Wie du ein gutes/schlechtes Ausbildungsunternehmen erkennst – IT-Berufe-Podcast #169

1:12:12
 
Teilen
 

Manage episode 299985311 series 1711672
Von Stefan Macke entdeckt von Player FM und unserer Community - Das Urheberrecht hat der Herausgeber, nicht Player FM, und die Audiodaten werden direkt von ihren Servern gestreamt. Tippe auf Abonnieren um Updates in Player FM zu verfolgen oder füge die URL in andere Podcast Apps ein.

Um die Frage, wie oder woran du ein gutes bzw. schlechtes Ausbildungsunternehmen erkennst, geht es in der einhundertneunundsechzigsten Episode des IT-Berufe-Podcasts.

Probeabo bei Audible (Affiliate)

Inhalt

Viele angehende Azubis fragen sich (und auch mich), woran sie erkennen, ob sie sich bei einem „guten“ Ausbildungsunternehmen bewerben. Und auch Azubis, die schon eine Ausbildungsstelle haben, sollten in den ersten Monaten der Ausbildung – also in der Probezeit – genau prüfen, ob sie wirklich in den nächsten drei Jahren in ihrem Unternehmen vernünftig ausgebildet werden. Worauf man dabei achten kann, erzähle ich heute im Podcast.

Vorweg: Meiner Erfahrung nach bildet der Großteil der Ausbildungsunternehmen vernünftig aus! Trotzdem gibt es auch immer wieder schwarze Schafe, die Azubis nicht ausbilden, sondern ausbeuten. Und darunter leiden dann nicht die Unternehmen, sondern die Azubis, die oft insb. bei der Prüfungsvobereitung alleine gelassen werden und dementsprechend schlechte Prüfungsergebnisse abliefern.

Die möglichen Anzeichen für eine schlechte Ausbildung auf der folgenden Liste sind erstmal nur Indizien! Wenn einzelne Dinge davon ab und an mal in deinem Unternehmen vorkommen, muss das nichts heißen. Unter gewissen Umständen sind sogar dauerhafte „Probleme“ tragbar, wenn drumherum alles andere passt. Urteile also bitte nicht vorschnell, nur weil du hier ein bestimmtes Stichwort gelesen hast!

Und zu einer Ausbildung gehören immer zwei Seiten! Auch du musst deinen Teil zu einer guten Ausbildung beitragen und kannst nicht erwarten, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Schließlich sollst du nach der Ausbildung selbstständig handlungsfähig sein und deinen Job machen können.

Was kannst du tun, wenn du nicht richtig ausgebildet wirst?

  • Suche das Gespräch mit deinem/deiner Ausbilder:in/Chef:in.
  • Geh mit deinem Ausbildungsnachweis zur IHK (Ausbildungsberater:in).
  • Wechsle den Ausbildungsbetrieb (ggfs. mit Hilfe der IHK).

Immer gilt: Suche bei Problemen in der Ausbildung immer zuerst das Gespräch mit deinem/deiner Ausbilder:in und nimm nicht „hinter ihrem Rücken“ Kontakt zur IHK auf. Vielleicht gibt es eine gute Erklärung für die aktuelle Situation und sie dauert nicht länger an. Und alle Menschen – auch du und ich – machen mal Fehler, also erwarte nicht die „perfekte“ Ausbildung. Das ist unrealistisch.

Formelle Anforderungen an Ausbildungsunternehmen und Ausbilder:innen

Ausbildende haben

  1. dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann,
  2. selbst auszubilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen,
  3. Auszubildenden kostenlos die Ausbildungsmittel, insbesondere Werkzeuge, Werkstoffe und Fachliteratur zur Verfügung zu stellen, die zur Berufsausbildung und zum Ablegen von Zwischen- und Abschlussprüfungen, auch soweit solche nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses stattfinden, erforderlich sind,
  4. Auszubildende zum Besuch der Berufsschule anzuhalten,
  5. dafür zu sorgen, dass Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet werden.

(BBiG, §14, Absatz 1)

Die Punkte 1 bis 3 sagen im Prinzip aus, dass du vernünftig ausgebildet werden musst. Du sollst nach der Ausbildung in der Lage sein, deinen Beruf selbstständig auszuüben. Diese Aufgabe kann dein Unternehmen auch nicht delegieren, sondern muss sich selbst darum kümmern. Außerdem muss dein Unternehmen dich auch finanziell unterstützen, wenn du Ausbildungsmittel (in der IT z.B. Fachbücher) benötigst.

Die Ausbildung in Deutschland heißt nicht umsonst duale Ausbildung, denn ein wichtiger Teil dabei ist die Berufsschule. Klar, dass du am Unterricht teilnehmen können musst, oder?

Der letzte Punkt überrascht dich vielleicht, ist aber auch eine wichtige Aufgabe des Ausbildungsunternehmens. Es gibt ja durchaus auch Azubis, die mit 16 oder 17 Jahren in die Ausbildung starten. Da kann man wohl noch nicht von einem „gefestigten Charakter“ sprechen. 😉

Als Ergänzung zu 2.:

Eine Ausbildungsstätte, in der die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nicht im vollen Umfang vermittelt werden können, gilt als geeignet, wenn diese durch Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte vermittelt werden.

