ERF Plus - Wort zum Tag Aber!

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Ich bleibe an dem kleinen Wort „aber“ hängen.

Als Kind habe ich oft zu hören bekommen: „Du sollst keine Widerworte geben!“ Meine Eltern oder vielleicht auch Lehrer oder andere Erwachsene haben mir als Kind etwas gesagt, was ich tun sollte. Darauf habe ich wohl eine Antwort gegeben, die das Wort „aber“ enthielt. „Aber“ deutet einen Widerspruch an. „Aber“ zeigt, dass die Antwort eine andere, eine entgegengesetzte Sicht darstellt als die Frage oder Aufforderung.

So empfinde ich auch das, was Jesus seinen Jüngern antwortet. Die Jünger haben eine bestimmte Sicht auf das, was sie gerade erlebt haben. Jesus zeigt mit seiner Entgegnung in eine andere Richtung. Er möchte ihren Blick auf eine neue Sicht lenken. Das Problem ist nur, dass die Jünger auf etwas Sichtbares konzentriert sind. Jesus aber spricht von etwas, das nicht zu sehen ist.

Die Jünger sind beeindruckt von dem, was sie erlebt und mit eigenen Augen gesehen haben. Ich stelle mir vor, wie sie vor Jesus stehen und geradezu jubeln, aufgeregt vor Freude. Sie strecken ihre Arme in die Luft wie Sportler, die einen Sieg feiern. Jesus hatte sie ausgesandt zu den Menschen. Er hatte ihnen Vollmacht gegeben, damit sie helfen und Gutes tun konnten. Nun kommen sie zurück und sind total beglückt von dem Erfolg, den sie hatten. Ist doch klar, dass sie sich darüber freuen. Ich freue mich auch, wenn ich sehen oder hören darf, wie mein Dienst als Pastor positiv angenommen wird. Ich freue mich auch, wenn Menschen mir zurückmelden, wie ihnen eine Telefonandacht oder eine Predigt, gutgetan und in bestimmter Weise geholfen hat. Darum kann ich mir das auch gut vorstellen, wie die Jünger Jesu sich nach solch herrlichen Erfahrungen gefühlt haben.

Und da begegnet ihnen Jesus mit einem „Ja, aber“. Ja, ihr freut euch über das, was gelungen ist. Doch freut euch lieber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Wie gesagt: Was die Jünger so freut, haben sie ganz konkret erlebt und mit eigenen Augen gesehen. Die Freude, von der Jesus spricht, ist dagegen auf etwas gegründet, das nicht zu sehen ist.

Warum lenkt Jesus den Blick in diese Richtung? Ich denke, er möchte ihre Gedanken darauf lenken, dass es etwas gibt, was sie zwar nicht sehen, das aber dennoch Wirklichkeit ist. So schwer ist das ja eigentlich auch nicht zu denken, denn es gibt viele Elemente, die wir zwar nicht sehen, aber trotzdem zweifeln wir ihre Realität nicht an. Ganz im Gegenteil -wir rechnen sogar selbstverständlich mit ihnen und gehen so mit ihnen um, dass wir darüber gar nicht erst lange nachdenken müssen. Ich nenne mal nur ein Beispiel: die Luft zum Atmen.

Gottes Reich, sagt Jesus einmal, ist mit seiner Gegenwart angebrochen und mitten unter ihnen. Gottes Reich selbst ist nicht zu sehen, doch manche Zeichen und Erfahrungen sind da, an denen wir die Wirklichkeit ein wenig ablesen können.

Jesus möchte, dass seine Jünger die Gewissheit in sich tragen, Bürger dieses Reiches zu sein. So wie es früher in den Städten Bürgerlisten gab, so - sollen sie wissen - sind ihre Namen aufgeschrieben. Sie haben ihre Heimat im Himmel. Ich denke, dass Jesus auch deshalb seine Jünger auf diese Gedanken bringt, weil das für die Ewigkeit gilt, also bleibt, während ihre Erlebnisse mehr und mehr verblassen und schließlich ganz vergehen.

Bleibende Freude, dass mein Name im Himmel aufgeschrieben ist, - diese Freude möchte ich aufnehmen und festhalten.

Autor: Pastor Ralf Schöll


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