Health Literacy- mit Prof. Christian Grüneberg * Physiotherapie

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Versteht Dein Patient, was Du ihm sagen möchtest?!

Der Begriff „Gesundheitskompetenz“ hat sich als Übersetzung des englischen Begriffs „Health Literacy“ in der deutschsprachigen Diskussion durchgesetzt und bedeutet wörtlich „auf Gesundheit bezogene Literalität“. Darunter wurden ursprünglich die grundlegenden Schreib-, Lese- und Rechenfähigkeiten verstanden, die Menschen benötigen, um schriftliche Dokumente wie etwa Behandlungsinformationen oder Hinweise zur Medikamenteneinnahme lesen und verstehen zu können (vgl. Schaeffer et al., 2018). „Health Literacy“ schließt heute über die beschriebenen literalen Techniken hinaus auch die Fähigkeit ein, gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, kritisch beurteilen, auf die eigene Lebenssituation beziehen und für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit nutzen zu können. Nach diesem Verständnis zielt Gesundheitskompetenz also auf den kompetenten Umgang mit gesundheits-relevanter Information – nicht einzig, um die an Patienten gestellten Erwartungen erfüllen zu können, sondern vielmehr, um zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit beizutragen (vgl. Schaeffer et al., 2018). „Gesundheitskompetenz basiert auf allgemeiner Literalität und umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen der Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebensverlaufs erhalten oder verbessern.“ (Sørensen, 2012))

Warum ist Gesundheitskompetenz für die Gesundheitsversorgung wichtig? Eine geringe Gesundheitskompetenz wird mit schlechtem Gesundheitsverhalten und -ergebnissen in Verbindung gebracht, unabhängig von anderen soziodemografischen Faktoren. Die Gesundheitskompetenz oder Health Literacy wird daher sowohl national in Deutschland als auch international als eine wichtige Herausforderung der (öffentlichen) Gesundheitsversorgung angesehen.

Welche Rolle haben Gesundheitsdienstleister (Physio, Ergos, Logos, Ärzte, Pflege)? Gesundheitsdienstleister sind eine wichtige Quelle für Gesundheitsinformationen und den Aufbau von Kompetenzen für Patienten und Familien. Angehörige der Gesundheitsberufe, die keine Gelegenheit zur Schulung der Gesundheitskompetenz hatten, können unwissentlich Barrieren für eine angemessene Gesundheitskompetenz der Patienten schaffen, indem sie ineffektiv kommunizieren, eine Terminologie verwenden, die den Patienten nicht geläufig ist, Anweisungen geben, die nicht klar sind, oder sich nicht genügend Zeit nehmen, um zu prüfen, ob der Patient die Anweisungen verstanden hat oder wie er sie auszuführen gedenkt.

Welche Möglichkeiten haben Gesundheitsdienstleister (Physios, Ergos, Logos, Ärzte, Pflege, …)? Im Podcast werden unterschiedliche Aspekte und Beispiele zur Förderung der Gesundheitskompetenz mittels verbaler Kommunikation, Schriftlicher Kommunikation, Förderung Befähigung zum Selbstmanagement der Patient*innen und die Verknüpfung von Netzwerken skizziert. Zusätzlich wird auf den Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz eingegangen, der neben der Verantwortung der der Gesundheitsdienstleister auch die Gesamtverantwortung der Gesellschaft und der öffentlichen Gesundheitsversorgung in den Blick nimmt.

Die Verbesserung und Unterstützung der Gesundheitskompetenz kann zu folgenden Ergebnissen führen: Bessere Gesundheit und bessere Behandlungsergebnisse für Patienten Bessere Beziehungen zwischen Patienten und Ärzten Verbessertes Verständnis von Medikamenteninformationen, -anweisungen und -adhärenz Geringeres Risiko für ernsthafte Gesundheitsprobleme, die aus Missverständnissen und Kommunikation resultieren Reduzierte Wiedereinweisungen und Wiederholungstermine Geringere gesundheitliche Ungleichheit

Tipps für den klinischen (physiotherapeutischen) Alltag In Bezug auf das Wissen Deiner Klientinnen, nimm keine Grundannahme des Vorwissens der Patienten an, bieten den Menschen immer Unterstützung an Überprüfe, ob Du deinem Patienten oder deiner Patientin alles so erklärt hast, dass es verstanden wurde. Es liegt nicht in der alleinigen Verantwortung des Patienten, zu verstehen, sondern in Deiner Verantwortung, zu überprüfen, ob die Informationen verstanden wurden.
Nutze TEACH BACK/Ask3
Was ist mein Hauptproblem? Was muss ich tun? Warum ist es wichtig für mich, dies zu tun? Verwende eine einfache Sprache – verwende eine Sprache, die Dein Gegenüber leicht verstehen kann und vermeide Jargon und medizinische Fachausdrücke. Verwenden einfache Bilder - zeichne oder zeige Bilder, um ein komplexes Konzept zu vermitteln. Teile die Informationen, die Du mit jemandem besprechen musst, in kleinere Abschnitte auf und überprüfen Sie dann, ob diese verstanden wurde; Befähige Deine Patienten
innen zur Reflexion und zum Selbstmanagement

Literatur: Australian Commission on Safety and Quality in Health Care: Health Literacy: Taking Action to Improve Safety and Quality 2014. Im Internet: https:// www.safetyandquality.gov.au/publications/health-literacy-taking-action-to-improve-safety-and-quality/; Stand: 27.03.2017.

Nutbeam D.: The Evolving Concept of Health literacy. Social Science & Medicine 2008;67(12):2072–2078.

Schaeffer, D., Hurrelmann, K., Bauer, U. und Kolpatzik, K. (Hrsg.) (2018): Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz. Die Gesundheitskompetenz in Deutschland stärken. Berlin: KomPart

Sørensen K., Van den Broucke S., Fullam J., Doyle G., Pelikan J. M., Slonska Z., Brand H. (2012), HLS-EU Consortium: Health Literacy and Public Health: A Systematic Review and Integration of Definitions and Models. BMC Public Health;12(1):1–13.

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