Die Woche #56 – Der Pfefferminzia Podcast für Versicherungshelden

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Willkommen zu Folge 56 unseres Podcasts!

Im Gespräch Mit Business-Coach Jürgen Zirbik Alle Jahre wieder sorgt die Image-Umfrage des Beamtenbundes in der Versicherungsbranche für Unmut. Denn immer wieder landet der Beruf des „Versicherungsvertreters“ dabei auf dem letzten Platz. So auch wieder in diesem Jahr. Wie sollten Vermittler damit umgehen? „Wenn Sie jemand fragt, was Sie so machen, sagen Sie: ,Ich bin Notfall-Manager und helfe Menschen und ihren Familien im Notfall selbstbestimmt zu bleiben‘“, empfiehlt Jürgen Zirbik. Was das bei den Kunden im Kopf bewirkt, darüber haben wir mit dem Business-Coach im Interview gesprochen.

Die News der Woche, Teil 1 Wollen Versicherungsmakler den Vertrag eines ausländischen Versicherers an einen Kunden vermitteln, müssen sie diesen sorgfältig über mögliche Risiken etwa bei einer Insolvenz aufklären. Tun sich das nicht, verletzen sie ihre Beratungspflicht, urteilten kürzlich die Richter des Oberlandesgerichts Saarland.

Aber von vorn, was war geschehen? Ein Mann schloss im Februar 2016 eine Wohngebäudeversicherung mit Elementarschutz über einen Versicherungsmakler ab und kündigte seinen Altvertrag. Versicherungsbeginn war der 1. Juli 2016, der Vertrag lief über einen deutschen Versicherer, dessen Risikoträger aber aus Liechtenstein stammte. Im August 2016 kam es auf dem Grundstück des Versicherten zu einem Rohrbruch. Diesen meldete er der Versicherung, woraufhin sich ein Gutachter den Schaden anschaute.

Kurz darauf erfuhr der Kunde, dass die Liechtensteinische Finanzmarkt-Aufsicht dem Risikoträger im September 2016 das Neugeschäft untersagt hatte und im November ein Konkursverfahren eröffnet wurde. Für eine entsprechende „Kanalsanierung“ in Höhe von mehr als 10.000 Euro musste der Versicherte also selbst aufkommen. Daraufhin forderte der Kunde das Geld von seinem Versicherungsmakler zurück. Ein verantwortungsbewusster Makler hätte den Versicherer gar nicht erst vorschlagen dürfen, schimpfte der Mann. Der Makler hätte im Voraus eine Marktanalyse durchführen und die Solvenzlage des Versicherers prüfen müssen. Der Fall landete vor Gericht.

Tatsächlich, so das Urteil des Oberlandesgericht Saarland, habe der Makler seine Beratungspflicht verletzt (Aktenzeichen 5 U 37/20). Dem Mann seien die besonderen Risiken des angebotenen Vertrages, die ihm offenkundig nicht bewusst waren und über die der Makler ihn aufzuklären hatte, nicht hinreichend deutlich gemacht worden. Und das verstoße gegen die Beratungspflicht aus Paragraf 61 Absatz 1 Versicherungsvertragsgesetz. Der Makler hätte das Risiko einer hierzulande weithin unbekannten ausländischen Gesellschaft ansprechen müssen. Denn die Absicherung von Zahlungsfällen sehe in so einem Fall anders aus als bei in Deutschland ansässigen Versicherern.

Zahlen musste der Makler im vorliegenden Fall schlussendlich aber trotzdem nicht. Der Grund: Der Versicherungsnehmer konnte nicht kausal erklären, was er im Fall einer rechtzeitigen Aufklärung über das Risiko eines ausländischen Versicherers anders gemacht hätte. Wäre ihm dies aber geglückt, dann wäre der Fall für den Vermittler wohl teuer ausgegangen.

In eigener Sache Sie wollen sich als Versicherungsvermittler auf eine bestimmte Zielgruppe spezialisieren? Das ist ein gute Idee – denn immer mehr Kunden erwarten, dass sich ihr Makler intensiv mit ihren speziellen Risiken auskennt. Wie die Ansprache attraktiver Zielgruppen gelingt, welche Produkte infrage kommen und welche Fehler es zu vermeiden gilt, vermitteln Ihnen Top-Experten und -Expertinnen daher auf dem Pfefferminzia Zielgruppentag.digital.

Am 6. Oktober ab 09:30 Uhr geht es los! In drei Workshop-Räumen widmen wir uns jeweils einer Zielgruppe – den Heilberuflern in Raum 1, Einzelhandel & Handwerk in Raum 2 und den Altersgruppen Generation Y und 50plus in Raum 3. Aber auch auf der Hauptbühne und in unserer Netzwerk-Lounge erwartet Sie ein spannendes Programm.

Themen sind unter anderem die richtige Ansprache von Handwerkern, die lückenhafte Kammerversorgung von Heilberuflern, Türöffner-Themen für die Generation Y und die Vorteile der Generationenberatung für Vermittler.

