozent.
13 von Soest
Der Abbau von Diamanten braucht nicht sehr viele Arbeitskräfte. Und das ist eben ein zentrales Problem. Die Einnahmen des Staates sind sehr hoch. Aber es ist eben nicht sehr breitenwirksam diese, diese, diese Einnahmequelle.
Musik: M0007510021 Tribal conflict 0‘47
SPRECHERIN
Eine Folge davon ist eine wachsende soziale Ungleichheit. Diese Entwicklung kann enorme gesellschaftliche Sprengkraft entwickeln. Ein Ziel ist deshalb seit langem eine Diversifizierung der Wirtschaft. Insbesondere weil die Diamantenvorkommen im Jahr 2050 etwa erschöpft sein sollen. Lange hat Botswana auf Luxustourismus gesetzt. Das Land verfügt über eine der größten Elefantenpopulationen weltweit und mit dem Okavango-Delta über ein Naturparadies. Seit wegen der Corona-Pandemie die Touristenströme ausblieben, zeigte sich allerdings, wie unsicher auch diese Strategie sein kann.
SPRECHER
Botswana hat außerdem mit einer im Vergleich zu anderen Ländern enorm hohen Zahl an HIV-Infizierten zu kämpfen. Auch der Klimawandel setzt dem Land zu. Schon seit Jahrzehnten gibt immer wieder Dürren, die große Teile Botswanas bedrohen. Nicht umsonst lautet das Staatsmotto Botswanas “Pula”, übersetzt etwa: “Möge Regen kommen!”
Musik: C1595860103 Truth development inc (c) 0‘49
SPRECHERIN
Bleibt noch die Demokratie, die ja Ausgangspunkt für die Entwicklung Botswanas ist und für die das Land gefeiert wird. Zwar gilt Botswana was freie Wahlen und Meinungsfreiheit angeht, noch immer als leuchtendes Vorbild - insbesondere in Afrika. Allerdings zeigen sich auch hier Probleme. Zwar gelten die Wahlen als frei und fair. Aber bislang hat jede Abstimmung die BDP gewonnen - die Partei, die Seretse Khama gegründet hatte. Es gibt Anzeichen für verkrustete Strukturen und Vetternwirtschaft innerhalb des Regierungsapparats. Die Entwicklung Botswanas wird in der Politikwissenschaft deshalb auch kontrovers diskutiert.
14 von Soest
Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sagen den eigentlichen, ultimativen Test für eine Demokratie hat es noch nicht gegeben, nämlich ob ein Amtsinhaber eine Amtsinhaberin bereit ist, den Regierungssitz verlassen, wenn er oder sie bei der Wahl verloren hat und nicht mehr die Mehrheit der Stimmen hat. Das hat die BDP bisher nicht gehabt. Diese Herausforderung, dass es einen Machtwechsel gab. Jetzt lässt sich trefflich darüber streiten, ob sie bereit wäre, das zu tun. Das wissen wir letztendlich nicht. Ich würde sagen ja.
SPRECHER
2018 wurde der BDP-Vertreter Mogkweetsi Masisi zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Bei seinem Amtsantritt hat er klargemacht, worauf es für ihn ankommt.
15 Mogweetsi Masisi
We are committed to a modern Botswana, that is not only open but able to openly compete with the rest of the world while maintaining our founding principles that have united this nation through difficult times: Democracy, Self-Reliance, Development, Unity and Botho!
ZITATOR / OV
Wir streben nach einem modernen Botswana, das offen ist und in der Lage ist, mit dem Rest der Welt mitzuhalten. Dabei setzen wir auf unsere Grundwerte, die uns auch in schwierigen Zeiten geeint haben: Demokratie, Eigenständigkeit, Entwicklung, Einigkeit und Botho.
Musik: C1595860130 One world pattern (e) 0‘42
SPRECHERIN
Botho ist ein Begriff aus der Landessprache Setswana. Er bedeutet übersetzt etwa Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt. Mit diesen Grundlagen hat es Botswana weit gebracht. Aber das Land steht an einer Weggabelung. Es ist unklar, ob es gelingt, die Wirtschaft breiter aufzustellen und neue Einnahmequellen zu erschließen. Entscheidend für das Bestehen der Demokratie wird sein, dass ethnische Konflikte weitgehend ausbleiben und die soziale Ungleichheit nicht noch größer wird.
