Andacht zum 19.Stg. nach Trinitatis - zu Jesaja 38,9-20 - Am Rande des Todes - das Leben mit neuen Werten

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Normalerweise sieht die Bibel in Krankheiten gerichtliche Heimsuchungen Gottes. Mancher sieht das ja auch jetzt in der Corona-Pandemie. Sicher ist sie ein Fingerzeig an uns Menschen heute, dass wir als Menschheit nicht einfach so weiter machen können, wie wir bisher getan haben.

Aber so einfach ist das mit dem Thema Krankheit doch nicht. Und ich denke, wenn man selbst schwer krank war, oder liebe Angehörige oder Freunde als Folge einer schweren Krankheit verloren hat, sieht und empfindet man das anders und ist an dieser Stelle viel sensibler. Das Thema Krankheit und ihre Folgen ist vielschichtiger, auch für uns als Christen.

Vor 50 Jahren hat das Duo Paul Simon und Art Garfunkel ein Lied gemacht, das noch heute die Menschen anrührt: “Bridge over roubled water - ein Brücke über unruhiges Wasser.” Es ist das Titellied ihrer letzten Schallplatte. Man kann dieses Lied noch bei Youtube oder auch bei den verschiedensten Streamingdiensten anhören.

Da wird die Frage aufgeworfen, was man macht, wenn man im Leben ganz unten ist, eben zum Beispiel durch schwere Krankheit. Sie lassen in dem Lied spüren, wie wichtig hier eine gute Freundschaft ist., wie wichtig es ist wenn jemand einem beisteht.

Was machst du, wenn du müde bist, dich klein fühlst, wenn die Dunkelheit kommt und überall Schmerzen sind. Wo ist eine Brücke, wenn es schwer wird, dunkel, schmerzhaft und einsam?

Viele Schicksalsschläge im Leben können uns das fragen lassen, aber auch Krankheit, denn auch Krankheit ist Schicksal, das das Leben von jetzt auf gleich verändert. Krankheit kann nicht nur Schmerzen verursachen und Angst auslösen. Krankheit kann das Leben unerbittlich aufteilen: in ein helles gestern und ein dunkles heute und morgen. Krankheit kann uns einsam machen. Krankheit lässt uns bohrende Fragen stellen.

Jeder von uns hat dieses schon mehr oder weniger stark erlebt. Einer, der das richtig massiv in seinem Leben erlebt hat, war der König Hiskia. Er lebte um 700 vor Christus.

Er war der König von Juda und wurde urplötzlich richtig todkrank. Als junger Mann war er schon in Juda König geworden. Er vertraute auf Gott und seine Führung und hatte in Juda einen guten Ruf als König. Wir würden sagen, er gehörte zu den guten Königen im Land und die waren damals recht selten.

Jetzt mit 39 stand er im Zenit des Lebens, auf dem Höhepunkt seiner Regentschaft. Das Volk vertraute ihm, und was er anpackte, das gelang. Er überstand auch eine sehr kritische Situation, als eine der damaligen Weltmächte seine Hauptstadt belagerte. Es schien alles sehr gut für ihn zu laufen.

Aber dann wurde er krank. Sehr krank. So krank, dass der berühmte Prophet Jesaja zu ihm kam und sagte: Bestell dein Haus. Im Klartext heißt das: Das wird nichts mehr. Ordne deine Dinge. Nimm Abschied. Lass alle Hoffnung fahren.

Da war er angekommen auf den Trümmern seines Lebens.

Was nützte es ihm jetzt noch, dass es ihm zuvor so gut ging, dass er so großen Erfolg hatte? Jetzt war alles nur noch zum Heulen. Und genau das tat Hiskia auch: Er legte sich hin, starrte die Wand an und heulte. Er haderte mit sich, mit dem Leben, mit Gott, überhaupt mit allem. Doch dann ging irgendwann das Heulen in eine Art Gebet über, in eine Art Klagen und Anklagen, und dann sogar in ein Verhandeln mit Gott:

“Ach Herr, denk doch daran, wie ich vor dir gelebt habe: Ich habe mich treu an dich gehalten. Mit ganzem Herzen bin ich dir gefolgt und habe getan, was dir gefällt.“ “Und jetzt lässt du mich einfach so verrecken. Menschen sterben, ja das ist so, aber für mich ist es doch viel zu früh. Ich könnte schon noch ein bisschen länger leben”.

Dann ging sein Beten wieder ins Weinen über.

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