04 - Eric Eggert - Accessibility

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Was Content Strateginnen und Strategen zu Barrierefreiheit wissen sollten

Das Transkript des Gesprächs:

00:00 Marijana Miljkovic: Hallo noch mal und herzlich Willkommen bei Talk Content! Heute bei mir ist Eric Eggert und wir sprechen über Accessibility, also Barrierefreiheit im Internet. Woher kommt es, dass du dich mit Accessibility beschäftigst, was ist dein Hintergrund?

00:16 Eric Eggert: Das ist eine ganz witzige Geschichte, da kam eines zum anderen. Ich habe im Prinzip angefangen mit Semantik und HTML und Webtechnologien und später mit Micro Formats, und dann bin ich nach Wien gezogen und dachte mir, hey wir müssen etwas machen, weil, ich war ein Deutscher in Wien und kannte niemanden, ich weiß aber, oder wusste es damals, es gibt eine große technologie-affine Community. Und da habe ich den Web-Montag organisiert und habe dann den Shadi Abou-Zahra von W3C getroffen und den Robert Lender, und bin dann immer weiter in die Barrierefreiheits-Ecke reingeraten quasi, da konnte ich gar nichts für. Und irgendwann mal hatte ich mich spezialisiert.

01:08 W3C, was ist das?

01:10 Das W3C ist das World Wide Web Consortium, das sind die, die die Standards für das Web machen, unter anderem HTML und CSS, also, wie die Inhalte auf Websites kommen und wie die ausschauen, aber auch, wie man Websites barrierefrei macht. Ich persönlich arbeite seit 2013 für das W3C, erst direkt über ein EU-Projekt und jetzt über ein Non-Profit mit dem Namen Nobility, die die Hälfte meiner Zeit ans W3C spenden. Und da helfe ich, die Inhalte für Barrierefreiheit besser zugänglich zu machen, damit sie einfacher zu verstehen sind.

01:53 Was ist Accessibility, kann man das in ein, ein paar Sätzen/Worten beschreiben?

02:00 Es gibt die breite Definition und die enge Definition, wie bei so vielen Sachen. Und die enge Definition ist: Websites für Menschen mit Behinderungen benutzbar machen. Die breitere Definition ist, dass man, dadurch, dass man die Website besser benutzbar macht für Menschen mit Behinderungen, macht man sie besser benutzbar für alle. Man deckt aber auch technologische z.B. viele Edge-Cases ab, viele Sonderfälle ab. Also zum Beispiel: als das iPhone erfunden wurde, dann hatten wir plötzlich ganz kleine Screens. Menschen, die sich mit Barrierefreiheit auseinander gesetzt haben, wussten schon, dass es da gewisse Einschränkungen gibt und wie man damit umgeht. Das kann technologisch ganz spannend sein.

02:49 Und warum sind Websites nicht von vornherein barrierefrei?

02:54 Das ist eine gute Frage - meistens, weil jemand die Barrierefreiheit kaputtmacht. Grundsätzlich, wenn man HTML und CSS benutzt und nicht allzu viel Schabernack treibt, sind die Seiten barrierefrei und jeder kann sie benutzen und die sind technologieunabhängig. Die Sache ist, wenn dann Java Script ins Spiel kommt, dann gibt es Interaktionmodelle, die dann einfach nicht mehr gut funktionieren. Und ein anderer Bereich ist dann generell Design, also Farbkontraste zum Beispiel. Da muss man darauf achten, dass man genug Kontrast hat, weil sonst ist es schwer zu lesen, bei Sonneneinstrahlung und so. Man macht es eher kaputt, als dass es nicht von Anfang an barrierefrei ist.

03:39 Sonneneinstrahlung, wenn sie auf einen Computerscreen fällt…

Genau.

03:46 Was sind so die Fälle, kannst du das vielleicht veranschaulichen, wo kommt Barrierefreiheit ins Spiel beim Benützen einer Website?