TC 22:18 – Outro

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DAS KALENDERBLATT erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum - skurril, anrührend, witzig und oft überraschend.
Und noch viel mehr Geschichtsthemen, aber auch Features zu anderen Wissensbereichen wie Literatur und Musik, Philosophie, Ethik, Religionen, Psychologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung, Natur und Umwelt gibt es bei RADIOWISSEN.
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London, 6. September 1895. Drei Männer treffen in der Stadt an der Themse ein, noch etwas seekrank von der langen Reise. Zwei Wochen waren sie unterwegs. Es handelt sich um drei Herrscher aus Gebieten im südlichen Afrika. Schnell machen sie gegenüber hochrangigen Politikern ihr Ziel klar: Sie wollen erreichen, dass ihre Königreiche unter den Schutz der Britischen Krone kommen. Herrscher, die sich freiwillig einer Kolonialmacht unterwerfen?
SPRECHER
Was erstmal verwunderlich klingt, ist Strategie: Denn damals hatten es auch das Deutsche Reich mit der Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika und die Buren im Süden auf ihre Heimat abgesehen, erklärt Christian von Soest, Politikwissenschaftler am Leibniz-Institut für globale und regionale Studien in Hamburg.
1 von Soest
Herrschaft von außen, offensichtlich das war die Einschätzung, die unter den Häuptlingen eben vorherrschte, können wir nicht verhindern. Und da waren die Briten das kleinste Übel. Wenn man es denn schon nicht geschafft hat, diese Mächte von außen eben aus dem Land rauszuhalten. Und da eben diese Reise nach London, wo man um diesen Schutz eben gebeten hat.
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Die britische Öffentlichkeit ist fasziniert von den Besuchern aus dem fernen Afrika und ihrer Mission. “Ein Triumvirat aus drei dunkelhäutigen Königen”, heißt es bewundernd in der Presse damals. Als mächtigster von ihnen gilt Khama III. Ein Name, der später noch wichtig werden wird. Nach einem Gespräch mit Queen Victoria haben er und die beiden anderen ihr Ziel erreicht: Die Briten schließen ihre und benachbarte Reiche zum Protektorat Betschuanaland zusammen. Ein Gebiet, das zentral im südlichen Afrika liegt - etwa gleich weit von Pazifik und Atlantik entfernt.
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Diese Entscheidung und die Bemühungen der drei Herrscher haben Folgen, die bis heute spürbar sind. Aus Betschuanaland wird später die unabhängige Republik Botswana. Ein Staat der Schlagzeilen macht.
TC 02:26 – Eine Reise nach Großbritannien
C1351080001 Kalimba work song (a) 0‘17
Zitator
“Eine Erfolgsgeschichte”
“Das afrikanische Wunder”
“Afrikas Oase der Stabilität und Demokratie”
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Das sind die Überschriften von Artikeln, die in den letzten Jahren über Botswana geschrieben wurden. Sie passen nicht zu dem Klischee, das viele Menschen in Deutschland noch immer im Kopf haben, wenn sie an Afrika denken. Krieg, Korruption, Armut. Ist Botswana wirklich eine Erfolgsgeschichte und möglicherweise ein Vorbild für andere Staaten? Was hat das Land anders gemacht?
C1555160105 Water trops 0‘31
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Die damalige Reise nach Großbritannien sehen viele als entscheidenden Ausgangspunkt für eine positive Entwicklung Botswanas. Nach der Errichtung des Protektorats Betschuanaland erfüllen sich die Hoffnungen der drei Herrscher, die gezielt britischen Schutz gesucht haben. Ihre Heimat bleibt von größeren kolonialen Einflüssen verschont und - wichtiger noch - ihre Macht bleibt mehr oder weniger unangetastet.
