nSonic #214 – Mac – Apple Aperture 3.0 muss noch reifen

 
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214 mac aperture3
Ganz ohne besondere Veranstaltung, ohne Lichtshow und Spektakel passierte es: Der Apple-Store ging offline und präsentierte nach der Wiedereröffnung nicht etwa neue MacBooks sondern Aperture 3.0
200 neue Funktionen soll es geben, darunter die von iPhoto bekannten „Faces“ und „Places“, 64bit Unterstützung, Videos, bessere Diashows die auch exportiert werden können und, endlich, lokale Korrekturen mittels Pinsel.

Auch diese Version kann man sich kostenlos herunterladen und 30 Tage ausprobieren und genau das haben viele bereits getan. Die Erfahrungen sind dabei allerdings extrem gespalten. Bei einigen Anwendern scheint die Anwendung gut zu laufen, andere sind überhaupt nicht zufrieden und klagen über akute Geschwindigkeitsprobleme und häufige Abstürze. Mit diesen Klagen sind sie nicht allein, auch Scott Bourne hat sich über „The good, the bad and the ugly“ zu Aperture 3 ausgelassen.

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Was passiert da?
Ich selbst hatte Aperture in Version 1 und Version 2 ausprobiert, auf meinem iMac der zu diesem Zeitpunkt ein sehr aktuelles und performantes Gerät war. Ich habe Aperture dann hauptsächlich wegen der mangelnden Arbeitsgeschwindigkeit links liegen gelassen und bin zu Lightroom gekommen. Schon zu dieser Zeit habe ich mir anhören müssen, dass das ja alles gar nicht hätte sein können und dass bei anderen die Anwendung ja so furchtbar schnell laufen würde.
Ich war ja auch neugierig warum die einen so toll mit Aperture arbeiten konnten und ich nicht. Nun unterstelle ich niemanden mich zu belügen aber im Laufe der Zeit stellten sich ein paar Fakten heraus:

  • Aperture legt viel wert auf eine schnelle Grafikkarte mit ordentlich Speicher. Vom Prinzip her eine gute Idee denn eine GPU ist ein echter Spezialist der viele Aufgaben schneller als die CPU erledigen kann. Wer also einen dicken Mac Pro mit fetter Grafikkarte besitzt, der wird keine Probleme feststellen können. Ich selbst konnte Aperture 2 auf einem 4-Kern Mac Pro mit (wenn ich mich recht erinnere) 10GB (oder waren es gar 12GB?) Arbeitsspeicher erleben. Die Grafikkarte ist mir nicht bekannt aber sie war sicher nicht vom Grabbeltisch. Das Programm war dabei sehr flott und nahezu verzögerungsfrei unterwegs, egal wie man ein RAW bearbeitete.
    Das Problem dabei: iMacs und MacBook Pro haben keine so dermaßen fette Grafikkarte
  • Aperture 2 wird schnell langsam, wenn man ein RAW zunächst etwas gerade rückt und beschneidet. Danach können weitere Anpassungen schnell sehr zäh werden. Nutzt man dann noch die Regler für Lichter/Schatten kann es richtig böse werden und man wartet teils mehrere Sekunden auf das Programm.
    Wer also Aperture gar nicht für solche Dinge nutzt, der wird natürlich auch keine Performance-Probleme feststellen. Und Ansagen, wie ich sie bekommen habe, wie: „Musst Du halt erst die normalen Anpassungen machen und dann rücken/schneiden“ lasse ich nicht gelten. Ich möchte visuell arbeiten und dazu gehört auch, dass ich mit dem Bildausschnitt arbeite den ich auch zeigen möchte. Drehen und schneiden sind, zumindest bei mir, die ersten Schritte in der Bearbeitung – nicht die letzten.
  • Nun hat auch nicht jeder verstanden was der Unterschied zwischen RAW und JPG ist. Ich will auch nicht behaupten, dass man das zwingend wissen muss aber wenn man über die Geschwindigkeit eines RAW-Entwicklers spricht, dann wäre es zumindest hilfreich, wenn man diesen auch mit RAW-Dateien testet. Nach einigen Rückfragen bekam ich nämlich durchaus mal die Antwort, dass „kurz mal mit ein paar JPG Dateien“ getestet wurde weil „damit kann man ja eh dasselbe machen“. Zu allem Überfluss stellte sich dann noch heraus, dass diese JPGs beim Test nicht mal die volle Auflösung hatten smile
    Klar kann die Software schnell sein wenn sie nur 1-3 Megapixel eines 8-Bit JPG zu bewegen hat. Bei einem 13-21 Megapixel RAW mit 12-14 Bit Farbtiefe, bei dem aus einem Grau-Raster mithilfe eines Farbmosaiks erst einmal ein Farbbild generiert werden muss, sieht das plötzlich ganz anders aus.
  • Aktuelle MacBook Pro haben zwei Grafikkarten. Um in den Genuss der vollen Grafikleistung zu kommen (auf Kosten der Akkulaufzeit) muss man die dedizierte Grafikkarte erst aktivieren. Das geht in den Energieeinstellungen in den Systemeinstellungen. Auch hier liegt ein großer Haken der zwischen „läuft träge aber geht gerade noch so“ und „bleibt quasi stehen“ stehen kann.