03:55 Genau, also, für Menschen mit Behinderungen, z.B. wenn jemand zum Beispiel blind ist, dann benutzt er eine Vorlesesoftware, einen so genannten Screenreader. Die liest eine Webseite vor und gibt aber auch Bedienungshilfen. Ich kann zum Beispiel von Überschrift zu Überschrift springen, ich kann mir eine Liste mit Links ausgeben, und ich kann zum Beispiel sagen, was ist eigentlich der Hauptinhalt auf der Seite: bring mich da direkt hin und lies mir das direkt vor. Also, ich komme zum Beispiel über eine Suchmaschine auf eine Website und dann sage ich: ich interessiere mich gar nicht für die Navigation oder irgendwas, sondern, ich möchte nur den Artikel lesen, dann kann ich das mit einem Screenreader sehr schnell machen. Dann gibt es motorische Behinderungen, das sind dann andere Eingabemöglichkeiten. Zum Beispiel gibt es so genannte Switches, das sind im Prinzip große Buttons und da sieht man auf dem Bildschirm, dass quasi ein Fadenkreuz über dem Bildschirm läuft und da wo man dann halt hinklicken will oder eine Aktion machen will, dann drückt man auf den Button. Und das ist für Menschen, die sehr eingeschränkt sind motorisch und die da eine andere Zugänglichkeit brauchen. Und dann betrifft’s uns alle, wenn wir draußen sind und auf unsere Handys gucken und es ist Sommer, wie jetzt gerade, und dann sieht man plötzlich nichts, obwohl das Handy auf volle Lotte aufgedreht ist. Auch da können starke Kontraste dann helfen, dass man überhaupt eine Möglichkeit hat, irgend etwas zu erkennen.

05:25 Es gibt viele technologische Lösungen, die Barrierefreiheit ermöglichen. Bedenken Unternehmen wie WordPress zum Beispiel Barrierefreiheit? Also, wenn ich jetzt beschließe, mir auf Wordpress eine Website einzurichten oder einen Webshop, und ich lade alle, die Templates und so weiter runter, bin ich da schon barrierefrei, weil es der Hersteller, der Programmierer schon ermöglicht, oder muss ich da noch viel selber dazu tun?

05:56 Also grundsätzlich gibt es da zwei Sachen: Es gibt diesen technologischen Unterbau und das ist das, was Wordpress und Drupal und andere CMS ziemlich gut machen, das heißt, grundsätzlich ist es möglich, damit barrierefreie Seiten zu erstellen. Der Teufel liegt manchmal im Detail. Wenn ich zum Beispiel als jemand, der die Inhalte erstellt, ein Bild hochlade, dann muss ich dafür sorgen, dass das Bild beschrieben ist. Weil, ein Mensch, der blind ist, der weiß nicht, was auf dem Bild drauf ist. Das muss ich immer noch selber machen, das kann mir kein Computer abnehmen und keine Technologie, weil so weit ist Bilderkennung halt noch nicht. Aber grundsätzlich gibt’s, zum Beispiel gerade bei WordPress, im Theme-Directory die Accessibility-ready-Themes. Die sind so getagged und damit kann ich sortieren und sagen, damit habe ich zumindest eine barrierefreie Grundlage. Und dann gehts darum, dass man es selber kaputtmachen kann, indem man Entscheidungen trifft, die nicht barrierefrei sind.

07:00 Was sind so die ersten Schritte, die man tun muss, um eine Website barrierefrei zu machen, wenn man schon eine betriebt?

07:07 Das ist eine ziemlich weitreichende Frage. Das Wichtigste ist, finde ich, sich mit den grundsätzlichen Prinzipien von Barrierefreiheit auseinanderzusetzen. Das ist: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verstehbarkeit - was kein deutsches Wort ist -, und Bedienbarkeit. Das wichtige ist also, dass man Dinge auf einer Website wahrnehmen kann, mit unterschiedlichen Technologien. Dass ein Bild mit einer Vorlesefunktion, dann, dass man generell versteht wo man ist auf der Seite, wie man navigiert, und dass man zum Beispiel, die Website mit der Tastatur benützen kann. Es gibt dieses Dokument beim W3C, das nennt sich Easy Checks, das ist im Prinzip eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wo man gucken kann, wie es ausschaut, mit der Barrierefreiheit. Das ersetzt nicht einen kompletten Barrierefreiheits-Test, oder einen WCAG-Test. WCAG, das sind die Web Content Accessibility Guidelines, also die Richtlinien für barrierefreie Internetinhalte, das ersetzt es auf keinen Fall, aber das gibt mal einen ersten Eindruck und dann kann man sagen: Okay, das sind jetzt die wichtigen Sachen, die man angehen sollte und dann kann man sich darum kümmern. Letztlich wird man nicht darum herumkommen, jemanden zu beauftragen, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt oder sich das Wissen selber anzueignen. Weil irgendwann geht’s dann halt ins Detail. Dann betrifft’s aber wiederum möglicherweise nur eine kleine Anzahl an Menschen, und dann ist die Frage, wie weit man da gehen muss oder gehen sollte. Weil das kommt auf die Website selber an, wie sie upgedated wird und überhaupt, was dahinter steckt. Auf einem privaten Blog zum Beispiel ist man ja auch nicht verpflichtet, barrierefrei zu sein, kann sich aber trotzdem in die richtige Richtung bewegen.

