Kinder, die die Sprache nicht finden - mit Regina Edlauer * Logopädie

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Ein Podcast-Interview mit unseren Logopädinnen Britta Münzer und Regina Edlauer über Sprachentwicklungsstörungen und dem Therapie-Ansatz von Barbara Zollinger

Kinder, die die Sprache nicht entdecken

Behandlung von Sprachentwicklungsstörungen nach dem entwicklungspsychologischen Ansatz von Barbara Zollinger

Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcastfolge von Klinisch Relevant. Heute ist Britta Münzer unsere Expertin für den Bereich Logopädie mit Ihrer Kollegin Regina Edlauer im Gespräch über die Behandlung von Kindern mit verspätetem Sprechbeginn.

Ungefähr 10% der 2 bis 2,5 jährigen Kinder beginnen nicht zu sprechen. Einige von ihnen holen den Entwicklungsrückstand auf. Die anderen werden häufig mit 4 oder 5 mit Auffälligkeiten in der Entwicklung von Aussprache, Wortschatz, Sprachverständnis und Grammatik in der logopädischen Praxis vorgestellt.

In diesem Alter ist es oft aufwändig und langwierig, zu dem Entwicklungsstand der Gleichaltrigen wieder aufzuschließen. Der Entwicklungspsychologische Ansatz nach Barbara Zollinger bietet die Möglichkeit, bereits im Alter von 2 bis 3 Jahren wichtige vorsprachliche Kompetenzen dieser Kinder einzuordnen. Mit einem spielorientierten Angebot wird das Kind dabei unterstützt in diesen Voraussetzungen für Sprache, wie z.B. die Entwicklung der Vorstellung und die Individuationsentwicklung, den Schritt in die nächste Entwicklungsphase zu machen.

Mit der Vorstellung löst sich das Kind vom Handeln im Hier und Jetzt und bezieht sein Denken auf etwas, was in dem Moment nicht vorhanden ist, auf eine frühere Erfahrung.

Individuation heißt sich als Individuum mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Fähigkeiten zu erleben.

Beides sind Grundvoraussetzungen um Sprache „zu entdecken“.

Hat ein Kind die Sprache entdeckt, dann kann es Worte als Symbol für etwas nicht anwesendes verwenden mit dem Wissen darüber, dass sie von dem anderen verstanden werden.

Als wichtige Basis für sprachliche Kommunikation gilt der Blickkontakt und die Fähigkeit des Kindes, hiermit eine Verbindung zwischen sich, einer Bezugsperson und einem Gegenstand von Interesse herzustellen. Diese Verbindung nennt man Triangulierung.

Im Behandlungsraum sind für das Kind verschiedene Spielsachen frei zugänglich, aus denen es etwas auswählen darf, was es interessiert. Dieses Interesse an dem Spiel und das Vertrauen zu der Therapeutin sind notwendig, damit das Kind hier etwas entdecken kann und die von der Therapeutin angebotenen Wörter für das Entdeckte annehmen kann.

Die Therapeutin setzt Sprache so ein, dass für das Kind immer eine Verbindung zu einem Gegenstand oder einer Handlung erkennbar ist. Ein „Überschütten“ mit Sprache soll unbedingt vermieden werden. Um die Aufmerksamkeit auf die Sprache zu lenken wird die Stimme bewusst angehoben und eine etwas übertriebene Intonation angenommen.

Bei einigen Kindern steht das Hinleiten zu frühen Entwicklungsschritten wie Blickkontakt oder die Loslösung von der Bezugsperson und die damit verbundene Individuationsentwicklung im Vordergrund.

Sobald das Kind den Schritt in die nächste Entwicklungsphase geschafft hat, wird die Behandlung pausiert und die weitere eigenständige Entwicklung beobachtet. So entstehen Intervalle von jeweils 3 Monaten Therapie und Therapie freien Phasen nach denen überprüft wird, ob eine weitere Behandlungsphase notwendig ist.

Häufig reichen wenige Behandlungsintervalle aus. Das Kind hat dann die Sprache für sich entdeckt und entwickelt Sprachverständnis, Wortschatz und Grammatik selbst weiter. Auch Verhaltensauffälligkeiten, die mit der stagnierenden Sprachentwicklung im Zusammenhang stehen, verändern sich dann meist zu einem altersgemäßen Verhalten.

Die Vorsorgeuntersuchung U7 bietet die Möglichkeit, Kinder mit verzögertem Sprechbeginn frühzeitig zu erkennen und durch frühe Intervention spätere Folgen für die Sprachentwicklung zu reduzieren.

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