Auf geht’s - der Reha-Podcast Folge 238 Schmerzmodelle

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Viele Schmerzpatient*innen werden noch nach dem alten Schmerzmodell behandelt. Dies setzt einen strukturellen Schaden für den Schmerz voraus. Und es gibt ein neues Schmerzmodell, dass ganz andere Möglichkeiten in der Therapie eröffnet.

Schmerz kann die Teilhabe wesentlich beeinflussen. Gerade dann, wenn nachts die Schmerzen einen Schlaf nicht mehr möglich machen. Oder wenn Schmerzen Bewegung einschränken. Die Folgen sind vielfältig. Nur wie kann solchen Folgen entgegnet werden? Natürlich ist der Gang zum Arzt vorprogrammiert. Genauso wie die Einnahme von Schmerzmitteln, die je nach Dosierung wieder mit Folgen daherkommen. Sei es für den Magen oder bis hin zur Schläfrigkeit und fehlenden Fähigkeit ein Kraftfahrzeug zu führen.

Jean Pierre Florenz von der Ortho-Reha-Vechta hat sich als Physiotherapeut mit dem Thema Schmerz beschäftigt und erreicht mit vielen Schmerzbetroffenen erstaunliches.

Dabei spielt die Unterscheidung zwischen einem „alten“ und „neuen“ Schmerzmodell eine große Rolle. Das „alte“ Schmerzmodell wurde von Rene Descartes schon im Jahre 1644 begründet. Dieses Modell sagt grobgefasst: „Ein struktureller Schaden setzt einen Schmerz!“. Also ohne Körperschaden auch kein Schmerz.

Das findet sich im Reha-Management auch immer wieder, wenn es um das Leid der betroffenen Unfallopfer in Schmerzkonferenzen geht.

Und es gibt auch eine andere Sichtweise. „Wir schauen, warum haben die Klienten ihre Schmerzen und warum werden sie diese nicht mehr los!“, erklärt Jean Pierre Florenz.

Dazu gehört ein ausführliches Gespräch mit den Schmerzpatient*innen in den es auch um die biologischen, psychologischen und sozialen Aspekte geht. Biologische Aspekte sind beispielsweise das Immunsystem, Körperfunktionen usw.

Wahrscheinlich am wichtigsten sind die psychologischen Aspekte in den Diagnostikgesprächen. Da geht es um die Gedanken, Gefühle und Bewertungen zum Schmerz. Hier kommt ein wenig Kritik von Jean Pierre Florenz auf. Denn Ärztinnen, Therapeutinnen und Medien beeinflussen das eigene Schmerzempfinden.

Die sozialen Aspekte sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Gerade wenn es um die Interaktionen in Familie, Beruf und Freundeskreis geht.

„Schmerz ist zu einhundert Prozent ein Konstrukt unseres Gehirns!“, erklärt Jean Pierre Florenz. Dabei spielt die Umgebung eine große Rolle. Zum Beispiel, weil durch Sprachmuster, die zum Beispiel Ärzt*innen verwenden, eine Erwartungshaltung bei den Betroffenen erzeugt wird.

Das ist eine Aussage, die bei langjährigen Schmerzpatienten auf Unverständnis stoßen wird. Und es stellt sich die Frage, warum nicht etwas Neues probieren, wenn das Alte nicht geholfen hat.

Mehr zur Ortho-Reha-Vechta findest du hier:

https://www.ortho-reha-vechta.de/

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