09:14 Ich habe bemerkt, dass mein Podcast nicht barrierefrei ist. Was er mindestens leisten sollte ist wahrscheinlich, dass die Gespräche nachzulesen sein können - dass unser Gespräch zum Beispiel transkribiert wird, von mir!

09:30 Ja genau, also Podcasts, gerade, dass das so ein aufkommender Markt ist, bereitet uns das auch einiges an Kopfzerbrechen, weil diese Transkription, oder im Videobereich die Gebärdensprache, Untertitelung und so, das ist halt nicht, das ist technologisch nicht einmal was gemacht und das überträgt sich auf alles, sondern, man muss jeden einzelnen Inhalt transkribieren oder in ein anderes Format überführen. Da gibt es mittlerweile technologische Lösungen, die helfen - es gibt jetzt z.B. Transkriptionsprogramme, die mittels Machine Learning ziemlich gute Ergebnisse bringen. Aber letztlich ist halt, Pi mal Daumen, für jede Minute Podcast mindestens eine bis zwei Minuten Transkriptionszeit nötig. Und das ist halt doch einiges an Zeit, die da investiert werden muss.

10:30 Und, weil dieser Podcast Talk Content heißt: Aus welchen Gründen sollten sich Content Strategen mit Accessibility beschäftigen?

10:40 Für Content Strategy ist es wichtig, weil das so weitreichende Auswirkungen hat. Also 15 Prozent aller Menschen auf der Welt haben eine Behinderung. Das ist je nach Land ein bisschen unterschiedlich, aber im großen und ganzen sind es 15 Prozent, die man auch erreichen möchte, als jemand, der Content produziert. Die andere Sache ist, dass ohne die Content Strategen überhaupt nicht möglich ist, eine Seite barrierefrei zu machen, weil man Barrierefreiheit planen muss, weil man die Inhalte planen muss, die Navigation entsprechend planen muss, also diese ganzen Sachen greifen ineinander. Deswegen ist ein grundlegendes Verständnis von Barrierefreiheit wichtig, gerade bei Content Strategen.

11:28 Welche Unternehmen, also Medien, Hochschulden oder Firmen, leben deiner Meinung nach Accessibility im Internet?

11: 39 Da gibt es ein paar, und es werden immer mehr, für die das wichtig ist. Die Vorreiterrolle hat vor ein paar Jahren Apple übernommen, die extrem viel dafür machen. Jedes iPhone hat nicht nur einen Screenreader, sondern auch verschiedene Profile für Farbenblindheit, was sieben Prozent aller Männer betrifft, z.B. Sie haben Möglichkeiten, mit Braille-Tastaturen das iPhone zum bedienen, also hunderte Möglichkeiten. Und das ist alles nicht Mainstream, dass man sagt, die machen das, weil es jedem hilft. Sondern, es sind spezialisierte Lösungen. Da sind die ganz weit vorne dran, aber Microsoft macht auch viel in dem Bereich. Die haben einen Screenreader auch in Windows integriert. Google macht viel, dass die ganzen Applikationen barrierefrei sind, also Gmail und so weiter. Da bewegt sich viel, gerade bei den großen Firmen. Bei den kleinen Firmen ist da oft noch Nachholbedarf, wobei man sagen muss, dass gerade auf so neuen Plattformen wie iOS zum Beispiel, das ist viel gerade so gebaut, dass es mit relativ wenig Aufwand möglich ist, eine App barrierefrei zu machen.

12:56 Gibt's eigentlich Benefits von Accessibility, jetzt abgesehen davon, dass einfach mehr Nutzer eine Seite nutzen können? Zum Beispiel SEO, Suchmaschinenoptimierung? Oder hat das eine mit dem anderen nichts zu tun?