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Die Briten setzen auf indirekte Kontrolle und nutzen die traditionellen Herrschaftsstrukturen weiter, um das Land zu regieren. Für sie geht es in erster Linie darum zu verhindern, dass andere Staaten ihren Einfluss ausdehnen und etwa das Deutsche Reich noch größere Gebiete im Süden Afrikas kontrolliert. Ein konkretes Interesse an Betschuanaland selbst haben die Briten nicht, und das erscheint erstmal nachvollziehbar, erklärt Christian von Soest: Das Protektorat ist etwa so groß wie Frankreich, extrem dünn besiedelt und besteht zu einem großen Teil aus Wüste, der Kalahari. Größere Rohstoffvorkommen gibt es nicht. Die Bevölkerung lebt vor allem von der Viehzucht.
2 von Soest
Das Wort, was am besten die Kolonialzeit zusammenfasst, ist eigentlich die Vernachlässigung. Man hat eigentlich gar keine, keine großen Investitionen gemacht.
C1595860130 One world pattern (e) 0‘26
SPRECHER
Weil das Protektorat unprofitabel ist, planen die Briten Betschuanaland an die südafrikanische Union zu übergeben, dem Vorläuferstaat des heutigen Südafrika. Nachdem dort Mitte des 20. Jahrhunderts allerdings die Politik der Rassentrennung, die sogenannte Apartheid, eingeführt wurde, ging Großbritannien auf Abstand zu diesen Plänen. Betschuanaland soll stattdessen ein eigenständiger unabhängiger Staat werden.
TC 04:49 – Der Enkel des Königs
SPRECHERIN
Dabei wird ein Mann eine wichtige Rolle spielen: Seretse Khama. Enkel von Khama III., also dem Mann, der den Schutz der Briten gesucht hatte. Seretse Khama ist nun designierter Herrscher der Bamangwato-Ethnie. Doch dieses Amt wird er nie ausüben. Zunächst geht er in den 1940er Jahren zum Studium nach Großbritannien.
Musik: C1351080007 Shangaan lullaby (a) 0‘25
SPRECHER
An einem Juniabend 1947 lernt er dort die junge Ruth kennen. Die beiden tanzen und verlieben sich. Ein afrikanischer Prinz und eine weiße Britin. Nur ein Jahr später planen die beiden zu heiraten. Ihre Liebe wird ein internationales Politikum. Seretse Khama schreibt einen langen Brief in die Heimat.
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Damals kennen Ruth und er sich seit etwa eineinhalb Jahren, erklärt er darin. Außerdem seien sie sich aller Schwierigkeiten bewusst, die sie jetzt erwarten. Aber Seretse Khama schreibt weiter, es würde keinen Sinn machen, sie von der Heirat abzubringen. Sie beide wollten den Schritt auf jeden Fall gehen.
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Die Reaktionen sind zunächst heftig. “Wenn er sie mitbringt, werde ich ihn töten”, soll Seretses Onkel angekündigt haben. Für die meisten in Betschuanaland waren Weiße in erster Linie Kolonialisten, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben. Gleichzeitig äußert auch das weiße Apartheidsregime im benachbarten Südafrika heftige Kritik an der Ehe.
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Aber Seretse und Ruth lassen sich nicht trennen. “Liebe kennt keine Hautfarbe”, erklärt er und verkündet schließlich seinen Verzicht auf den Thron. Einige Jahre später ziehen die beiden dann nach Betschuanaland. Mit seiner zurückhaltenden Art und seiner positiven Ausstrahlung gewinnt er die Herzen vieler Landsleute wieder. Auch Ruth wird in ihrer neuen Heimat immer beliebter.
Musik: M0007510022 Afrikan dream 0‘22
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In dieser Zeit, gegen Ende der 1950er Jahre, nehmen die Vorbereitungen für die Unabhängigkeit des Protektorats an Fahrt auf. Dass Seretse Khama dabei eine Schlüsselfigur wird, ist für Christian von Soest kein Zufall.
3 von Soest Khama
Einmal war er Nachkomme des wichtigsten Stammes. Das heißt, er hatte ein hohes Maß an Legitimität und Autorität. Er war politisch extrem gut verbunden. Er war in Großbritannien ausgebildet. Hatte also sehr gute Verbindungen auch zur früheren Kolonialmacht und war auch einer der größten Viehbesitzer. Das heißt, er hat zur Zeit der Unabhängigkeit die Unterstützung aller politisch wichtigen Gruppen in Botswana. Der ausgebildeten Elite, der traditionellen Autoritäten, der britischen Herrscher, der Viehzüchter und der ländlichen Bevölkerung.
