Der Anfang der Weisheit

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„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagte vor zweieinhalbtausend Jahren der weise Sokrates. Das war für ihn der Anfang aller Weisheit: Die Erkenntnis, dass ich selbst eigentlich gar nichts weiß. Denn wenn ich das erkannt habe, sagt Sokrates, dann habe ich in meinem Hirn den nötigen Platz, um neue Gedanken zu denken, neue Wege zu erkennen, auf die ich bisher noch gar nicht gekommen bin. Weil ich sonst immer bei dem stehenbleibe, was ich sowieso schon denke – aber das kann ja auch falsch sein … Den Kopf frei haben, erkennen, dass ich selber nichts weiß, damit ich die Dinge ganz neu sehen kann: Das war der Grundansatz der Philosophie des Sokrates. „Philosophie“ bedeutet ja nichts anderes als „Liebe zur Weisheit“.

Auch in der Bibel, und ganz besonders im Alten Testament, hat die Weisheit einen ganz großen Stellenwert. Mit Weisheit ist die Fähigkeit gemeint, sich gut im Leben zurechtzufinden. Herausforderungen mutig zu bestehen. Entscheidungen zu treffen, die mir und allen, für die ich verantwortlich bin, guttun.

Das alles ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Die Welt wird ja immer unübersichtlicher mit all ihren Möglichkeiten, die sich heute bieten, und all den Herausforderungen, die es zu bestehen gilt, und all den Entscheidungen, die ich zu treffen habe. Und dabei verstehe ich ja oft kaum noch, was womit zusammenhängt, wie überhaupt unser Kühlschrank funktioniert oder was genau passiert, wenn ich per App eine Nachricht verschicke.

Die Welt ist kompliziert geworden. Richtige Entscheidungen zu treffen ist schwierig geworden, auch weil ich oft gar nicht bis ins Letzte wissen kann, ob meine Entscheidungen richtig sind oder nicht. Das kann mich schon sehr verunsichern, und da bringt mich dann auch der Satz des Sokrates nicht mehr wirklich weiter: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Ja, ich weiß, dass ich nichts weiß. Und nun?

In der Bibel steht ein anderer Satz darüber, was der Anfang der Weisheit ist. Die Losung für heute steht im Buch der Sprüche Salomos Kapitel 1, Vers 7; dort steht: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.“ So heißt es in der Luther-Übersetzung. „Erkenntnis“ bedeutet so viel wie „Weisheit“ oder „Wissen“. Und die hat ihren Anfang in der „Furcht des Herrn“, also nicht in der Angst vor Gott – das gerade nicht, denn Angst würde mich eher lähmen – sondern in der Ehrfurcht vor Gott. Also in dem Bewusstsein, dass ich nicht allein aus mir heraus weise sein kann, sondern dass Gott über mir steht, der allein wirklich weise ist. Nicht: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sondern: „Ich weiß, dass Gott weiß.“

Dass Gott weiß, wie die Welt funktioniert, und dass Gott auch in seine Welt eingreifen kann und das auch tut, das ist für mich ein überaus tröstlicher Gedanke. Denn dann ist es gar nicht so schlimm, dass ich nicht alles weiß und dass ich nicht immer sicher sein kann, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Dann kann ich mutig nach bestem Wissen und in Verantwortung vor Gott mein Leben leben, und ich weiß dabei: Wenn ich dabei einen Fehler mache, dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott eingreifen wird, weil Gott nicht möchte, dass ich ins Verderben renne.

Natürlich muss ich dann auch damit rechnen, dass Gott mir den Kopf zurechtrückt, weil ich vielleicht wieder zu sehr gedacht habe, ich wüsste es besser als er. Aber das gehört dazu. Solche Erfahrungen fördern die Weisheit. Ich weiß, dass ich nichts weiß, aber ich weiß, dass Gott alles weiß.

Autor: Jutta Schierholz


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