#42 - Geschichte der Beratung (1 von 3) - Antike und Mittelalter. Im Gespräch mit Haiko Wandhoff

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Was wir taten, als wir nicht wussten, was zu tun war.

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Informationen zur Reihe „Geschichte der Beratung“

Inhalte:

  • In Teil 1 überfliegen wir die Antike und das Mittelalter und lernen verschiedene Ideen zur Beratung an.

  • Teil 2 führt in die Frühe Neuzeit und Moderne, vor allem in die Epoche der Aufklärung, die auch für die Idee der Beratung eine Zeitenwende war, deren Resultat eine tiefe Beratungsskepsis mit sich brachte.

  • Teil 3 wird sich erneut mit einer fundamentalen Wende beschäftigen, die sich in der Postmoderne ereignete und zum Konzept des Beratens ohne Ratschlag führte.

Leitidee …dieser Reihe ist ein vertieftes Verständnis heutiger Beratungsphänomene zu erlangen:

  • Was geschieht bei den beteiligten Personen eines Beratungsprozesses vorab, wenn die einen einen Rat haben wollen und die anderen sich anschicken, einen Rat zu geben?
  • Welchen Einfluss hat der Rat auf die kognitiven Selbstberatungsprozesse und welche Funktion hat der Rat im Grunde genommen?
  • Wie verhält sich Beratung zu anderen Beeinflussungskommunikationen: Bekehrung, Belehrung, Betreuung und Befehl und anderer Formen der Beherrschung?
  • Wieso scheint alles systemisch sein zu müssen, was an Beratung angeboten wird?
  • Was soll der Hinweis, dass Ratschläge auch Schläge seien?
  • Wieso wird unsere Gesellschaft als Beratungsgesellschaft tituliert? Und wie kommt es, dass man heute kaum eine Tätigkeit mit Ernsthaftigkeit ausüben kann, ohne alsbald mit einem Beratungsangebot dazu umworben zu werden?

Inhalte von Teil 1:

…ein paar Worte zur Person

…ein paar Worte zur Idee der Beratung

Beratung = Formen der kognitiven Hilfe zum Überlegen, eine Beeinflussungskommunikation, bei der der Vorteil des Ratnehmers im Vordergrund steht und von dem die – im Grundsatz freiwillige – Initiative ausgeht.

  • Andere Formen der Beeinflussungskommunikation (Bekehrung, Belehrung, Betreuung, Befehl)

Etymologische Bedeutung von RAT und BERATUNG?:

  • Vorrat, Hausrat, Bevorraten…Speichern von etwas…Ratschlag, Rätsel, Mit sich zu Rate gehen…
  • im Englischen steckt es noch in „to read“ drin;

Antike Orakelsprüche und Sternendeutung in der Antike: Institutionelle Bedeutung der Orakel, Rat als Rätsel, rätselhafte, ausdeutungsbedürftiger Orakelspruch? (Informationsagenturen, Netzwerk von Orakeln) Funktion: Aufsuchen des Orakels dauert und verschafft Zeit zum Überlegen? Orakelspruch war zumeist rätselhaft(!); Kontingenz der Entscheidung durch Kontingenz der Orakelsprüche ersetzt? Wofür war das hilfreich? Praxistipp:

„Die erste Intervention im Coaching ist, einen ersten Termin zu finden.“

Erkenntnisse für Beratungsprozesse? VERTRAUEN war grundlegend für die Funktion der Orakelsprüche, (Nachdenken für Orakelsprüche) Das GROSSE ZEITFENSTER: Mit sich zu Rate zu gehen…Pilgerfahrten späterhin…

Fähigkeit des Ratgebens war neben der Fähigkeit zum Kämpfen eine der Haupttugenden in der Antike (Homers Odysseus Schläue)

Heute Zukunftsforschung als Beratungsangebot: Früher waren das Eingeweide- und Vogelflugbeschauer (Auguren).

  • Römischen Kaiser verstaatlichten das Zukunftsbeschauen
  • Ciceros Schrift „Über die Vorsehung)
  • Sokratische Mäeutik
  • Beratung als Dialog und Philosophie

Frage als Leitinstrument Nicht-direktive Beratung, Hebammentechnik

Sophisten (450-380 v.Chr.) brechen mit dem geheimnisumwitterten Orakeln und machten aus ihrer Wahrheitsliebe eine irdische Dienstleistung. Was wissen wir von den Sophisten für unser Thema? Mensch als Maß aller Dinge Wahrheit ist eine Frage der Perspektive Belehrung und Anweisung

Platon Kritisiert ihre Irdische Dienstleistungen, gegen Geld = Korrumpierbar… Platon favorisierte dann die große Lösung – den Staat macht der Philosoph.

CHARISMATISCHE BERATUNG (Platon, Orakel etc., Weisheit, Präsenz, Suggestion des Wissens vom richtigen Weg) vs. PRAGMATISCHE BERATUNG (SOKRATES, Sophisten, Wissen und Erfahrung)

Prophezeiungen und Horoskope Sternenkunde und der Einfluss der Gestirne auf die Menschen war seit jeher plausibel und selbstverständlich, ebenso die Tatsache, dass im Altertum ein guter Arzt stets auch Astrologe war; anders als die Prophetie.

Mittelalter Beratungskultur des Christentums (Priester, Missionare etc.) Germanen: Mündliche Beratungsformate von VIELEN, Form der reflexiven Beratung, Viele gehen zusammen und mit sich zu Rate. Was gibt es dazu zusagen? Entspricht heutiger Fortbildungsformate! Gruppe als Lern- ist vor allem Reflexionsort. Hof- und ab 1495 sog. Reichtstage: zunächst unregelmäßig, an wechselnden Orten, ein Herrschaftsinstrument des Kaisers, späterhin ein Verfassungsorgan, an dem man teilnehmen durfte und als ständisch-korporatives Organ Keimzelle des Parlamentarismus. Consilium et Auxilium (Rat und Hilfe) und Consensus im Mittelalter des HRRDN

Beratung war zwingende, wechselseitige Rechtshandlung; die einen mussten Rat geben, der Herrscher Rat nehmen.

Hofnarren und Mätressen

  • Hofnarren wurden mit Spiegel dargestellt (Selbstverliebtheit und Selbsterkenntnis)
  • Meister der Paradoxe Intervention
  • Signum der Humanisten, (Wir sind alles Narren)
  • närrische Beratung am Hofe, unabhängig, nicht dazugehörig, unverbindlicher Rat, unkorrumpierbar, etc.
  • Watzkes transgressive Mediation

Sekretäre und Geheimräte ersetzen die Ständischen Räte im Übergang von Mündlichkeit zur Schriftlichkeit

Links:

  • Webseite zum Buch (Verlagsseite): „Was soll ich tun?“, Corlin-Verlag, 2016.

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