Hilfreiche Selbst-Sicht

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„Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na, dann ist ja alles klar.“

Sie kennen vielleicht noch diesen Liedvers von Jürgen von der Lippe - wenn schon nicht aus dem Radio, dann vermutlich doch aus dem eigenen Herzen. Kann ich diesen Sorgengeist loswerden?

Jesus macht klar: Es kommt auf die Sichtweise an. Er lädt ein: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“

Vögel sind ja nicht viel wert. An anderer Stelle fragt Jesus: „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen?“ Trotzdem ernährt sie der himmlische Vater. Gott weiß also, was nötig ist. Und er versorgt jede und jeden. So kann uns die Sicht auf die Vögel eine hilfreiche Selbst-Sicht vermitteln: Denn wie viel mehr als Vögel sind doch wir Menschen!

Aber stimmt das? Ist nicht die ganze Schöpfung, also nicht nur der Mensch Gottes gutes Werk? Doch, nach Gottes Wort ist der Mensch das Ebenbild Gottes und damit in besonderer Weise aus der Schöpfung herausgehoben.

Unter dieser Voraussetzung ist der Gedankengang sofort nachvollziehbar. Wenn sich Gott schon so um einen geringer erscheinenden Teil der Schöpfung - wie die Vögel - kümmert, wie viel mehr um uns Menschen. Was soll da noch die Sorge?

Aber die Fragen hören nicht auf: Nehme ich nicht Tag für Tag das Gegenteil wahr? Der Hunger in der Welt nimmt wieder zu. Tausende von Flüchtlingen sind unterwegs auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit und Auskommen. Und die Bilder von der Flutkatastrophe im Juli stecken vermutlich weiter auch in Ihren Köpfen und Herzen und die Betroffenen kämpfen nach wie vor mit den Folgen der Flut.

Beispiele, die zeigen: Sorgen sind mehr als berechtigt. Und unsere Sprache verrät es: Sind nicht die Sorgen geradezu notwendig, damit der Mensch „vorsorgt“, damit er dafür „sorgt“, dass sich die Ernährungslage verbessert, Frieden und Gerechtigkeit herrschen und die Erderwärmung gestoppt wird?

Aber können Sorgen das bewirken? Bleiben Sorgen nur der vermutlich notwendige Einstieg in Veränderungsprozesse, für die der Mensch verantwortlich ist? Oder machen sie sich dann selbstständig, verderben die Lebensfreude und lähmen sogar oft jede Initiative?

Wie schnell werden Menschen vom Sorgen- zum Bedenkenträger! Dann beschweren die Sorgen nur noch das Herz und weiter geschieht nichts.

Jesus bezieht das auf das persönliche Leben: Niemand kann durch Sorgen sein Leben verlängern. Auch das ist im Zeichen des medizinischen Fortschritts fragwürdig geworden.

Die Menschheit entdeckt immer mehr Möglichkeiten, das Leben zu verlängern. Aber zum einen sollte man dabei die Frage stellen, um welchen Preis das bisweilen nur gelingt. Und zum andern ist klar: Mit Mitteln des Sorgens ist keine Lebensverlängerung möglich, auch heute nicht.

Im Gegenteil: ich kann dadurch das Leben sogar verkürzen. Aber das will Gott ganz sicher nicht, denn er ist ein Liebhaber des Lebens. Des zeitlich begrenzten Lebens wie auch des ewigen Lebens.

Wenn Gott für das Vergängliche schon so verschwenderisch sorgt, wie viel mehr wird er es für diejenigen tun, die er für die Ewigkeit erschuf und erwählte!

Es kommt also auf die Sichtweise an. Recht betrachtet, hält uns die Schöpfung eine Anti-Sorgen-Predigt.

Schauen Sie hin. Gott möchte dann durch sein Wort Ihre Blickrichtung lenken. Damit nicht die Sorgen das Leben erdrücken. Dem Sorgengeist entkomme ich nicht mit Blick auf die eigenen Möglichkeiten. Jesus ermutigt zum Blickwechsel. Sieh nach oben, sieh die Vögel. Erkenne Gottes Möglichkeiten. Sieh auf Jesus.

Autor: Pfarrer Jens Brakensiek


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