Musik: M0007510022 Afrikan dream 0‘30
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Seretse Khama gründet die Botswana Democratic Party, kurz BDP, und gewinnt damit bei den ersten Wahlen die Mehrheit der Sitze im Parlament. Als Betschuanaland 1966 als Botswana die Unabhängigkeit erlangt, wird Seretse Khama der erste Staatspräsident. Beim Amtsantritt zeigt Khama sich demütig.
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Er erklärt, wie sehr er sich über das große Vertrauen der Bevölkerung Botswanas freue. Gleichzeitig spricht er aber auch von den großen Erwartungen, die auf ihm lasten würden. Er hofft, dass er die Versprechen erfüllen kann, die er den Menschen Botswanas gegeben hat.
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Die Startbedingungen sind auf den ersten Blick denkbar schlecht, wenn man sich die Fakten anschaut: 1966 hat Botswana gerade mal 12 Kilometer asphaltierte Straße, keinen direkten Meereszugang, im Land gibt es nur um die 20 Universitätsabsolventen und neun Schulen, die über die Grundschule hinausgehen.
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In anderen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent ist die Ausgangslage komfortabler. Hier hatten die Kolonialmächte deutlich stärker investiert. Das hatte allerdings einen Preis. Denn dabei hatten sie den Kolonialgebieten auch eigene Machtstrukturen aufgezwungen. In Botswana waren die Herrschaftsverhältnisse auf lokaler Ebene dagegen unverändert geblieben.
5 von Soest
Das war für die weitere Entwicklung des Landes sehr, sehr wichtig. Und wenn wir uns andere Länder anschauen, da hatten Regierungen einen revolutionären Anspruch, gegen diese Herrschaftsordnung aus der kolonialen Zeit und Besitzordnungen eben anzukämpfen. Und genau diesen revolutionären Anspruch – das finden Sie nicht in Botswana.
TC 09:11 – Ein Umbruch durch Ausgleich und Verständigung

Musik: M0007510024 Happy plains 0‘20
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Der Unabhängigkeitsprozess läuft deshalb sehr konsensual ab - ohne blutige Kämpfe. Generell basiert die Herrschaftskultur in den verschiedenen Königreichen und Ethnien des Landes schon immer auf Ausgleich und Verständigung.
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Für Seretse Khama geht es jetzt zunächst darum, Verwaltungsstrukturen für den jungen Staat aufzubauen. Britische Kolonialbeamte werden dabei nicht aus dem Land geworfen, sondern zunächst weiterbeschäftigt als Angestellte des Staates und nach und nach durch botswanische Angestellte ersetzt. Eine weise Entscheidung, erklärt Andreas Wimmer, Sozialwissenschaftler an der Columbia University in New York.
6 Wimmer
Durch diese Geschichte des graduellen Übergangs von einer Kolonialverwaltung zu einer Selbstverwaltung erklärt sich, wieso das im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern die botswanische Verwaltung sehr effizient war. Korruption gibt’s auch auf sehr reduzierter Ebene.
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Auch Klientelismus wird von Anfang an in Botswana bekämpft. Dass Verwaltungsangestellte die eigene Ethnie bevorzugen, wenn es zum Beispiel um den Bau von Straßen oder Schulen geht, soll verhindert werden. Das gelingt weitgehend, auch weil Seretse Khama bei der Zusammensetzung der Regierung darauf achtet, dass die verschiedenen Ethnien des Landes in der Regierung vertreten sind.
7 Wimmer
Und das war eigentlich von Anfang an der Fall. Heißt, dass keine der größeren Gruppen war eigentlich von der Macht ausgeschlossen. Es gab ein power-sharing arrangement, informelles power-sharing arrangement von Beginn an…
TC 10:52 – Diamantensegen
Musik: C1588530112 Green oasis 0‘47
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Seretse Khama ist überzeugt von der Demokratie. Diese ist für ihn entscheidend für die Stabilität eines Landes Er soll sich sogar eine stärkere Opposition gewünscht haben. Diese hatte anfangs nur sieben von 34 Sitzen. Generell rechnet er damit, dass Staatsführer, die die Bevölkerung gewaltsam unterdrücken, irgendwann selbst mit Gewalt aus dem Amt gedrängt werden.
