#27 Quick Wins: Fälschen & Kopieren - Was man von Wolfgang Beltracchi lernen kann

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Von Joana-Marie Stolz, Phillip Böndel, Tobias Kargoll, Joana-Marie Stolz, Phillip Böndel, and Tobias Kargoll entdeckt von Player FM und unserer Community - Das Urheberrecht hat der Herausgeber, nicht Player FM, und die Audiodaten werden direkt von ihren Servern gestreamt. Tippe auf Abonnieren um Updates in Player FM zu verfolgen oder füge die URL in andere Podcast Apps ein.
Wie schaffte Beltracchi es, 40 Jahre lang Experten auf der ganzen Welt hinter's Licht zu führen?

Wer wäre nicht gerne wie Elon Musk, Oprah Winfrey oder Steve Jobs? Vorbilder zu haben ist das Eine, ein eigenes Meisterwerk zu erschaffen, eine völlig andere Nummer. Wolfgang Beltracchi ist einer der erfolgreichsten Kunstfälscher der Welt. Warum? Weil er nicht gefälscht hat, sondern verstanden. Aus der Netflix–Doku über seine Verbrechen kann man lernen, wie man wirklich in die Fußstapfen seiner Vorbilder tritt.

1961, Höxter, Nordrhein-Westfalen: Der zehnjährige Wolfgang schaut seinem Vater zu; einem Kirchenmaler, der sich in seiner Freizeit an den Werken alter Meister abarbeitet. Wolfgangs Vater studiert die Meisterwerke und versucht, sie detailgetreu nachzuahmen. Natürlich ist das Ergebnis den berühmten Vorbildern nie ebenbürtig. Aber darum geht es ja auch nicht, im Feierabend.

Mit 14 war Wolfgang in der Lage, Picassos zu kopieren. Vorbildern nachzueifern, reichte ihm bald nicht mehr. Doch mit einer Karriere als Künstler tat er sich schwer. Er brach die Kunstschule ab, um sich in alternativen Wohngemeinschaften Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll zu widmen. Er reiste durch Europa und Nordafrika, verkaufte hin und wieder ein eigenes Gemälde, aber auch mal eine Fälschung, um an Geld zu kommen.

Wolfgang Beltracchi wurde zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Kunstfälscher der Welt. 200 seiner Werke sind nach wie vor im Umlauf – unidentifiziert. Bis heute, nach sechs Jahren Haft wegen Betrugs, steht er im Museum manchmal vor seinen eigenen Bildern. Er verrät nicht, welche es sind. Aus Angst vor Schadenersatzforderungen.

Wie schaffte Beltracchi es, 40 Jahre lang Experten auf der ganzen Welt hinter's Licht zu führen? Beltracchis Prinzip war es nicht, die Gemälde der Künstler zu kopieren, sondern Lücken in ihrem Werk zu füllen. Er erfand Bilder, die sich an ihren Schaffensphasen orientierten oder so lange verschollen waren, dass die Kunstwelt nur noch ihre Titel kannte. Dabei beherrschte er den Stil seiner Vorbilder in Perfektion.

Dem SPIEGEL gab er auf die Frage, warum er das eigentlich so gut könne, die Antwort: "Ich glaube, die wichtigste Voraussetzung ist, das Wesen eines Kunstwerks zu erfassen. Man schaut es sich an, nimmt es quasi in sich auf, man muss sehend verstehen können, ohne darüber nachzudenken, wie das gemacht wurde."

Beltracchi las Bücher über seine Vorbilder, er besuchte Museen und die Orte, an denen sie ihr Leben verbracht hatten:

"Ich hab mir das Dorf angeschaut, den Strand, das Licht, die Atmosphäre und die Stimmung jenes Sommers erspürt. […] Ich wollte das kreative Zentrum des Malers so erreichen und kennenlernen, dass ich die Entstehung seiner Bilder mit seinen Augen und eben auch das neue, von mir gemalte Bild mit seinen Augen sah - und zwar bevor ich es malte."

Beltracchi verstand, wie seine Vorbilder malten, wie sie dachten, fühlten, die Welt sahen. Er machte sich ihr Wesen zu Eigen. So, wie ein Schauspieler ganz in seiner Rolle aufgehen kann, bis die Grenze zwischen Realität und Fiktion verwischt.

Natürlich will niemand im wörtlichen Sinne Elon Musk, Oprah Winfrey oder Steve Jobs werden. Wohl aber würden wir gerne ihre besten Eigenschaften zu unseren Eigenschaften machen. Um das zu erreichen, genügt es nicht, motivierende Zitate auf Instagram zu lesen. Das reicht nur als Hobby für den Feierabend.

Wo Oprah Strandurlaub macht, soll ihre Sache bleiben. Doch wer ihre Größe erreichen will, tut gut daran, sich so intensiv mit ihrem Leben und ihrem Werk zu beschäftigen, wie möglich. Oder eben mit dem von Wolfgang Beltracchi, der mutmaßlich mehr als 50 Millionen Euro damit verdiente, in einer Sache der Beste der Welt zu werden. Was du noch von ihm lernen kannst, fasst dir Phillip Böndel bei Lrnings zusammen:

Lrnings Quick Wins: Fälschen & Kopieren - Was man von Wolfgang Beltracchi lernen kann

Learnings:

  1. Die Geschichte um ein Werk ist genauso wichtig, wie das Werk selbst.
  2. Werde niemals nachlässig. Der Moment, in dem du aufhörst, deine Arbeit zu 100 Prozent zu erledigen, könnte den Anfang vom Ende markieren.
  3. Kopiere nicht die Wege deiner Vorbilder, sondern mache dir ihr Wesen zu eigen.

Quellen:

Further:

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