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich am besten gleich an unter https://zielgruppentag.pfefferminzia.de Weiterbildungsminuten können Sie auf unserem Digitaltag natürlich auch sammeln. Und, das Beste, die Veranstaltung ist dank unserer Co-Gastgeber HDI, Inter, Signal Iduna und Standard Life kostenlos für Sie!

Der Rechtstipp Von Stephan Michaelis Wer Versicherungsanlageprodukte vermittelt, muss einige strenge gesetzliche Vorgaben beachten – sonst drohen Haftungsrisiken. Darauf weist der Hamburger Rechtsanwalt Stephan Michaelis in seinem Rechtstipp hin. Gerade bei der Umdeckung von kapitalbildenden zu fondsgebundenen Versicherungen ist Wachsamkeit geboten, betont er. Aber hören Sie am besten selbst.

Die News der Woche, Teil 2 „Oliver Pocher würde aktuell ,300 bis 400 Euro‘ Rente bekommen“ – das vermeldete Pfefferminzia am vergangenen Freitag. „Wen interessiert das?“, kommentierte wenig später ein genervter Nutzer unserer Facebook-Seite. Ja, diese Frage darf man natürlich stellen, aber die Antwort darauf muss lauten: Ziemlich viele! Exakt 14.497 Personen erreichten wir nach einer knappen Woche mit unserem Post, wie uns Facebook verriet.

In Wahrheit geht es hier auch nur vordergründig um den überraschend kargen Rentenbescheid eines eher halbwitzigen Comedians – und Multimillionärs –, sondern vielmehr darum, wie im Bundestagswahlkampf über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung gestritten wird. Nämlich mal so gar nicht. Aber der Reihe nach.

„Das Rentensystem ist so gar nicht zu halten – das weiß jeder“. Dieser Satz fiel am vorvergangenen Mittwochabend in einer Live-Talkshow des Boulevard-Mediums „Bild“ – und gesagt hat ihn: Eben jener Oliver Pocher. Im Beisein der Gäste Sophia Thomalla und „Bild“-Politikchef Jan Schäfer, diskutierte Pocher unter anderem über die Rente – und bekannte, dass er laut seines aktuellen gesetzlichen Rentenbescheids im Alter nur wenig Geld aus der Rentenkasse zu erwarten hat.

„Aktuell kriege ich 300 bis 400 Euro“, berichtete Pocher freimütig – und erklärte auch, warum er wohl nur eine Mini-Rente bekommen dürfte: „Ich bin auch ehrlich gesagt niemand, der in das gesetzliche Rentensystem einzahlt“. Nur in einigen Schauspieljobs würde eine Abgabe ans Rentensystem automatisch erfolgen, so der 43-Jährige.

Nun ja, schlecht gefahren scheint der Comedian damit aber nicht zu sein. Wie „Focus Online“ auf Basis der Bild-Diskussion berichtete, belaufe sich das Gesamtvermögen des glühenden Hannover-96-Fans auf etwa acht Millionen Euro, „wobei er jährlich geschätzt eine Million Euro einnimmt, die er aber noch versteuern muss“, wie es hieß.

Aber zurück zur Renten-Debatte: „Bild“-Mann Claus Strunz, der die Talksendung moderierte, zeigte sich tief besorgt, über die prekäre Lage vieler Bürger, wenn es um die private Vorsorge geht: „Das Rententhema ist das Thema, an dem das Versagen der Politik am deutlichsten wird.“ Und weiter: „‚Die Rente ist sicher‘ war die größte populistische Lüge, die es jemals gab.“

Holla. Und auch „Bild“-Politikchef Jan Schäfer hielt es bei dem Thema kaum auf dem Stuhl: „Niemand spricht über diese Kosten“, schimpfte er. Es sei „allerhöchste Zeit“ für die Parteien zu sagen – vor allem den Leuten unter 50 Jahren –, „dass wir alle bis 70 mindestens arbeiten müssen, denn anders lässt sich das Rentensystem in Deutschland nicht mehr finanzieren“. Am Ende blieben nur die Möglichkeiten, höhere Beitragssätze festzulegen oder ein niedrigeres Rentenniveau oder eben eine längere Lebensarbeitszeit, so Schäfer. Nun ja, zumindest Oliver Pocher wird wohl die weitere Entwicklung des Rentensystems relativ entspannt verfolgen können.

Das Schwerpunktthema Bundestagswahl 2021 Nun ist es schon September und eigentlich nehmen wir uns jeden Monat ja ein anderes Schwerpunktthema vor. Aber wir sind mit der Analyse der Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl 2021 noch nicht durch. Und so haben wir uns Schwuppdiwupp dafür entschieden, das Schwerpunktthema zur Bundestagswahl nochmal zu verlängern. In dieser Woche stehen die Ideen der Grünen auf dem Prüfstand.

