Attentäter Teilirian freigesprochen!

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Von Jan Fusek, Fabian Goppelsröder und Robert Sollich, Jan Fusek, Fabian Goppelsröder, and Robert Sollich entdeckt von Player FM und unserer Community - Das Urheberrecht hat der Herausgeber, nicht Player FM, und die Audiodaten werden direkt von ihren Servern gestreamt. Tippe auf Abonnieren um Updates in Player FM zu verfolgen oder füge die URL in andere Podcast Apps ein.
4. Juni 1921 Von der Ermordung des ehemaligen Großvesirs Talaat Pascha durch den armenischen Studenten Soghomon Teilirian am hellichten Tage auf der Berliner Hardenbergstraße haben wir im März berichtet. Am 4. Juni 1921 sprach in einem viel beachteten Prozess ein Geschworenengericht Teilirian frei – unter anderem viel beachtet, da nun wohl zum ersten Mal die deutsche Öffentlichkeit von den Gräueltaten des Armenier-Genozids während des Ersten Weltkriegs erfuhr, die die Verteidigung des Attentäters ausbreitete, der vorgab, die brutale Tötung seiner ganze Familie mit angesehen zu haben. Die Mitverantwortung von Talaat Pascha für die versuchte Ausrottung der Armenier galt eigentlich für jedermann als erwiesen. Aber nicht nur der geistige Zustand Teilirians während der Tat – er wurde schließlich wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen – und der Armenier-Genozid wurden vor Gericht diskutiert. Alle berichtenden Zeitungen kommentierten auch die Rolle Deutschlands, während der von Talaat Pascha angeordneten Massaker. Konservativere Zeitungen sprachen das wilhelminische Militär und den Diplomatischen Korps frei, der Vorwärts sah das natürlich differenzierter. Und um die thematischen Verflechtungen noch komplexer zu machen, schlug der Autor des Vorwärts den Bogen zu den zeitgleich in Leipzig anlaufenden Kriegsverbrecherprozessen, in denen hauptsächlich niederrangige deutsche Militärs, die Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg begangen haben sollen, strafrechtlich verfolgt wurden. Für uns entwirrt Frank Riede die Fäden.

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