1987: Interview mit Georg Thoma

 
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"Es ist nicht nur ein Skimuseum, es soll auch eine Art Heimatmuseum sein" - Georg Thoma über das von ihm initiierte Skimuseum in Hinterzarten Im Jahr 1960 schrieb er Skigeschichte: als erster Europäer beendete er mit seiner Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in den USA die Vorherrschaft der Skandinavier in der Nordischen Kombination. Zu der Goldmedaille gesellte sich sechs Jahre später auch ein Weltmeister-Titel. Georg Thoma ist bis heute eine Skilegende und eine feste Größe im deutschen Skisport. Hütejunge und Sammler Das Licht der Welt erblickte Georg Thoma am 20.8.1937 in Hinterzarten im Schwarzwald. Sein Vater, ein Skilehrer, konnte nur schwerlich seine sieben Kinder durchbringen, deswegen musste der noch ganz junge Georg mit seinem Verdienst als Hütejunge die Familie unterstützen. Zusätzlich sammelte er im Wald Pilze und Beeren, die er dann an Gaststätten und Hotels verkaufte und so das Einkommen aufbessern konnte. Von Kind an begeisterte sich Georg Thoma für den Skisport. Bereits mit 13 Jahren wurde er deutscher Schülermeister im Sprunglauf, vier Jahre später, 1954, war er schon deutscher Jugendmeister in der Nordischen Kombination. Es war der Beginn einer Sportkarriere, die Georg Thoma zur Legende machen sollte. Entzauberte Skandinavier Bald war Georg Thoma aus der ersten Reihe der deutschen Kombinierer nicht mehr weg zu denken. Bei der WM 1958 in Lathi landete er zwar nur auf Platz 16, doch Georg Thoma ließ sich davon nicht entmutigen. Zwei Jahre später sollte das harte Training Früchte tragen. Zusätzliches Konditionstraining bekam er auch durch seine Tätigkeit als Briefträger. 1960 wurden die Olympischen Winterspiele im kalifornischen Squaw Valley ausgetragen. „Die Welt“ vom 23.1.76 weiß in diesem Zusammenhang unter anderem folgendes zu berichten: „In einer Wellblech-Baracke am McKinney Creek im Tal der Indianerfrau kauert ein pausbäckiger junger Mann unter zwei dicken Wolldecken. … ‚Das war mein letzter Lauf‘, murmelt der Vermummte immer wieder. ‚Mein letzter.“ Gemeint war Georg Thoma, der wenig später davon erfuhr, dass er in der Nordischen Kombination Olympiasieger wurde. Für den jungen Sportler ein Grund zu Freudentränen. Die Sensation war perfekt: die Vorherrschaft der Skandinavier in dieser Disziplin wurde endlich gebrochen. Noch im selben Jahr wurde er zum Sportler des Jahres gewählt und erhielt seine erste staatliche Auszeichnung: das Silberne Lorbeerblatt. Ruhmreicher Abschied Vier Jahre nach dem Triumph über die Skandinavier reichte es bei den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck noch ein Mal für einen Medaillenplatz: Georg Thoma wurde in der Nordischen Kombination Dritter. Inzwischen aber hatte er sich in dieser Disziplin fest etabliert. Insgesamt war er zwölf Mal deutscher Meister. Ebenfalls legendär sind seine Siege bei den norwegischen Holmenkollen-Wettbewerben. 1963 gewann er ihn als erster Mitteleuropäer und sollte diesen Erfolg noch zwei Mal wiederholen: 1964 und 1965. Es war ein Rekord, der nur noch dem Norweger Thorleif Haug gelungen war. Für diesen Erfolg wurde Georg Thoma mit der Holmenkollen-Medaille ausgezeichnet. Im Jahr 1966 beendete Georg Thoma seine aktive Sportkarriere mit einem Triumph: er wurde Weltmeister in der Nordischen Kombination. Dem Sport blieb er weiterhin eng verbunden. Georg Thoma gehört auch zu den Mitinitiatoren des Skimuseums in Hinterzarten. Für seine Verdienste um den Ski-Sport wurde er 1977 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Im August 1987 unterhielt sich DW-Redakteur Sebastian Bargon mit Georg Thoma über das Skimuseum. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer

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