Die Woche #86 – Der Pfefferminzia Podcast für Versicherungshelden

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Willkommen zu Folge 86 unseres Podcasts!

Moin aus Hamburg und herzlich Willkommen zu Folge 86 unseres Podcasts. Heute ist Freitag, der 29. April 2022.

Und diese Themen haben wir heute für Sie:

  • Aufzählungs-TextWir unterhalten uns erneut mit dem Finanzwissenschaftler Jochen Ruß über das deutsche Rentensystem. Diesmal geht es um das Thema Altersarmut.
  • Aufzählungs-TextIn den News der Woche sieht der Promi-Ökonom Hans-Werner Sinn schwarz für Deutschlands Zukunft – und ruft die Bürger zur privaten Vorsorge auf, Tesla-Chef Elon Musk stellt fest, dass Autofahrer bedächtiger fahren, wenn man ihr Fahrverhalten in Echtzeit auswertet, Top-Investor Carsten Maschmeyer sieht sich wieder einmal mit alten Vorwürfen aus seiner AWD-Zeit konfrontiert und die Deutsche Aktuarvereinigung schlägt Alarm – und fordert, dass der Gesetzgeber nach jahrelangem Stillstand das Gesundheitssystem reformiert.
  • Aufzählungs-TextUnd für unser Schwerpunktthema für den Monat April, „Gewerbe“, hat sich unsere Kollegin Karen Schmidt mit Rechtsanwältin Karin Baumeier über die Maklerhaftung bei der Vermittlung von D&O-Policen unterhalten.

Im Gespräch Mit Jochen Ruß, IfA Ulm In der vergangenen Woche sprachen wir mit dem Finanzwissenschaftler Jochen Ruß vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften darüber, wie man die deutsche Rente auf stabile Beine stellen kann. Grundlage dafür ist die Studie „Thesen zur Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland“, die Ruß zusammen mit den Kollegen Alexander Kling und Andreas Seyboth schrieb. Doch darin gibt es einen speziellen Aspekt, der unser Interesse weckte. Nämlich die Frage, wie man Altersarmut bekämpfen könnte. Wir wollen und das mal genau erklären lassen und bitten Herrn Ruß gleich noch einmal zum Gespräch.

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Die News der Woche Im Angesicht von Krieg und Preisexplosion sorgen sich viele Deutsche um ihren Lebensstandard – und das völlig zu Recht, wie der Top-Ökonom und langjährige Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, in einem Interview mit dem „Münchner Merkur“ meint. Ob die guten Zeiten in Deutschland „für die nächsten zehn, 15 Jahre vorbei“ seien, will die Zeitung von Sinn wissen – seine Antwort direkt und hart: „Nicht nur für die nächsten 15 Jahre, sondern für eine längere Periode.“ Das liege zum einen daran, so Sinn, „dass die Grünen uns die billige Energie ohnehin abstellen wollen“, aber zum anderen an der Überalterung der Gesellschaft.

Hier verweist der Wissenschaftler auf die Baby-Boomer, also die heute 56- bis 60-Jährigen, die bald in Rente gehen: „Hinter dieser Bevölkerungskohorte kommen nicht mehr allzu viele neue Menschen nach“, stellt Sinn klar. Deutschland habe ein „riesiges Versorgungsproblem, weil die Arbeitsbevölkerung wegbricht“.

„Sorgt selber für euch!“, ruft Sinn vor diesem Hintergrund die Bundesbürger auf. „Glaubt nicht daran, dass der Staat das schafft.“ Denn der werde „heillos überfordert sein mit den sozialpolitischen Aufgaben“. Die sozialen Sicherungssysteme seien nicht in der Lage, die Entwicklung des Lebensstandards so fortzuführen, wie wir es gewohnt seien, fährt der Ökonom fort. „Je früher das jeder erkennt, desto mehr wird er Vorsorge betreiben für die späteren Lebensjahre“, so die Hoffnung des Wirtschaftswissenschaftlers.

Zugleich macht Sinn klar, dass er die Riester-Rente künftig nicht als Teil der Lösung sieht, denn diese sei „viel zu mickrig und mit viel zu vielen Fehlern behaftet“, wie er meint. „Es hätte attraktive Sparformen geben müssen“ als die Riester-Rente, ist der Ökonom überzeugt. Und weiter: „Hätte man auf Aktien statt auf festverzinsliche Anlagen gesetzt, hätte aus Riester ein erkleckliches Vermögen entstehen können. Norwegen macht uns mit seinem Staatsfonds vor, wie erfolgreich eine Aktienstrategie sein kann. Festverzinsliche Anlagen gelten als mündelsicher, doch bei einer Inflation sind gerade sie extrem gefährdet.“

Wie dem auch sei. Für junge Menschen hat Sinn außerdem noch diesen Rat parat: „Besinnt euch auf traditionelle Familienbilder, seht zu, dass ihr Kinder habt, damit ihr mit diesen Kindern alt werden könnt. Der Zusammenhalt in der Familie wird angesichts der Schwierigkeiten des Staates immer wichtiger werden.“

Jingle Bringt ausgerechnet ein Lautsprecher wie Elon Musk etwas Ruhe in den deutschen Straßenverkehr? Könnte tatsächlich sein. Denn der Tesla-Chef gab ein paar Details zur neuen Konzerntochter preis, dem Versicherer Tesla Insurance. Und die könnten tatsächlich die Stimmung auf den Straßen ändern.

