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Vom Himmel hoch, da komm ich her

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Kranz- und Rätsellieder

Ein Sommerabend im 15. Jahrhundert. Um die Dorflinde herum sitzen auf Bänken junge Leute und erzählen sich Neuigkeiten aus dem Dorf. Die Mädchen tragen als Schmuck frische Blütenkränze im Haar – und die jungen Männer hoffen, sich beim Kranzsingen den Blütenkranz der Angebeteten zu ersingen. Den Kranz müssen sie sich aber in einem Sängerwettstreit erst verdienen: Ein Mädchen tritt vor und stellt den Männern in Rätselliedern Fragen. Wer die Lösung kennt, beantwortet die Rätsel mit einem Lied und erhält dafür den Kranz. Mitunter muss der Sieger jedoch seinen mühsam errungenen Kranz verteidigen, nämlich wenn ein Herausforderer auftritt und dem Sieger weitere Rätsel aufgibt. Wenn er sie dann nicht lösen kann, verliert er seinen Kranz wieder. So ergibt sich eine lange Kette von Liedern, in denen sich Sängerwettstreit und Brautwerben miteinander vermischen. Und oft mündet das Kranzsingen im Tanz, bei dem sich die jungen Leute näher kommen. Leider sind heute nur sehr wenige dieser Lieder erhalten, zum Beispiel das Lied "Ich komm aus fremden Landen her". Darin sind auch Rätsel enthalten. Die Rätsel sind gelöst, der Sänger muss den Kranz wieder abgeben. Man kann sich vorstellen, wie er versuchen wird, den Kranz zurück zu gewinnen – und natürlich auch das Herz seiner Angebeteten. Mit Weihnachten hat der Gebrauch dieses Liedes also zunächst gar nichts zu tun. Der Text der ersten Strophe erinnert allerdings sehr an ein bekanntes Weihnachtslied: "Ich komm aus fremden Landen her ,ich bring euch viel der neuen Mär". Statt des fahrenden Burschen, der von fremden Ländern erzählen kann, kommt ein Engel: "Vom Himmel hoch da komm ich her".

Vom Kranzlied zum Kinderlied

Es war Martin Luther, der aus dem Kranzlied "Ich komm aus fremden Landen her" das "Kinderlied auf die Weihnacht Christi" machte. Dass er sich dabei an eine weltliche Melodie anlehnte, um sie mit einem neuen, diesmal geistlichen, Text zu unterlegen, war zu seiner Zeit Gang und Gäbe. Der Legende nach soll Luther das Lied für die Weihnachtsfeier im Jahr 1534 für seine eigenen Kinder geschrieben haben, daher auch der ursprüngliche Titel "Kinderlied auf die Weihnacht Christi". Als Textvorlage wählte er einen Ausschnitt aus der Weihnachtsgeschichte: In insgesamt 15 Strophen kommen der Engel, die Hirten und die Gläubigen zu Wort und bringen "gute, neue Mär" von der Geburt Christi. Die Melodie von dem ursprünglichem "Kinderlied auf die Weihnacht" ist uns heute nicht mehr geläufig. Der Text jedoch sehr wohl, denn nur wenige Jahre später brachte Luther eine neue Version des Liedes raus – diesmal mit einer neuen Melodie, die er vermutlich selbst geschrieben hat. Wir wissen nicht, warum Luther die bekannte weltliche Melodie des Kranzliedes durch eine neue ersetzte. Dadurch dass viele Menschen die Melodie kannten und Luthers neuen Text darauf singen konnten, hatte die Melodie ja dazu beigetragen, dass das Lied "Vom Himmel hoch" schnell populär wurde. Damit erfüllte die Melodie auch den Zweck, einen geistlichen Inhalt, nämlich die Weihnachtsgeschichte, schnell im Volk zu verbreiten und einzuwurzeln.

Inspiration für viele Komponisten

Aber auch mit der neuen Melodie verbreitete sich "Vom Himmel hoch" weiter. Es wurde nicht nur zu einem der beliebtesten Weihnachtslieder, sondern hat auch viele Komponisten zu eigenen Werken inspiriert. Johann Sebastian Bach zum Beispiel hat das Lied als Grundlage für ein Orgelwerk genommen: 1746/47 schrieb er seine "Canonischen Veränderungen über ein Weihnachtslied". Und auch in seinem Weihnachtsoratorium taucht die Melodie mehrmals in Chorälen auf. Auch Max Reger beschäftigte sich mehrfach mit "Vom Himmel hoch". Er wählte die Melodie für eine Choralkantate aus, berücksichtigte das Lied in den 30 kleinen Choralvorspielen für Orgel und verarbeitete die Melodie in einem 6-stimmigen Chorsatz.
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Kranz- und Rätsellieder