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Der Stil von Seretse Khama sorgt damals auch international für Aufsehen. In der New York Times erscheint kurz nach der Unabhängigkeit ein langer Artikel, der Botswana als erfreuliche Ausnahme zu anderen afrikanischen Staaten beschreibt. Das Wort „Erfolgsgeschichte“ wird hier bereits erwähnt.
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Es gibt allerdings ein Problem - dem jungen botswanischen Staat fehlen nach wie vor Einnahmen. Größter Wirtschaftszweig ist immer noch die Viehzucht. Das Land gilt Mitte der 1960er Jahre als eines der ärmsten der Welt, auch weil es eben keine nennenswerten Rohstoffvorkommen gibt.
Musik: C1588530110 Call of the desert 0‘35
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Dabei gibt es Hoffnung. In den Nachbarländern wurden schon vor Jahrzehnten große Diamantenvorkommen entdeckt. Und auch in Botswana laufen seit Mitte der 1950er Jahre Erkundungen. Nachdem zehn Jahre lang in unterschiedlichen Regionen Botswanas keine Edelsteine gefunden wurden, sollen die kostspieligen Bemühungen 1965 eingestellt werden. Der leitende Geologe kann allerdings eine Verlängerung um ein Jahr heraushandeln.
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Und nur zwei Monate vor Ablauf der Frist hat das Team Erfolg und findet tatsächlich erste Hinweise auf Diamantenvorkommen - unweit der Hauptstadt Gaborone. In der folgenden Zeit werden dann mehrere Diamantenvorkommen in verschiedenen Teilen des Landes entdeckt. Sie zählen bis heute zu den größten der Welt. Das Land kann jetzt mit enormen Einnahmen rechnen. Nun zeigt sich, dass es ein Glücksfall war, dass Botswanas staatliche Strukturen und die Verwaltung bereits weitestgehend aufgebaut waren, als der Diamantensegen über das Land hereinbrach. Andreas Wimmer:
8 Wimmer
So ist es vielleicht zu erklären, dass eben im Unterschied zu anderen ressourcenreichen Ländern in Afrika, aber auch anderswo, dass der Diamantenreichtum nicht versickerte in den privaten Bankkonten von Politikern und hohen Funktionären und dass das Einkommen aus dem Diamantenabbau eben zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur benutzt wurde, und nicht einfach, um politisch Stimmen zu kaufen oder eine Armee aufzubauen.
Musik: M0007510021 Tribal conflict 0‘32
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Länder, wie Angola oder auch Sambia verfügen einerseits über enorme Rohstoffvorkommen wie Kupfer oder Öl, sind andererseits aber politisch sehr instabil. Der Grund: Staatliche Strukturen sind oft schwach und daher versuchen verschiedene Kräfte, sich möglichst große Teile des Reichtums zu sichern. Immer wieder entstehen so blutige Konflikte. Als “Ressourcen-Fluch” wird dieser Teufelskreis bezeichnet.
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Dass Seretse Khama und seine Regierung es geschafft haben, diese Entwicklung zu verhindern, ist für den Soziologen Andreas Wimmer von der Columbia University eine entscheidende Entwicklung. Er hat ein Buch geschrieben über die Frage, warum manche Staaten scheitern und andere prosperieren. In Botswana sei es gelungen, Investitionen in Schulen, Krankenhäuser und Straßen so zu verteilen, dass möglichst alle Teile der Bevölkerung davon profitieren.
9 Wimmer
Das Argument ist, dass das dazu beigetragen hat, dass die Bürger unabhängig von ihrem ethnischen Hintergrund, unabhängig von der Sprache, die sie sprechen die Regierung als gleichermaßen legitim erachten und die entsprechenden politischen Parteien auch unterstützen.
