ERF Plus - Wort zum Tag Gottes Gütesiegel

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Die Losung dieses Tages der Herrnhuter Brüdergemeine aus dem Psalm 32 ist mehr als eine Zustandsbeschreibung. Sie verheißt Großartiges. Eine tröstliche und stärkende Erfahrung liegt ihr zugrunde. Aber sie kann auch zu einem Missverständnis führen. Das muss ausgeräumt werden. „Wer auf den Herrn hofft...“ – bedeutet in meinen Augen nicht, dass das eine Bedingung oder Voraussetzung für sein Geschenk der Güte wäre. Etwa nach dem Motto: Nur dann, wenn ich auf den Herrn hoffe, mein Vertrauen auf ihn setze, werde ich seine Güte zu spüren bekommen. Als wäre diese Güte ein Hoffnungslohn.

Lassen Sie uns das Wort des Psalmbeters anders verstehen! Also, der Reihe nach. Meine Hoffnung auf den Herrn setzen – auf welche Art und Weise geschieht das? Freilich, durch Gebet, Gotteslob und in der Gemeinschaft der Gläubigen.

Ich habe das mal ganz konkret einen Bruder aus der Gemeinde, einen Christen, gefragt. Er hatte eine Menge an Lebens- und Glaubenserfahrung im Laufe seines langen Lebens gesammelt. Und er meinte auf mein Fragen – ohne lange zu überlegen: „Verlass dich drauf, der Herr macht das schon!“

Dann haben wir drüber geredet, wie das geht, dieses: Sich auf ihn verlassen. Er erzählte von sich. Davon, dass er sein Augenlicht komplett verloren hat. Ein schlimmer Unfall, den die Wut Fremder auslöste. „Von einem auf den anderen Moment brach die Finsternis über mich herein.“ Wie sollte es nun weitergehen?

Er führte eine kleine Landwirtschaft: Einige Tiere im Stall, Feld, Wiese und Wald zu bewirtschaften. Nebenbei: Chorsänger aus Leidenschaft. Bläser im Posaunenchor. Eine Zeit lang im Ältestenamt der Kirchgemeinde. „Ohne Gottvertrauen wäre ich längst vom Felsen gesprungen“, sprach er leise. „Ich habe gebetet. ‚Vater, im Himmel, hilf mir, neu leben zu lernen.‘ Und ich habe es gelernt. Weil ER es mir gezeigt hat.“ Dabei lächelt er.

Es war offensichtlich. Er bewegte sich sicher im Alltag. Mit dem Taststock und dem Hund. Ihm, dem Alleinstehenden, viele Jahre zur Seite: Anka, die treue und umsichtige Riesenschnauzerhündin. Wenn er die Sense führte, das hohe Sommergras auf der Bergwiese zu mähen, blieb kaum ein Halm stehen. Beim Heu machen, kam alles auf den Wagen. Im Stall, vielfach behördlich kontrolliert, nichts zu beanstanden. Und selbst stets voll Hoffnung, das Pensum jeden Tages zu schaffen. Zu erhalten, was er vom Vater und Großvater ererbt hatte. In der Hoffnung: Es geht weiter. Tag für Tag. Manchmal nur ein kleines Stück.

„Aber“, so sagt er mit ernster Miene, „nicht irgendwie geht’s weiter. Es geht weiter, weil Gott das will und so wie er´s will.“ In diesem Sinne verstand er auch die Hilfe, die er bekam. Die Hilfe von Menschen, denen er vertraute. Nur mit ihnen gemeinsam konnte gut genannt werden, was gelang. Alles, eigentlich jeden Handschlag, jeden hoffnungsvollen Gedanken, deutete er als Gottes Güte. Der gütige Gott hat am Leben erhalten.

„Er schenkt uns allen das Licht des neuen Tages!“ bekannte der, der - als ich ihn kennenlernte - bereits über 50 Jahre lang sein Augenlicht verloren hatte. Das hat mich damals stark berührt. Darum bleibt es mir im Gedächtnis.

„Wer auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen.“ Das ist tatsächlich mehr als eine Lagebeschreibung. Erfahrung und Verheißung eröffnet dieser Bekenntnissatz.

Lasse ich der Hoffnung Raum, merke ich, wie sich dieser Raum mit Güte füllt.

Autor: Karsten Loderstädt


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