13:13 Ich tu mich da immer schwer zu sagen das hilft, gerade weil SEO so eine Woodoo-Sache ist, wo man eh nicht weiß, was da so wirklich abgeht. Aber natürlich, das Grundprinzip von Barrierefreiheit ist, dass die Sachen maschinenlesbar sind - und Google ist eine Maschine, DuckDuckGo ist ne Maschine und assistive Technologien sind auch Maschinen, also Screenreader und Spracheingaben sind halt auch Maschinen. Und zum Beispiel kommen jetzt Web-Inhalte auf die Apple Watch, da gab es die Ankündigung vor ein paar Wochen, und die benützen Barrierefreiheits-Merkmale um zu sagen: Okay, das ist jetzt ein Hauptinhalt von der Seite, ich zeige nur den an, weil man nicht eine ganze Website auf der Uhr bedienen möchte. Da tut sich schon einiges, wo man auch sekundär noch Vorteile genießt, wenn die Seite barrierefrei ist, das macht es auf jeden Fall zukunftssicherer.

14:18 Gibt’s Untersuchungen oder Berechnungen, dass Accessibility sich auch rechnet für Unternehmen?

14:26 Das ist ein bisschen schwierig. Die meisten Untersuchungen kommen aus den USA, weil es dort mit dem Antidiskriminierungsgesetz verpflichtend für jeden ist, ein barrierefreies Angebot zu haben. Target wurde verklagt, vor über zehn Jahren jetzt, und die mussten sieben Millionen $ bezahlen, weil Blinde auf der Website die Preise nicht lesen konnten und die Angebote nutzen konnten und deswegen benachteiligt waren. Es gibt also dieses Brechstangen-Mittel mit dem Verklagtwerden. Auf der anderen Seite ist es in den USA auch verpflichtend für Unternehmen, die an staatliche Stellen verkaufen wollen. Wenn jetzt zum Beispiel Slack sein Produkt an ein Ministerium verkaufen möchte oder eine Stadt, dann muss das barrierefrei sein, also ist es barrierefrei für alle. Das eröffnet natürlich auch Märkte. Hier in Europa wird gerade auf EU-Ebene an einer Norm gearbeitet für Barrierefreiheit, auch im öffentlichen Bereich. Und da kommt im Prinzip genau das selbe, dass man sagt: Okay, wenn eine öffentliche Stelle das einkauft, dann kaufen die nur barrierefreie Sachen.

15:50 Welche Tools verwendest du und würdest du empfehlen, um zu überprüfen, ob eine Website barrierefrei ist?

16:00 Also für die Sachen, die man automatisch testen kann, da gibt’s einige Sachen, die man nutzen kann. Zum einen gibt’s ein Tool von Deque, das nennt sich Axe, was zum Beispiel auch in Google Chrome zum Beispiel eingebaut ist, damit kann man so generelle Sachen nachgucken. Bilder, die überhaupt keinen Alternativ-Text haben oder schlecht verschachtelte Elemente auf der Seite, wo dann auch die Tastatur-Bedienbarkeit nicht funktioniert. Solche Sachen kann man relativ gut überprüfen mit solchen Technologien. Tenon ist eine andere Technologie, ein Produkt, das auch gut funktioniert. Da muss man gucken, was einen am meisten anspricht. Grundsätzlich geht man davon aus, dass zwischen 40 und 60 Prozent aller Barrierefreiheits-Probleme maschinen-erfassbar sind und der Rest muss manuell überprüft werden, von jemandem, der Experte ist oder das notwenige Wissen hat. Das sind so Sachen wie Farbkontraste, zum Beispiel, wenn man eine Schrift hat, die auf einem Hintergrundbild ist, da gibt’s kein Tool auf der Welt, das sagen kann: Ja, das ist jetzt barrierefrei in allen möglichen Bildschirmauflösungen. Da muss ein Mensch sagen, ja das passt. Ja, und da gibt’s so Sachen wie Bookmarklets und Browser-Plug-Ins, wo man sich das auch schön anzeigen lassen kann, direkt auf der Seite: Wo ist kein Alternativ-Text? Was sieht aus wie eine Überschrift ist aber keine? Da gibt es ganz viele Tools und auf W3C gibt es auch eine Tools-List, wo über 100 Tools drauf sind und man kann sie filtern, nach den eigenen Anforderungen.

17:57 Dankeschön für das Gespräch! Habe ich etwas fragen vergessen, oder haben wir die wichtigsten Punkte, angerissen zumindest?

18:05 Ne, ich glaube, das war ein ziemlich guter Überblick und ich hoffe, die Hörer nehmen auch etwas mit, das wär' gut. Und wenn's Fragen gibt, und Hinweise: Ich bin im Internet zu finden unter @yatil. Und wenns Fragen gibt, einfach fragen, auch zu den W3C-Sachen, ich versuche das immer an die richtigen Stellen weiterzuleiten.

18:37 Danke vielmals und Danke für’s Zuhören!

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