Keine Angst vor Hits | Post-Punk-Beef und Elektro-Rummel

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Neue Alben

Idles – Ultra Mono

Vor drei Jahren sind die Idles mit ihrem Debütalbum „Brutalism“ über die britische Post-Punk-Szene gewalzt. Ihren Status als einer der aufregendsten Punk-Acts hat das Quintett aus Bristol seitdem vor allem mit energetischen Live-Shows und ihrem von Kritikern gepriesenen zweiten Album „Joy as an Act of Resistance“ zementiert. Brachiale Gitarrenwände, einfallsreiches Songwriting, die bellende Stimme von Sänger Joe Talbot und lyrische Gesellschaftskritik en masse zeichnet Idles aus. All das findet sich auch auf ihrem dritten Album „Ultra Mono“. Hier haben sie in allen Belangen nochmal eine Schippe drauf gelegt. Damit die Platte klingt „wie eine Maschine“, hat man sich neben Adam Greenspan und Nick Launay, die auch schon den Vorgänger produziert haben, noch den versierten HipHop-Produzenten Kenny Beats mit ins Boot geholt. Auch sonst war die Band in diesem Jahr alles andere als untätig. Schon vor Release von „Ultra Mono“ haben die Bristoler angfeangen, Songs für ein nächstes viertes Album zu schreiben. Sänger Joe Talbot hat außerdem eine eigene Youtube Talkshow gestartet und liefert sich nebenbei noch eine Fehde mit den Musiker-Kollegen von Sleaford Mods und Fat White Family.

Fleet Foxes – Shore

Die Fleet Foxes haben mit ihrer melancholischen Gitarrenmusik das Folk-Revival in den späten 2000ern entscheidend mitgeprägt. Die Folk-Welle ist mittlerweile etwas abgeebbt, die Band aus Seattle zelebriert ihren selbst als „baroque harmonic Pop“ bezeichneten Stil aber weiterhin sehr erfolgreich. Aus heiterem Himmel haben die Fleet Foxes nun ihr viertes Studioalbum „Shore“ veröffentlicht. Nachdem Sänger Robin Pecknold beim Surfen hinaus aufs Meer gezogen wurde, wollte er das erleichternde „froh-noch-am-Leben-zu-sein-Gefühl“ in Albumform gießen, das ihn ereilte, als er es wieder an die Küste geschafft hatte. Herausgekommen ist eine Platte, die mit dem klassischen, feierlich zärtlichen Fleet Foxes-Charme den musikalischen Herbst einläutet. Dazu hat der Regisseur Kersti Jan Werdal ein fast einstündiges Musikvideo gedreht, dass das Album mit atmosphärischen Naturaufnahmen komplettiert.

Sylvan Esso – Free Love

Amelia Meath und Nick Sanborn sind nicht nur verheiratet, sondern bilden zusammen auch das Elektro-Pop Duo Sylvan Esso. Die Arbeitsteilung ist bei den beiden Musikern aus Durham ziemlich klar geregelt. Meath schreibt und singt die Songs, Sanborn produziert die Tracks. Während Meath vor allem Stücke kreieren will, zu denen man das T-Shirt ausziehen und tanzen kann, sorgt Sanborn im Hintergrund für die gewisse musikalische Sperrigkeit, die das Ganze interessant hält. Dieser Spagat zwischen eingängiger Danceability und zerfrickeltem Experimental-Elektro ist auch auf ihrem dritten Album „Free Love“ äußerst gut gelungen.

Neu auf der Playlist

Blu DeTiger – Cotton Candy Lemonade

TikTok-Star Blu DeTiger ist 21 und geboren in New York, wo sie auch wohnt. Auf den ersten Blick sieht sie aus, wie eine unter vielen, die bei TikTok und Instagram die üblichen kurzen Tanzvideos und Posen präsentieren. Ganz schnell wird aber klar: Die Frau hats voll drauf – neben anderen Instrumenten, die sie ebenfalls beherrscht, vor allem am E-Bass. Den packt sie gern auch mal auf DJ-Gigs aus, um die Musik aus dem Player mit live improvisierten Basslines aufzupeppen. 2019 hat sie angefangen, ihre eigene Musik zu schreiben und im Frühjahr eine erste Single veröffentlicht. Mit „Cotton Candy Lemonade“ kommt nun ein Nachfolger und der ist gar nicht so pappsüß, wie der Titel vermuten lässt.

Tune-Yards – Nowhere, man

Tune-Yards sind das Elektropop-Projekt der Künstlerin Merrill Garbus, die als Tune-Yards mit verschiedenen Gastmusikern und -musikerinnen arbeitet. Wie Blu DeTiger wurde Garbus in New York geboren, allerdings zwei Jahrzehnte früher. Zu Hause ist sie mittlerweile auf der anderen Seite der USA in Oakland, Kalifornien. Und apropos zu Hause: Das ist man ja in dieser Zeit leider viel zu oft. Ihr persönliches Gefühl der Isolation und des Nicht-Gehörtwerdens haben Tune-Yards in den Song „Nowhere, man“ gegossen. Der Titel trägt die ziemlich offensichtliche Referenz an den „Nowhere man“ der Beatles. Ist aber mindestens fünf Level überdrehter. Vielleicht muss man sich auf diese Exaltiertheit etwas einlassen, aber wenn das klappt entwickelt der Song eine eigene glitchy Tanzbarkeit.

Mustafa – Air Forces

Als Mustafa oder Mustafa the Poet ist Mustafa Ahmed Teil der Torontoer Hip-Hop Community. Die ist einerseits sehr lebendig, andererseits hat sie viele Tote zu beklagen. Weil Gewalt und Schusswaffen viel zu präsent sind. Mustafa hat einen Film darüber namens „Remember Me, Toronto“ gedreht. Darin kommt unter anderen Drake zu Wort, der wie andere Menschen im Film über nahestehende Personen spricht, die durch Schießereien getötet worden sind. Die systemischen Bedingungen, die zu solcher Gewalt führen und die Unsicherheit, die das mit sich bringt, prägen auch die musikalische Arbeit von Mustafa. Schon in der ersten Single „Stay Alive“ erzählte er die Realität der Sozialwohnungs-Viertel mit brüchig-gefühliger RnB-Stimme und Gitarrenarpeggios. Seine neue Single „Air Forces“ bleibt bei diesem Sound, wirkt jedoch ein Mü zuversichtlicher.

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