BBiG, §27, Absatz 2


Ausbildende haben Auszubildende zum Führen der Ausbildungsnachweise nach § 13 Satz 2 Nummer 7 anzuhalten und diese regelmäßig durchzusehen. Den Auszubildenden ist Gelegenheit zu geben, den Ausbildungsnachweis am Arbeitsplatz zu führen.

BBiG, §14, Absatz 2

Das sollte für sich selbst sprechen.


Auszubildenden dürfen nur Aufgaben übertragen werden, die dem Ausbildungszweck dienen und ihren körperlichen Kräften angemessen sind.

BBiG, §14, Absatz 3

„Azubi-Aufgaben“ (Kaffee kochen, Spülmaschine ausräumen etc.) dürfen nicht die Regel sein.


Auszubildende dürfen nur eingestellt und ausgebildet werden, wenn die Zahl der Auszubildenden in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze oder zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte steht, es sei denn, dass anderenfalls die Berufsausbildung nicht gefährdet wird.

BBiG, §27, Absatz 1, Satz 2

Mehr Azubis als Mitarbeiter:innen sind ein schlechtes Zeichen.


Auszubildende darf nur einstellen, wer persönlich geeignet ist. Auszubildende darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist.

BBiG, §28, Absatz 1

Ausbilder:innen haben eine wichtige Aufgabe, für die sie entsprechend qualifiziert sein müssen, z.B. weil sie selbst eine Ausbildung oder ein Hochschulstudium in diesem Beruf absolviert haben. Es werden auch bestimmte pädagogische Anforderungen gestellt. Diese werden durch eine Ausbildung nach AEVO erworben. Außerdem sollte der/die Ausbilder:in eine „angemessene Zeit“ im Beruf praktisch gearbeitet haben. Wenn der gerade fertige Azubi direkt zum/zur Ausbilder:in wird, ist das also etwas seltsam.

Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind.

BBiG, §30, Absatz 1

Prüfung bereits im Bewerbungsprozess

  • Wird erwartet, dass ich Ausbildungsinhalte schon vor der Ausbildung kann?
  • Gibt es einen betrieblichen Ausbildungsplan?
  • Gibt es eine:n „richtige:n“ Ausbilder:in mit Ausbilderschein (AEVO)?
  • Welche Prüfungsleistungen haben die bisherigen Azubis erreicht?
  • Wurden die bisherigen Azubis übernommen?
  • Liegt die Höhe der Azubivergütung (deutlich) über dem Mindestlohn?
  • Wie werden in der Ausbildung Lernerfolgskontrollen durchgeführt?
  • Wie läuft die Prüfungsvorbereitung im Unternehmen ab?
  • Welche Azubi-Projekte wurden in den letzten Jahren durchgeführt?
  • Hat das Unternehmen mehr Azubis als Mitarbeiter:innen?

Während der Probezeit

  • Herrscht ein vernünftiger Umgangston?
  • Kümmert sich jemand um mich?
  • Mache ich viel „Fließbandarbeit“?
  • Habe ich immer etwas zu tun oder viel „Leerlauf“?
  • Habe ich Zeit zum Lernen während der Arbeitszeit?
  • Kann ich Fragen stellen?
  • Ist mein:e Ausbilder:in fachlich kompetent?
  • Bekomme ich Feedback zu meiner Arbeit?
  • Ist ein strukturierter Ablauf der Ausbildung zu erkennen?
  • Werden meine Bücher etc. bezahlt?
  • Muss ich nur „Azubi-Tätigkeiten“ (Kaffee kochen, Rasen mähen etc.) durchführen?
  • Muss ich viele Überstunden machen?
  • Muss ich zu seltsamen Zeiten oder sehr unregelmäßig arbeiten?
  • Werde ich pünktlich bezahlt?
  • Werde ich für die Berufsschule freigestellt?
  • Muss ich vor/nach der Berufsschule noch ins Unternehmen kommen?
  • Darf ich das Berichtsheft während der Arbeitszeit führen?
  • Wird das Berichtsheft regelmäßig kontrolliert und abgezeichnet?
  • Muss ich im Berichtsheft lügen?

Literaturempfehlungen

Die Umsetzungshilfen für den jeweiligen Ausbildungsberuf kann ich absolut empfehlen. Sie enthalten viele Praxistipps für Ausbilder:innen in der IT, damit die Ausbildung eben nicht zur Ausbeutung wird.

BIBB-Umsetzungshilfen Fachinformatiker/Fachinformatikerin (Ausbildung gestalten)*

BIBB-Umsetzungshilfen Fachinformatiker/Fachinformatikerin (Ausbildung gestalten) (Affiliate)*

Links

Der Beitrag Wie du ein gutes/schlechtes Ausbildungsunternehmen erkennst – IT-Berufe-Podcast #169 erschien zuerst auf IT-Berufe-Podcast.

345 Episoden