ERF Plus - Wort zum Tag Wie wir am besten lernen

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Es war eine Routinefahrt. Einmal über den See Genezareth. Hatten die Jünger schon oft gemacht. Sie waren ja schließlich Fischer, die meisten von ihnen. Gut, sie waren müde. War Jesus auch. Und der legte sich schlafen. Eine kleine Kajüte am Heck des Bootes. Er legte sich hin und schlief den Schlaf des Gerechten. Tief und fest. So schnell würde ihn nichts aufwecken. Dann kam der Sturm, urplötzlich. Wind, hohe Wellen. Es wurde immer schwerer, das Boot auf Kurs zu halten. Von wegen Routinefahrt! Eine Fahrt im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Bootsfahrt mit integrierter Panikattacke! Die Jünger reißen die Tür zur Kajüte auf: Jesus, hilf uns, wir gehen hier drauf! So weit so nachvollziehbar. Aber was dann kommt, ist irgendwie typisch Jesus, ganz anders. Was haben die Jünger erwartet? „Keine Panik, Leute, das haben wir gleich!“ Oder ein vollmächtiges Gebet, das den Sturm zum Ende bringt. Aber nichts von alledem. Was ruft Jesus seinen Leuten zu? „Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?“ Da wenden sich diese Leute in höchster Not an Jesus und er rüffelt sie? Also, das verstehe, wer will. Wenn ich in Panik jemanden um Hilfe bitte, dann will ich zu allem Unglück nicht auch noch angepflaumt oder zurechtgewiesen werden. Typisch Jesus, da bist du erst mal perplex. Wie kommt Jesus dazu? Jesus will, dass seine Jünger in dieser Grenzsituation etwas lernen. Es geht ihm um etwas Grundsätzliches. Wenn man sich einmal anschaut, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, dann kann man so etwas wie eine Abstufung sehen. Wenn jemand zu ihm kam, verzweifelt und beladen mit Schuld oder Sorge, dann hat Jesus ihn mit offenen Armen empfangen. Wenn Kranke zu ihm kamen, hat er ihnen oft geholfen. Wenn Menschen zu ihm kamen, die ihn vor ihren Karren spannen wollten, hat er sie ins Leere laufen lassen. Wenn jemand mit ihm nur herumstreiten wollte, hat ihn das ziemlich genervt. Wenn Leute ihm eine Falle stellen wollten, mussten sie recht bald erkennen, dass sie sich mit jemandem angelegt hatten, der schlauer war als sie. Wenn jemand Jesus zu wenig zugetraut hat, dann hat Jesus ihn als kleingläubig bezeichnet. Und wenn jemand Jesus den Glauben verweigert hat, dann konnte er richtig wütend werden. Wir merken also, dass wir mit dem Titel „Kleingläubige“ schon ziemlich weit im Negativbereich der Skala angekommen sind. Jesus mag es nicht, wenn Menschen zu gering von ihm denken. Ist Jesus dann in seinem Stolz verletzt? Das glaube ich nicht. Ich glaube eher, dass wir ihm leidtun, wenn wir kleingläubig sind. Denn wir konzentrieren uns auf das Falsche. Wir schauen nur auf das, was uns Not macht, anstatt auf Jesus zu schauen, der größer ist als unsere Not. In diesem Sturm haben die Jünger nur den Sturm im Blick gehabt und waren sich deshalb sicher, dass sie bald schon untergehen würden. Und sie haben ihn nur aufgeweckt, um ihm das mitzuteilen. Deswegen bezeichnet Jesus sie als Kleingläubige. Sie haben einen Problemtunnelblick gehabt.

Das, was Jesus von uns möchte, ist dass wir unseren Blick auf ihn richten, ganz bewusst. Und nicht nur den Blick unserer Augen. Das ist zwar schon mal der Blick in die richtige Richtung, wenn wir etwa in eine Kirche gehen und uns vor den Altar setzen mit dem Blick auf den Gekreuzigten. Aber er will vor allem, dass wir die Gedanken unseres Herzens auf ihn ausrichten; dass wir zu ihm kommen und ihm zeigen, dass wir ihm gerade jetzt in diesem schweren Moment vertrauen wollen. Das ist, so denke ich, der Lerneffekt dieser Worte Jesu, wenn er seine Leute als Kleingläubige bezeichnet. Es ist eine Einladung: Vertraue mir! Bleib mit deinem Blick nicht auf das fixiert, was dir gerade Not macht, sondern komm mit deinem beschwerten Herzen zu mir. Ich kann und will und werde dir helfen. Vertraue mir!

Autor: Pfarrer Michael Sarembe


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