Über Tesla Insurance können Autokäufer auch gleich ihre Autoversicherung abschließen. Anschließend wertet der Versicherer das Fahrverhalten seiner Kunden in Echtzeit aus und bestimmt danach die Prämie. Wer vorsichtig fährt, zahlt somit weniger als jemand, der eher flott unterwegs ist. Aus diesem Verhalten ermittelt Tesla Insurance in Echtzeit einen sogenannten Safety Score, der über die Versicherungsprämie entscheidet. Und Fahrer können über Apps dabei zusehen, behauptet das Unternehmen.

Musk stellte jetzt auf einer Konferenz zu den Tesla-Quartalszahlen fest, dass Tesla-Besitzer durch diese Echtzeit-Auswertungen tatsächlich vorsichter fahren. Dazu sagte er: „Im Rahmen des Feedbacks sehen die Leute eine Echtzeitbewertung, die ihnen zeigt, dass sie geringere Versicherungsbeiträge zahlen, wenn sie ihre Fahrgewohnheiten ändern.“

Bei dem System gehe es aber auch um Rückmeldungen für Tesla selbst, betont Musk. So könne man nach Unfällen die eigenen Autos oder Software überarbeiten und verbessern, sodass solche Unfälle künftig weniger wahrscheinlich werden. Auch Reparaturen nach Unfällen sollen dadurch „superschnell“ ablaufen, so der Firmenchef wörtlich, möglichst noch am Tag des Unfalls. Dafür wolle man alles intern, aber komplett sichtbar bei Tesla regeln: Schadenmanagement, Versicherungsansprüche und Reparaturen.

Die Echtzeitanalyse ist derzeit für Tesla-Fahrer in sieben US-Bundesstaaten verfügbar. Mehr Staaten sollen folgen. Auch in Deutschland soll Tesla Insurance bald seinen Betrieb aufnehmen.

Jingle Zum ersten Mal gab Carsten Maschmeyer der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview – und sogleich ging es für den heutigen Star-Investor und früheren Eigentümer des umstrittenen Finanzvertriebs AWD so richtig zur Sache: „Ist Geld verdienen geil?“, lautete eine von mehreren spitzen, mitunter schrägen, Fragen der Journalisten von der SZ.

„Sie haben viele Fans und Bewunderer, andere halten Sie für einen Ganoven. Stört Sie das?“, wollten die beiden Reporter dann zum Beispiel wissen: „Nein, Sie hängen dem Thema AWD nach, nicht ich“, entgegnete der 62-Jährige betont gelassen. Menschen, die in ihren Vorurteilen gefangen seien, könne er nicht ändern, so Maschmeyer. Zugleich wehrte sich der Manager, der heute an rund 120 Start-ups beteiligt ist, gegen den Vorwurf, dass er während seiner Zeit als AWD-Chef Leute angetrieben hätte, „mit Drückermethoden Geldanlagen zu verkaufen“, wie die SZ Kritiker zitierte. „Und so Kleinanleger um ihre Ersparnisse gebracht zu haben.“

„Viele dieser Vorwürfe waren falsch und wurden vorrangig von einem Rufmörder geschürt, der jahrelang mich und mein damaliges Unternehmen denunziert hat“, entgegnete Maschmeyer – und meinte damit einen ehemaligen AWD-Mitarbeiter, der laut SZ ein „Enthüllungsbuch“ über seine Zeit im Unternehmen verfasste. Doch das wollte Maschmeyer den Reportern so nicht durchgehen lassen: „Das war kein Enthüllungsbuch, sondern das späte Geständnis eines Rufmörders, der nachweislich Geld von der Konkurrenz dafür bekommen hat, gefälschte Dinge und Lügen in die Welt zu setzen.“

Doch Maschmeyer ließ im Gespräch auch durchblicken, dass es ihn durchaus störe, dass er in der Öffentlichkeit so stark polarisiere. Scheinbar sei er „eine ideale Projektionsfläche für drei Dinge“, wie der Groß-Investor konstatierte. Erstens: „Es gibt Menschen, die halten Verkäufer und Vermittler per se für etwas Böses“, bedauerte der Manager. Denn „nur dank ihnen verkaufen deutsche Firmen überall auf der Welt ihre Produkte“, wie er hinzufügte. Und während Erfolg in den meisten Branchen finanziell honoriert und akzeptiert sei, hätten Menschen in Deutschland bei Verkäufern „leider immer noch ein schiefes Bild“ im Kopf. Dazu zog Maschmeyer einen Vergleich mit den USA heran, wo seine Maschmeyer Group über Büros in New York und San Francisco verfügt: „Wenn einer eine Immobilie sucht und bei einem Makler landet, ist der Reflex: Ärgerlich, der kriegt Provision. Amerikaner sagen: Hey, der Makler kennt vielleicht zehn freie Häuser, die finanziell und von der Größe passen würden und die ich allein nicht finde.“