Nach allem was ich bisher über Aperture 3 lesen konnte hat sich an diesen Problemen nichts geändert. Die Vorschaubilder sollen nun deutlich schneller generiert werden, alles andere aber unterliegt wohl denselben „Phänomenen“ wie noch bei Version 2 und lokale Anpassungen mit Pinsel machen dies nicht besser (da können auch die Lightroom-Anwender Lieder von singen)

Ich muss auch gestehen, dass es mir unterm Strich egal ist warum Aperture bei einigen Anwendern so unglaublich lahm läuft. Wenn man allein die Tatsache nimmt, dass es bei den einem „ganz gut“ und bei dem anderen „quasi gar nicht“ läuft, ist das für mich – leider – ein großer Grund gegen diese Software. Natürlich kann ich es ausprobieren und, vielleicht, feststellen, dass es bei mir „ganz gut“ läuft. Aber das garantiert mir ja ganz offensichtlich nicht, dass dies auch auf einem zweiten Rechner genau so sein wird. Ich möchte aber einen neuen Mac kaufen können ohne Angst haben zu müssen, dass eine Brot-und-Butter-Anwendung plötzlich die Handbremse anzieht – und offenbar kann einem mit Aperture genau dies passieren.

Ich lese dann häufig die Erklärung von Anwendern, dass das eben daran liegt, dass Aperture stark auf die GPU setzt und diese in MacBook Pro eben nicht so großartig sein soll. Aber bei aller Liebe, dies kann ich nicht gelten lassen. Die GPU-Nutzung sollte eine Lösung sein und kein neues Problem. Sie sollte Vorteile bringen und keine Nachteile.
Wenn es jetzt aber so sein sollte, dass wegen dieser GPU-Nutzung nur solche Rechner vernünftig mit Aperture zu nutzen sind, die auch eine richtig fette Grafikkarte aufnehmen können, dann frage ich mich was das soll?
Der einzige(!) Rechner in der Mac-Familie der dies zu leisten vermag ist der Mac Pro. Eben die Monster-Maschine die mit 4- oder gar 8-Kern und reichlich Arbeitsspeicher zu bekommen ist. Also eine Maschine, die auch ohne GPU-Nutzung mehr als Genug Power hätte um solche Bearbeitungen zu leisten. Schon mal Lightroom auf so einer Maschine gestartet? wink
Wenn also bei iMac und MacBook Pro und CPU Leistungsstärker sein sollte als die Grafikkarte, dann sollte eine Software auch auf die CPU setzen statt auf die GPU. Alles andere wäre doch eine künstliche Handbremse.

Fazit

Die neuen Funktionen in Aperture 3 sind klasse. Allein die Tatsache, dass auch HD-Videos mit verwaltet und sogar etwas geschnitten werden können dürfte für viele ein Kriterium sein. Version 3 ist wirklich ein großes Update, ohne Frage.

Es ist aber wohl offensichtlich, dass diese Version noch einige Probleme hat. Der Speicher läuft gerne voll (was zum Absturz führt), Externe Editoren (z.B. von Nik) sind noch nicht in 64-Bit verfügbar und die Ausführungsgeschwindigkeit ist… „durchwachsen“

Ich bin ziemlich sicher, dass Apple das Speicherleck stopfen wird. Nik und andere werden sicher bald mit 64-Bit Versionen der Editoren folgen. Was die generelle Performance angeht habe ich allerdings wenig Hoffnung. Ja, Version 2 wurde etwas schneller und ein Update brachte noch mal ein kleines Bisschen aber es gab eben keinen Aha-Effekt diesbezüglich. Wenn Version 3 jetzt offensichtlich noch immer zu denselben Erfahrungen führt, dann wird sich daran kurzfristig auch nichts ändern.

Wenn es bei Euch flott (genug) läuft, dann freut Euch. Wenn nicht, dann findet Euch entweder damit ab, oder kauft einen Rechner mit stärkerer Grafikkarte oder schaut Euch den Mitbewerb an (Lightroom, Bibble Pro, …)

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