Kulturplatz Spezial: 74. Filmfestival von Locarno

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Der Leopard erobert sich sein Revier zurück: die Piazza Grande. «Kulturplatz» berichtet in einer Sondersendung vom Wiedererstarken Locarnos als Film-Hotspot – unter den Augen des neuen Festivalleiters Giona A. Nazzaro. Neben den grossen Gewinnern werden zwei Schweizer Produktionen im Fokus stehen. Im internationalen Wettbewerb durfte sich nur ein einheimischer Film Hoffnungen auf den Goldenen Leoparden machen: «Soul of a Beast» von Lorenz Merz. Seine zwischen surrealem Bilderbogen und animalischem Drogentrip oszillierende Beziehungsgeschichte wird von furiosen Schauspielleistungen getragen. In der Hauptrolle besticht Newcomer Pablo Caprez als Teenager-Vater, der zwischen zwei wahrhaft wilden Frauen steht. Diese werden von den mit Abstand erfolgreichsten jungen Schweizer Darstellerinnen verkörpert: Ella Rumpf, bekannt aus Festivalhits wie «Raw» und «Tiger Girl», sowie Luna Wedler, die derzeit auf Netflix («Biohackers) und Instagram («Ich bin Sophie Scholl») für Aufsehen sorgt. Im Doppelinterview plaudern die beiden international gefeierten Shooting-Stars aus dem Nähkästchen. Bei der Programmierung der zuschauerträchtigen Piazza Grande setzte der neue Festivalleiter Giona A. Nazzaro auf Kino für grosse Jungs: Mit Klassikern wie dem Michael-Mann-Thriller «Heat», 80er-Jahre-Hits wie James Camerons «The Terminator» oder brandneuen Actionfilmen wie dem Netflix-Titel «Beckett» mit John David Washington und Alicia Vikander. Ganz andere Töne schlug dagegen der einzige Schweizer Piazza-Film an: «Monte Verità – Der Rausch der Freiheit» von Stefan Jäger erzählt vor historischem Hintergrund eine erfundene Emanzipationsgeschichte. Auf dem Tessiner Berg der Freiheit suchten zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekanntlich viele Aussteigerinnen und Aussteiger ihr Glück. Dabei legten Hermann Hesse und Seinesgleichen nicht nur ihre Kleider ab: Die Proto-Hippies befreiten sich auch vom geistigen Korsett, an dem sie zu ersticken drohten. Laut dem fiktionalen Skript von Jägers «Monte Verità» befand sich unter ihnen auch eine junge Mutter, die ihrer bürgerlichen Rolle entfliehen wollte. Eine Frau, hin- und hergerissen zwischen Schuldgefühlen gegenüber ihrer zurückgelassenen Familie und der Faszination eines selbstbestimmten Lebens.

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