Ein Sommerabend im 15. Jahrhundert. Um die Dorflinde herum sitzen auf Bänken junge Leute und erzählen sich Neuigkeiten aus dem Dorf. Die Mädchen tragen als Schmuck frische Blütenkränze im Haar – und die jungen Männer hoffen, sich beim Kranzsingen den Blütenkranz der Angebeteten zu ersingen. Den Kranz müssen sie sich aber in einem Sängerwettstreit erst verdienen: Ein Mädchen tritt vor und stellt den Männern in Rätselliedern Fragen. Wer die Lösung kennt, beantwortet die Rätsel mit einem Lied und erhält dafür den Kranz. Mitunter muss der Sieger jedoch seinen mühsam errungenen Kranz verteidigen, nämlich wenn ein Herausforderer auftritt und dem Sieger weitere Rätsel aufgibt. Wenn er sie dann nicht lösen kann, verliert er seinen Kranz wieder. So ergibt sich eine lange Kette von Liedern, in denen sich Sängerwettstreit und Brautwerben miteinander vermischen. Und oft mündet das Kranzsingen im Tanz, bei dem sich die jungen Leute näher kommen. Leider sind heute nur sehr wenige dieser Lieder erhalten, zum Beispiel das Lied "Ich komm aus fremden Landen her". Darin sind auch Rätsel enthalten. Die Rätsel sind gelöst, der Sänger muss den Kranz wieder abgeben. Man kann sich vorstellen, wie er versuchen wird, den Kranz zurück zu gewinnen – und natürlich auch das Herz seiner Angebeteten. Mit Weihnachten hat der Gebrauch dieses Liedes also zunächst gar nichts zu tun. Der Text der ersten Strophe erinnert allerdings sehr an ein bekanntes Weihnachtslied: "Ich komm aus fremden Landen her ,ich bring euch viel der neuen Mär". Statt des fahrenden Burschen, der von fremden Ländern erzählen kann, kommt ein Engel: "Vom Himmel hoch da komm ich her".

Vom Kranzlied zum Kinderlied

Es war Martin Luther, der aus dem Kranzlied "Ich komm aus fremden Landen her" das "Kinderlied auf die Weihnacht Christi" machte. Dass er sich dabei an eine weltliche Melodie anlehnte, um sie mit einem neuen, diesmal geistlichen, Text zu unterlegen, war zu seiner Zeit Gang und Gäbe. Der Legende nach soll Luther das Lied für die Weihnachtsfeier im Jahr 1534 für seine eigenen Kinder geschrieben haben, daher auch der ursprüngliche Titel "Kinderlied auf die Weihnacht Christi". Als Textvorlage wählte er einen Ausschnitt aus der Weihnachtsgeschichte: In insgesamt 15 Strophen kommen der Engel, die Hirten und die Gläubigen zu Wort und bringen "gute, neue Mär" von der Geburt Christi. Die Melodie von dem ursprünglichem "Kinderlied auf die Weihnacht" ist uns heute nicht mehr geläufig. Der Text jedoch sehr wohl, denn nur wenige Jahre später brachte Luther eine neue Version des Liedes raus – diesmal mit einer neuen Melodie, die er vermutlich selbst geschrieben hat. Wir wissen nicht, warum Luther die bekannte weltliche Melodie des Kranzliedes durch eine neue ersetzte. Dadurch dass viele Menschen die Melodie kannten und Luthers neuen Text darauf singen konnten, hatte die Melodie ja dazu beigetragen, dass das Lied "Vom Himmel hoch" schnell populär wurde. Damit erfüllte die Melodie auch den Zweck, einen geistlichen Inhalt, nämlich die Weihnachtsgeschichte, schnell im Volk zu verbreiten und einzuwurzeln.

Inspiration für viele Komponisten

Aber auch mit der neuen Melodie verbreitete sich "Vom Himmel hoch" weiter. Es wurde nicht nur zu einem der beliebtesten Weihnachtslieder, sondern hat auch viele Komponisten zu eigenen Werken inspiriert. Johann Sebastian Bach zum Beispiel hat das Lied als Grundlage für ein Orgelwerk genommen: 1746/47 schrieb er seine "Canonischen Veränderungen über ein Weihnachtslied". Und auch in seinem Weihnachtsoratorium taucht die Melodie mehrmals in Chorälen auf. Auch Max Reger beschäftigte sich mehrfach mit "Vom Himmel hoch". Er wählte die Melodie für eine Choralkantate aus, berücksichtigte das Lied in den 30 kleinen Choralvorspielen für Orgel und verarbeitete die Melodie in einem 6-stimmigen Chorsatz.
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