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Dies führte auch dazu, dass die Unterschiede der Volksgruppen im Land eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen. Gewaltsame Konflikte entlang ethnischer Trennlinien, wie es sie in anderen instabilen Staaten immer wieder gibt, sind in Botswana nicht entstanden.
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Eine weitere visionäre Entscheidung half, diese günstigen Voraussetzungen dauerhaft zu sichern, betont der Politikwissenschaftler Christian von Soest. Die botswanische Staatsführung rund um Seretse Khama geht zur Diamantenförderung ein Joint Venture mit dem südafrikanischen Bergbaukonzern DeBeers ein. Die Einnahmen teilen sich zur Hälfte Staat und Konzern.
10 von Soest
Das hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass man erstens eben die Expertise hat, dass aber auch der Zugriff auf die Einnahmen eben auch sehr viel kontrollierter vonstattenging als das in anderen Staaten der Fall war.
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Dieses Kooperationsmodell wird später auch von anderen Ländern kopiert, zum Beispiel im Nachbarland Namibia.
Musik: C1582570117 Im Supermarkt 0‘34
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Botswana erlebt in den 1970er Jahren dank der Diamantenförderung einen enormen Aufschwung. Das Land verzeichnet das höchste Wirtschaftswachstum weltweit. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen entwickelt sich zu einem der höchsten auf dem Kontinent. Die Gesundheitsversorgung wird weiter massiv ausgebaut und ist zum großen Teil kostenlos. Die internationalen Beobachter überbieten sich mit Lob für “die Schweiz Afrikas”, wie Botswana immer wieder genannt wird.
TC 16:22 – Kratzer im ‚afrikanischen Märchen‘
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Dabei steht das Land außenpolitisch vor großen Herausforderungen. Die zentrale Frage ist, wie sich Botswana gegenüber dem rassistischen Apartheidsregime im Nachbarland Südafrika verhält. Seretse Khama ist durch seine Ehe mit der weißen Ruth und seiner liberalen Einstellung der personifizierte Gegenentwurf zu einer Politik der Rassentrennung.
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Er weiß gleichzeitig, dass er seine Kritik vorsichtig formulieren muss, um den mächtigen Nachbarn nicht zu sehr zu reizen und die eigene Souveränität nicht zu gefährden. Anders als andere Staaten hat Botswana südafrikanische Freiheitsbewegungen wohl auch deshalb nie offen unterstützt.
Musik: C1608480130 Toumani A 0‘42
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1980 kommt es zu einem Einschnitt in der Geschichte Botswanas. Staatspräsident Seretse Khama stirbt im Alter von nur 59 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber der Übergang zu seinen Nachfolgern vollzieht sich geräuschlos. Und auch die folgenden Parlamentswahlen laufen grundsätzlich demokratisch und frei ab. Viele Berichte beschreiben Botswana bis heute überschwänglich als ein afrikanisches Märchen. In den letzten Jahren hat diese Erzählung allerdings einige Kratzer bekommen.
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Ein Beispiel dafür sind Minderheitenrechte. Der sehr repressive Umgang mit einer indigenen Volksgruppe, den San, hat immer wieder für internationale Kritik gesorgt. Christian von Soest:
12 von Soest
Die San leben als Nomaden, sind nicht wirklich sesshaft und das wurde als nicht modern von der Regierung aufgefasst. Ein sehr paternalistisches Verhältnis von Politik teilweise, das nicht ausgerichtet ist auf den Schutz von alternativen Lebensformen und -entwürfen.
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Die San wurden von der Wasserversorgung abgeschnitten und gezielt aus ihren gewohnten Lebensräumen vertrieben. Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass in diesen Gebieten Diamantenvorkommen vermutet wurden. Und diesen Edelsteinen wird in Botswana nach wie vor alles untergeordnet. Sie sind der Garant für den Wohlstand des Landes.
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Dabei gibt es allerdings einen Haken. Denn trotz dieser Einnahmen steigt die Arbeitslosigkeit in Botswana in den letzten Jahren. Sie liegt bei rund 20 Prozent.