Wie die SPD setzen sich auch die Grünen für ein Rentenniveau von 48 Prozent ein. Um das zu sichern, „wollen wir die Frauenerwerbstätigkeit unter anderem durch ein Rückkehrrecht in Vollzeit erhöhen, ein echtes Einwanderungsgesetz schaffen und die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbessern“, heißt es im Wahlprogramm. Auch ist vorgesehen, mehr Menschen in das gesetzliche Rentensystem zu holen – darunter Selbstständige, die sich anderweitig nicht abgesichert haben und „denen sonst Altersarmut droht“ – aber auch Abgeordnete. Um Altersarmut zu verhindern, wolle man „die Grundrente reparieren“ und zu einer „echten Garantierente“ weiterentwickeln.

Zudem wollen die Grünen bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge nachlegen. „Die Riester-Rente hat sich als ein völliger Fehlschlag herausgestellt. Die Produkte sind teuer und undurchschaubar und haben zum Teil eine geringere Rendite als Omas Sparstrumpf“, schimpft die Partei in ihrem Programm. Profitabel seien sie oft nur für die Versicherungswirtschaft oder dank der öffentlichen Förderung. Die Lösung der Grünen: „Wir wollen die Riester-Rente durch einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds ersetzen und in diesen überführen. Der Fonds kann langfristig orientiertes Eigenkapital für die Wirtschaft bereitstellen. In den Bürgerfonds zahlen alle ein, die nicht aktiv widersprechen. So wird ein Volumen geschaffen, das die Verwaltungskosten gering hält, die Risiken breit streut und auf teure Garantien verzichten kann.“ Der Bürgerfonds soll politisch unabhängig verwaltet werden und nachhaltig investieren – und auch in der bAV als Anlageinstrument dienen: „Alle Arbeitgeber sollen künftig eine betriebliche Altersvorsorge anbieten und können den Bürgerfonds als Standard dafür nutzen.“

Im Parteiprogramm der Grünen findet man auch einen Seitenhieb auf die Provisionsberatung: „Häufig werden Kundinnen und Kunden Finanzprodukte angedreht, die für sie zu teuer, zu riskant oder schlicht ungeeignet sind.“ Man wolle daher die Finanzberatung „vom Kopf auf die Füße“ stellen. Wie das gehen soll? Dazu heißt es: „Dafür schaffen wir ein einheitliches und transparentes Berufsbild für Finanzberaterinnen und Finanzberater. Alle Vermittlerinnen und Vermittler und Beraterinnen und Berater sollen künftig von der Bafin beaufsichtigt werden. Wir wollen weg von der Provisionsberatung und schrittweise zu einer unabhängigen Honorarberatung übergehen.“ Dafür wolle man eine „gesetzliche Honorarordnung“ schaffen, die Finanzberater stärke und unabhängiger mache.

In der Krankenversicherung setzen sich die Grünen dafür ein, sich von der „Zwei-Klassen-Medizin“ zu verabschieden: „Unser Ziel ist eine solidarisch finanzierte Bürgerversicherung, in der jeder unabhängig vom Einkommen die Versorgung bekommt, die er oder sie braucht. Die Bürgerversicherung bezieht alle in die Finanzierung eines leistungsstarken Versicherungssystems ein. Auch Beamte, Selbstständige, Unternehmerinnen und Unternehmer und Abgeordnete beteiligen sich mit einkommensabhängigen Beiträgen.“ Neben Löhnen und Gehältern sollen auch Beiträge auf Kapitaleinkommen erhoben werden. Als ersten Schritt werde man die Versorgung gesetzlich Versicherter – zum Beispiel bei der Erstattung von Brillen – verbessern. Außerdem soll die „Benachteiligung gesetzlich versicherter Beamtinnen und Beamte durch einen beihilfefähigen Tarif“ beendet und privat Versicherte, die sich nur den Basistarif leisten können, besser abgesichert werden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Grünen sehr viele Steine im deutschen Sozialsystem umdrehen wollen, wenn sie künftig mitregieren sollten. Und vor allem auch Versicherungsvermittlerinnen und Vermittler dürften gespannt sein, wie sich ihr berufliches Dasein nach dem Willen der Grünen ändern könnte – und hierzu ließ sich Markus Kurth, Sprecher für Rentenpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Obman im Bundestagsausschuss Arbeit und Soziales, im nun folgenden Gespräch einige Details entlocken.

Und schon haben wir wieder eine Folge unseres Podcasts im Kasten. Sie wollen mehr hören? Dann abonnieren Sie ihn doch gerne auf eine der üblichen Podcast-Plattformen. Dort haben Sie auch Zugang zu all den vergangenen Folgen. Schauen Sie mal rein!

Ansonsten hören wir uns am kommenden Freitag wieder. Bis dahin gilt wie immer: Bleiben Sie gesund, genießen Sie das Wochenende und kommen Sie gut in die neue Woche.

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