Nun ja. Zweitens sei er ein guter Netzwerker, fuhr der Manager fort, „was manche als mauschelnde Kumpanei missverstehen, während meine Gründer dankbar sind, dass ich ihnen Türen öffne“. Und das Dritte, woran sich manche Menschen bei ihm störten, sei „natürlich der Kapitalismus“. Es hieße dann: „Wenn einer Geld hat wie der Maschmeyer, dann ist das per se unfair. Aber gerade darüber freuen sich meine Startups, denn sie benötigen vor allem Kapital für die Weiterentwicklung Ihrer Erfindungen“, gab der Ex-Hannoveraner und heutige Wahl-Münchner noch zu bedenken.

Jingle Die Demografie wackelt bedächtig, und parallel dazu steigen die Kosten. So weit nichts neues auf dem Gebiet der Krankenversicherungen. Doch jetzt meldet sich die Deutsche Aktuarvereinigung mit Vorschlägen, wie man zumindest die private Krankenversicherung auf solidere Füße stellen könnte.

Punkt 1: Schwellenwert senken, Rechnungszins als Auslöser aufnehmen. Ein Versicherer darf den PKV-Beitrag heutzutage erst dann erhöhen, wenn die Leistungen einen bestimmten Grad der ursprünglich angenommenen Summen übersteigen. In der Regel liegt diese Schwelle bei 10 Prozent, weshalb Beiträge laut Aktuarvereinigung erst spät, dann aber umso stärker steigen. Vorstandsmitglied Wiltrud Pekarek schlägt deshalb vor: „Ein durchgängiger Schwellenwert von maximal 5 Prozent und die Einbeziehung des Rechnungszinses als auslösender Faktor würden die Beitragsentwicklung deutlich verstetigen.“

Punkt 2: Höherer und längerer Zuschlag. Bisher zahlen Versicherte von 21 bis 60 Jahren einen gesetzlichen Zuschlag von 10 Prozent auf ihren Beitrag. Er soll Guthaben bilden, die dem Versicherten später zugutekommen sollen. Wenn man ihn höher oder länger erheben würde, könnte man Versicherte im Alter anschließend noch besser entlasten – so die These des Verbands.

Punkt 3: Standardtarif für alle. Über den sogenannten Standardtarif können sich Kunden der PKV relativ günstig mit Leistungen auf GKV-Niveau versichern. Allerdings können ihn nur jene nutzen, die sich vor 2009 privat versichert haben. Wiltrud Pekarek bemängelt das und sagt: „Dies ist eine nicht nachvollziehbare Diskriminierung von großen Versicherungskollektiven.“ Weshalb ihn besser alle nutzen können sollen.

Was die gesetzliche Krankenversicherung betrifft, warnt der Aktuarverband lediglich vor zwei Dingen. Einerseits sollten sich die Menschen nicht allzu sehr an die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt gewöhnen. Denn die erweckten nur die Illusion eines sauber finanzierten Kassensystems. Andererseits sollte die Regierung der Versuchung widerstehen, die soziale Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung auszubauen. Das sei angesichts des demografischen Wandels nicht bezahlbar, meinen die Aktuare. Stattdessen sollten Menschen mehr durch private Pflegeversicherungen vorsorgen.

Das Schwerpunktthema Im April: Gewerbe Managerhaftpflichtversicherungen, im internationalen Raum auch D&O-Versicherungen genannt, sind angesichts der Corona-Pandemie noch einmal wichtiger geworden als eh schon. Schließlich mussten im Umfeld von Lockdown & Co. oft schnell unternehmerische Entscheidungen getroffen werden, was die Fehleranfälligkeit erhöht. Eine D&O-Versicherung kann vor solchen Fehlentscheidungen schützen. Maklerinnen und Makler spielen beim Vertrieb dieser Produkte eine wichtige Rolle. Keine leichte Aufgabe, denn der Markt ist unübersichtlich. Rechtsanwältin Karin Baumeier hat sich in ihrer Masterarbeit daher näher mit der „Maklerhaftung bei Anbahnung des Neuabschlusses der D&O-Versicherung“ befasst – und sich über ihre wichtigsten Erkenntnisse mit unserer Kollegin Karen Schmidt im nun folgenden Gespräch ausgetauscht.

https://kanzlei-michaelis.de/wp-content/uploads/2022/03/2022_Masterarbeit_final_131020.pdf?utm_source=sendinblue&utm_campaign=Neuvermittlung%20von%20DO-Policen%20%20ein%20besonderes%20Haftungsrisiko%20Ein%20Hinweis%20auf%20die%20Masterarbeit%20von%20Rechtsanwltin%20Karin%20Baumeier%20LLM&utm_medium=email

Und damit sind wir mit Podcast-Folge Nummer 86 durch. Verpassen Sie keine weitere und abonnieren Sie „Die Woche“ doch einfach. Überall dort, wo es Podcasts gibt.

Bis dahin gilt: Bleiben Sie optimistisch, genießen Sie das Wochenende und kommen Sie gut in die neue Woche.

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