1978: Interview mit Karl Maria Herrligkoffer

 
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"Wenn es morgen und übermorgen so schönes Wetter ist wie heute, dann habe ich überhaupt keine Zweifel" - Karl Maria Herrligkoffer über die Aussichten auf die Besteigung des Mount Everest Unter den Bergsteigern war er umstritten, zugleich aber auch geschätzt. Er war Arzt, Bergsteiger und Expeditionsleiter, dessen Organisationstalent geradezu legendär war. Karl Maria Herrligkoffer organisierte ab 1953 unzählige Besteigungsexpeditionen. Dem Bruder zu Ehren Geboren wurde Karl Maria Herrligkoffer am 13.6.1916 in Schweinfurt. Nach dem Abitur studierte er Medizin an der Universität München, wo er auch promovierte. Schon sehr früh begeisterte er sich fürs Bergsteigen. Seine erste Expedition leitete Karl Herrligkoffer im Jahr 1953. Damals plante eine Gruppe von Bergsteigern aus Deutschland und Österreich die Besteigung des Nanga Parbat im Himalaya. Die Expedition sollte zum Gedächtnis von Willy Merkl, einem dort tödlich verunglückten Bergsteiger und Halbruder Karl Herrligkoffers, stattfinden. Willy Merkl war nicht das einzige Todesopfer an diesem Berg, deswegen nannte man den Nanga Parbat auch den "deutschen Schicksalsberg". Die erste Expedition von Karl Herrligkoffer verlief erfolgreich und der Gipfel wurde von dem Österreicher Hermann Buhl bestiegen. Sie eröffnete zugleich eine ganze Reihe von Expeditionen zu diesem Berg, die meistens unter der Leitung von Karl Herrligkoffer stattfanden. Doch nicht alle Besteigungsversuche sollten mit einem Erfolg enden. "Münchner Haus" am Nordpol In den Folgejahren 1954, 1961, 1963 und 1964 folgten weitere von Karl Herrligkoffer geleitete Expeditionen zu diesem Berg, wobei die im Winter 1964 nach einem schweren Lawinenunfall abgebrochen werden musste. Und es war nicht die einzige, die mit einem Misserfolg endete. Doch Karl Herrligkoffer beschränkte sich nicht nur auf den Himalaya. Der Kölner Stadt Anzeiger vom 9.9.66 titelte unter anderem: "Am Nordpol steht ein 'Münchner Haus'". Gemeint war eine finnische Blockhütte, die von einer deutschen Expedition unter der Leitung von Karl Herrligkoffer als Stützpunkt für künftige Nordpolexpeditionen erbaut wurde. Außerdem hatten die Teilnehmer dort zum ersten Mal 36 Gipfel bestiegen, die sie mit bayerischen Namen tauften. Allerding musste die Expedition um drei Wochen verkürzt werden, da unter anderem auch 450 Kilogramm an Lebensmittelvorräten verloren gingen. Doch der Himalaya und der "deutsche Schicksalsberg" sollten weitere Besuche von Expeditionen unter der Leitung von Karl Herrligkoffer, der selbst nie auf einem Achttausender stand, bekommen. Die Rupal-Flanke Legendär wurde die Expedition zum Nanga Parbat im Jahr 1970. Damals bestiegen Reinhold und Günther Messner den Berg über die Rupal-Flanke, die höchste Steilwand der Welt. Günther Messner kam leider beim Abstieg ums Leben und Reinhold Messner zog sich schwere Erfrierungen zu. Karl Herrligkoffer organisierte auch Expeditionen zu anderen Bergen Himalayas, unter anderem 1971 zum Mount Everest. Als Expeditionsleiter war Karl Herrligkoffer allerdings unter den Bergsteigern nicht unumstritten. So war er zwar einer der ersten Expeditionsleiter, die ihre Mannschaft ungeachtet der Nationalität zusammenstellten, doch er schloss mit den Teilnehmern Verträge ab, die ihm Exklusivrechte an den Ergebnissen eines solchen Unternehmens zusicherten. So führte er unter anderem medizinische Experimente auf großen Höhen durch, die er dann erfolgreich publizierte. Karl Maria Herrligkoffer starb am 9.11.91 in München. Im Oktober 1978 sprach DW-Redakteur Karl Bernd Skamper telefonisch mit Karl Herrligkoffer kurz vor dem Gipfelsturm des Mount Everest. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer

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