Felix Huby: Heimatjahre (1/2)

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Felix Huby, der Erfinder von Bienzle und Miterfinder von Schimanski, Autor von mindestens 700 Drehbüchern für Film und Fernsehen, hat sein persönlichstes Buch geschrieben. Es ist ein autobiographischer Roman, der erste Teil einer Trilogie. Im Zentrum steht Christian Ebinger, ein junger Bub, der mit seinen Eltern und Geschwistern in Dettenhausen, einem kleinen Dorf in der Nähe von Tübingen, lebt. Die Nachkriegsjahre lässt der Autor Revue passieren, von den schweren Zeiten bis in die Sechzigerjahre. Das Buch handelt von Kriegsheimkehrern, Mitläufern und Bekehrten, aber auch von einer Epoche, die unglaublich spannend und lebendig war, die sich für Christian, des Autors Alter Ego, wie ein einziges großes Abenteuer anfühlt. Ein großes Sittengemälde dieser jungen Bundesrepublik. Hubys Werk ist tief verwurzelt im Schwäbischen. In seiner Dankesrede zur Ehrenbürgerschaft von Dettenhausen schreibt er 2019: „Das Gefühl für die Heimat ist für mich auch eng verbunden mit der heimischen Sprache. Schwäbisch ist ja eigentlich keine Mundart, kein verschlamptes Hochdeutsch, sondern, um es mit Thaddäus Troll zu sagen: „Eine Sprache mit eigenem Wortschatz und eigener Grammatik, die sich auch in ihren Gefühlsinhalten völlig von der Hochsprache unterscheidet.“ Die Sprache meiner Heimat, das Schwäbische, ist differenzierter, oft präziser, bildhafter und klarer als das so genannte Schriftdeutsch. Troll sagte einmal: „Die Hochsprache ist nicht denkbar ohne eine lebendige Fühlung mit, ohne eine ständige Erneuerung durch den Dialekt. Sie würde sonst umkippen wie ein Gewässer ohne Sauerstoff.“
Für viele Menschen meiner Generation gilt das heute noch, zumal wenn man als Schriftsteller an seine Sprache gekettet ist, wenn man, wie ich, vieles im Dialekt schreibt. Das Schwäbische ist nun mal der Humus, auf dem das meiste gewachsen ist, was ich geschrieben habe.
Diesen Humus, diesen Nährboden für meine Literatur, meine Hörspiele, meine Theaterstücke und meine Filme kann man auch nutzen, wenn man ganz woanders lebt. Dass ein gewisser Abstand eine Hilfe sein kann, habe ich immer wieder bemerkt, seitdem ich in der Bundeshauptstadt lebe.“
Seit vielen Jahren wollte ich so einen Dorfroman schreiben, ein Buch, wie ich es selber gerne lese, eine Geschichte, die breit dahinströmt wie ein Fluss mit überraschenden Biegungen und gelegentlichen Stromschnellen, einen richtigen Schmöker.

Quelle: Felix Huby

Mit: Konstantin Bez, Harald Letfuß, Berthold Biesinger u.v.a
Dramaturgie: Uta-Maria Heim
Regie: Zoran Solomun
Produktion: SWR 2020

372 Episoden