Der Empörungs-Turbo – wer braucht noch Wahlkampf?

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Keine Glocke, kein "auf los geht's los", kein Startschuss. Und trotzdem sind wir schon mitten im Wahlkampf angekommen, rund vier Monate vor der Bundestagswahl. Das spüren wir daran, wie genüsslich Fehler oder Unzulänglichkeiten der Kandidaten und Kandidatinnen öffentlich ausgeschlachtet werden. Annalena Baerbock von den Grünen werden nachträgliche Änderungen in ihrem Lebenslauf vorgeworfen. Ihrer Partei wird unterstellt, uns das Autofahren vermiesen zu wollen. Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU muss sich den Vorwurf anhören, er hätte an Hartz-IV-Empfänger und Menschen mit Behinderung minderwertige Corona-Masken verteilen wollen. Alles normal im Wahlkampf, das kann ja sein. Aber war es auch immer schon so verletzend und moralisch aufgeladen? Die Politik braucht mitunter die Zuspitzung, um komplizierte Inhalte der Bevölkerung schnell zu vermitteln. Allerdings brauchen wir auch keinen Wahlkampf mit Empörungs-Turbo. Liegt es daran, dass der Wahlkampf bisher größtenteils medial und im Internet stattfindet, wo der Ton am derbsten ist? Und geht das bitte auch anders?

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