Indien - gefangen in seinen Kasten

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Die «grösste Demokratie der Welt» bleibt durchdrungen vom Kastenwesen, das allen ihren festen Platz zuweist. Je mehr Indien diese starre Gesellschaftshierarchie mit Quoten aufzuweichen versucht, desto mehr wächst die Missgunst. Nationalistische Scharfmacher profitieren. Laut Verfassung sind in Indien alle gleich. Doch die indische Gesellschaft bleibt eine Kastengesellschaft. Zuoberst in der sozialen Hierarchie stehen die Geistlichen, die Bramanen, zuunterst die Dalits, so heissen die ehemals «Unberührbaren». Dazwischen ein Gewirr von über 25'000 Kasten und Subkasten. Die «Unberührbarkeit» wurde mit der modernen indischen Verfassung zwar abgeschafft. Das Kastensystem an sich aber blieb erhalten, ja wurde sogar noch ausgeweitet. Noch heute wird in der Regel innerhalb der gleichen Kaste geheiratet, noch heute verrichten die Dalits meist die schmutzigen Arbeiten. Der Dalit Bant Singh singt dagegen an, er hat seine Arme und Beine in diesem Kampf verloren, nicht aber seine Würde. Gleichzeitig versucht Indien mit Quoten den Benachteiligten den Zugang zu Studienplätzen und Jobs zu erleichtern. Einige Dalits haben den Aufstieg geschafft, auch dank der Quoten. Das aber provoziert Protest von jenen, die sich um ihre traditionellen Vorrechte betrogen sehen. Aufgestachelt werden sie von nationalistischen Gruppen, die für ein «Hindustan» kämpfen, in dem alle demütig den ihnen zugewiesenen Platz einnehmen.

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