Türkei: Erdogan und die Aprikosenstadt

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Präsident Erdogan hat die Türkei erst reformiert, dann gespalten. Der Westen des Landes, Europa zugewandt, steht ihm mehrheitlich ablehnend gegenüber. Wie aber sieht es im anatolischen Hinterland aus, wo er seine grössten Wahlerfolge feierte? Die Reportage aus der Stadt der Aprikosen, Malatya. Zwei Drittel der getrockneten Aprikosen im internationalen Handel kommen aus der anatolischen Hochebene um die Stadt Malatya. Dass die konservative Gegend in der Vergangenheit stets zu Präsident Erdogan hielt, steht ausser Frage: Selbst bei den Lokalwahlen vor zwei Jahren, als Erdogans Partei, die AKP, die grössten Städte des Landes an die kemalistische Oppositionspartei CHP verlor, machte sie hier noch zwei Drittel der Stimmen. Keine Überraschung für Aprikosenhändler Mustafa, er verweist auf die Infrastruktur. Erdogan baute nicht nur Moscheen, sondern auch Schnellstrassen, ein neues Teilstück bei Malatya wurde erst vor wenigen Monaten dem Verkehr übergeben - eine elegante Autobahnbrücke über den Euphrat. Auch der Aprikosenmarkt soll demnächst umfassend modernisiert werden. Dennoch, die Teuerung macht auch den Menschen in Malatya zu schaffen, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, die Jugend klagt über fehlende Perspektiven. Und selbst Ai?e ist enttäuscht. Als Studentin hatte sie gegen die Arroganz des kemalistischen Staatsapparats demonstriert für ihr Recht, an der Universität das Kopftuch zu tragen. Sie war begeistert, als Erdogan die Macht erlangte und die säkulare Elite des Landes das Fürchten lehrte. 18 Jahre später ist sie überzeugt, es geht dem Präsidenten nicht um Religion oder politische Erneuerung, sondern nur noch um den Machterhalt.

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