Spendenaufruf

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Vorweihnachtszeit – und sie häufen sich wieder, die Spendenaufforderungen. Fast jeden Tag bringt der Postbote neue Bettelbriefe ins Haus. Bei manchen dieser Briefe frage ich mich, wie kommen die Absender eigentlich an meine Adresse?

Ich hab von denen doch noch nie was gehört, geschweige denn für sie gespendet. Dabei weiß ich ja, dass der Handel mit Adressen ein gutes Geschäft ist. Doch irgendwann wird es mir lästig und ich werfe die meisten Briefe ungelesen weg. Schließlich weiß ich, wer von mir eine Spende bekommt und unbegrenzt erweitern kann ich den Kreis der Empfänger ja auch nicht.

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Und wenn ja, wie gehen Sie damit um? Der Bibelvers aus dem 5. Buch Mose scheint genau in diese verstärkte Spendensammelzeit zu passen. Dort heißt es: „Ein jeder gebe, was er geben kann nach dem Segen, den dir der HERR, dein Gott, gegeben hat“.

Im Zusammenhang dieses Verses geht es um drei Feste, die Israel feiern soll: das Passafest, das Erntefest und das Laubhüttenfest. Alle drei Feste erinnern daran, wie Gott sein Volk befreit und begleitet hat und wie er nach wie vor sein Volk mit allem versorgt, was sie brauchen. Wenn das keine Gründe sind zu feiern. Mose verschickt im Zusammenhang der Feste ja auch keine Spendenaufforderung. Er erinnert daran, was Gott seinem Volk alles gegeben hat. Das sollen sie feiern.

Doch sie sollen zum Fest nicht mit leeren Händen kommen. Gott hat ihre Hände zuerst gefüllt. Ihm haben sie alles zu verdanken. Sein Segen ist es, der ihnen Leben ermöglicht und von dem alles kommt, was sie haben. Mose schreibt die Spendenhöhe nicht vor. Jeder soll nach seinen Möglichkeiten geben und sich dabei Gottes Segen in seinem Leben bewusst machen.

Lästig, wie manche Bettelbriefe, empfinde ich die Aufforderung von Mose nicht. Ganz im Gegenteil. Es scheint mir wichtig, gerade im Trubel dieser Vorweihnachtszeit einmal innezuhalten, das eigene Leben bewusst in den Blick zu nehmen und zu bedenken, wem ich alles zu verdanken habe.

„An Gottes Segen ist alles gelegen“, so sagt der Volksmund. Ich finde, hier hat der Volksmund mal Recht. Wenn das aber stimmt, dann geht es ja gar nicht anders, als dass ich vom Denken zum Danken und vom Danken zum Geben komme. Geben nicht als Pflichterfüllung mit verbissener Miene, auch nicht berechnend, sondern gern und fröhlich. Paulus schreibt später an die Gemeinde in Korinth: „Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ (2. Korinther 9,7)

Ich werde sicherlich manche Spendenaufrufe auch in Zukunft ungeöffnet wegwerfen. Ich möchte mich nicht bedrängen lassen. Aber ich will meine Hände öffnen, nicht nur um zu nehmen, sondern auch, um abzugeben. Wenn ich mir bewusst mache, was Gott mir Gutes getan hat und immer noch tut, dann fällt mir das auch leicht.

Weil ich von Gottes Segen lebe, kann ich auch anderen zum Segen werden. Auch mit dem, was ich abgebe.

Autor: Christoph Wolf


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