13 von Soest
Der Abbau von Diamanten braucht nicht sehr viele Arbeitskräfte. Und das ist eben ein zentrales Problem. Die Einnahmen des Staates sind sehr hoch. Aber es ist eben nicht sehr breitenwirksam diese, diese, diese Einnahmequelle.
Musik: M0007510021 Tribal conflict 0‘47
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Eine Folge davon ist eine wachsende soziale Ungleichheit. Diese Entwicklung kann enorme gesellschaftliche Sprengkraft entwickeln. Ein Ziel ist deshalb seit langem eine Diversifizierung der Wirtschaft. Insbesondere weil die Diamantenvorkommen im Jahr 2050 etwa erschöpft sein sollen. Lange hat Botswana auf Luxustourismus gesetzt. Das Land verfügt über eine der größten Elefantenpopulationen weltweit und mit dem Okavango-Delta über ein Naturparadies. Seit wegen der Corona-Pandemie die Touristenströme ausblieben, zeigte sich allerdings, wie unsicher auch diese Strategie sein kann.
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Botswana hat außerdem mit einer im Vergleich zu anderen Ländern enorm hohen Zahl an HIV-Infizierten zu kämpfen. Auch der Klimawandel setzt dem Land zu. Schon seit Jahrzehnten gibt immer wieder Dürren, die große Teile Botswanas bedrohen. Nicht umsonst lautet das Staatsmotto Botswanas “Pula”, übersetzt etwa: “Möge Regen kommen!”
Musik: C1595860103 Truth development inc (c) 0‘49
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Bleibt noch die Demokratie, die ja Ausgangspunkt für die Entwicklung Botswanas ist und für die das Land gefeiert wird. Zwar gilt Botswana was freie Wahlen und Meinungsfreiheit angeht, noch immer als leuchtendes Vorbild - insbesondere in Afrika. Allerdings zeigen sich auch hier Probleme. Zwar gelten die Wahlen als frei und fair. Aber bislang hat jede Abstimmung die BDP gewonnen - die Partei, die Seretse Khama gegründet hatte. Es gibt Anzeichen für verkrustete Strukturen und Vetternwirtschaft innerhalb des Regierungsapparats. Die Entwicklung Botswanas wird in der Politikwissenschaft deshalb auch kontrovers diskutiert.
14 von Soest
Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sagen den eigentlichen, ultimativen Test für eine Demokratie hat es noch nicht gegeben, nämlich ob ein Amtsinhaber eine Amtsinhaberin bereit ist, den Regierungssitz verlassen, wenn er oder sie bei der Wahl verloren hat und nicht mehr die Mehrheit der Stimmen hat. Das hat die BDP bisher nicht gehabt. Diese Herausforderung, dass es einen Machtwechsel gab. Jetzt lässt sich trefflich darüber streiten, ob sie bereit wäre, das zu tun. Das wissen wir letztendlich nicht. Ich würde sagen ja.
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2018 wurde der BDP-Vertreter Mogkweetsi Masisi zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Bei seinem Amtsantritt hat er klargemacht, worauf es für ihn ankommt.
15 Mogweetsi Masisi
We are committed to a modern Botswana, that is not only open but able to openly compete with the rest of the world while maintaining our founding principles that have united this nation through difficult times: Democracy, Self-Reliance, Development, Unity and Botho!
ZITATOR / OV
Wir streben nach einem modernen Botswana, das offen ist und in der Lage ist, mit dem Rest der Welt mitzuhalten. Dabei setzen wir auf unsere Grundwerte, die uns auch in schwierigen Zeiten geeint haben: Demokratie, Eigenständigkeit, Entwicklung, Einigkeit und Botho.
Musik: C1595860130 One world pattern (e) 0‘42
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Botho ist ein Begriff aus der Landessprache Setswana. Er bedeutet übersetzt etwa Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt. Mit diesen Grundlagen hat es Botswana weit gebracht. Aber das Land steht an einer Weggabelung. Es ist unklar, ob es gelingt, die Wirtschaft breiter aufzustellen und neue Einnahmequellen zu erschließen. Entscheidend für das Bestehen der Demokratie wird sein, dass ethnische Konflikte weitgehend ausbleiben und die soziale Ungleichheit nicht noch größer wird.
TC 22:18 – Outro

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