Die Woche #54 – Der Pfefferminzia Podcast für Versicherungshelden

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Willkommen zu Folge 53 unseres Podcasts!

Im Gespräch mit Stefan Knoll, DFV

Wenn Stefan Knoll das Wort ergreift, kann man sich sicher sein, dass alles passieren kann – außer das Langeweile aufkommt. Seitdem Knoll im Jahr 2007 die DFV Deutsche Familienversicherung gegründet hatte, äußert sich der wortgewandte Vorstandsvorsitzende immer wieder zum aktuellen Geschehen im Versicherungsmarkt – und gerne auch über die große Politik: „Ich sage das so giftig, weil einer die Zeche bezahlen muss – und das sind nicht die Verteilpolitiker, sondern wir, die Bürger“, sagte Knoll, der selbst seit seinem 16. Lebensjahr der CDU angehört, vor einem Jahr im Interview mit Pfefferminzia zur Reform der Pflegeversicherung. „Giftig“ wird es im nun folgenden Gespräch zwar nicht – für den Zustand seiner Partei findet der promovierte Jurist trotzdem überaus kritische Worte. Doch zuvor spricht er über die ambitionierten Pläne seines Unternehmens und warum sich die DFV künftig verstärkt dem Maklermarkt zuwendet.

Die News der Woche, Teil 1

„Wird Amazon das Amazon der Versicherungsbranche?“ – das fragte sich Pfefferminzia bereits im November 2017 – und berief sich damals auf Medienberichte, wonach der US-Handelsgigant „Versicherungen im Zusammenhang mit Amazon-Produkten und -Dienstleistungen“ plane. Fast vier Jahre hat es dann aber doch gedauert bis Amazon wirklich ernst zu machen scheint mit dem Einstieg ins Versicherungsgeschäft.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag vermeldete, biete der US-Konzern zwar noch keine eigenen Policen an, hat aber jetzt mit dem neuen sogenannten „Amazon Insurance Accelerator“ einen großen Schritt in Richtung Versicherungsmarkt getan. Über den Accelerator können nämlich gewerbliche Verkäufer, die ihre Produkte im US-Markt über Amazon anbieten, Haftpflichtversicherungen abschließen.

Die Idee hinter dem Versicherungskonzept lautet so: Wenn ein Kunde in den USA künftig durch ein Produkt zu Schaden kommt, das er über den Online-Marktplatz von einem Händler gekauft hat, kann er sich bald an Amazon selbst wenden. Der Händler muss dann nicht mehr kontaktiert werden. Bei Schäden bis 1.000 Dollar (also 851 Euro) springt der Konzern ein, und der Händler ist – anders als bisher – fein raus. Das alles gilt jedoch nur, wenn der Händler zuvor eine entsprechende Haftpflichtversicherung über das neue Amazon-Netzwerk abgeschlossen hat.

Es darf also nicht einfach irgendeine Police sein – die genauen Bedingungen und Anforderungen hat Amazon selbst festgelegt. Laut SZ gehören dazu unter anderem eine Deckungssumme von mindestens einer Million Dollar und ein Selbstbehalt von maximal 10.000 Dollar. Dafür hat der Konzern ein neues Netzwerk aus Versicherern – den besagten „Amazon Insurance Accelerator“ – geformt, die den Händlern entsprechende Policen anbieten. Zu den bekanntesten Amazon-Partnern gehören demnach der Rückversicherer Munich Re sowie die Versicherer Hiscox und Chubb – und auch der Großmakler Marsh soll mit an Bord sein.

Während Amazon im Rahmen des neuen Konzepts also alle Schäden bis 1.000 Dollar selbst übernimmt, sollen die Versicherer der Händler alles darüber hinaus abwickeln. Mit einer Einschränkung: Amazon behalte sich stets vor, einen Schaden noch einmal zu überprüfen, wenn der Versicherer die Zahlung abgelehnt habe, wie die SZ erfuhr. Im Klartext: Sofern der Online-Riese davon überzeugt sei, dass eine Schadenzahlung angebracht sei, entschädige er selbst den Kunden und hole sich das Geld vom Versicherer im Nachhinein zurück. Ebenso dürfe Amazon eingreifen, wenn Versicherer länger als 30 Tage brauchten, um einen Schaden abzuwickeln. Amazon setzt also selbst die Standards für die Schadenabwicklung – was bislang immer zum ureigensten Hoheitsgebiet der Versicherer gehörte.

Nun ja, jetzt steht natürlich die Frage im Raum, ob sich Amazon demnächst auch hierzulande in die Kompetenzgebiete der Branche einmischen wird. Noch gibt es den Insurance Accelerator zwar nur in den USA. Amazon-Chef Jeff Bezos dürfte aber bereits daran arbeiten, das Versicherungsnetzwerk auch auf andere Länder auszuweiten, so wie es bei Amazon im Falle von Neuentwicklungen üblich ist. Zumal der Versicherungsmarkt und die damit verbundenen Chancen gigantisch erscheinen – selbst aus der Perspektive eines Riesen.

In eigener Sache

Vermittler, die sich nicht auf eine Zielgruppe spezialisieren, werden es in Zukunft nicht einfach haben, erfolgreich zu sein. Denn immer mehr Kunden – und gerade attraktive Zielgruppen wie Heilberufler, Handwerker & Co. – erwarten mehr als eine Beratung von der Stange. Zu Recht. Wie die Ansprache attraktiver Zielgruppen gelingt, welche Themen sich als Türöffner eignen, welche Produkte infrage kommen und welche Fehler es zu vermeiden gilt, vermitteln Ihnen Top-Experten und -Expertinnen daher auf unserem Zielgruppentag.digital.

Am 6. Oktober ab 09:30 Uhr geht es los! In drei Workshop-Räumen widmen wir uns jeweils einer Zielgruppe – den Heilberuflern in Raum 1, Einzelhandel & Handwerk in Raum 2 und den Altersgruppen Generation Y und 50plus in Raum 3. Aber auch auf der Hauptbühne und in unserer Netzwerk-Lounge erwartet Sie ein spannendes Programm.

Themen sind unter anderem die lückenhafte Kammerversorgung von Heilberuflern, Türöffner & No Gos für die Generation Y, Bedarfsgerechter und bezahlbarer Schutz für Kleinkinder und Schüler oder warum Heilberufler nach einer Cyber-Attacke schnell ins Visier von Verfolgungsbehörden geraten können.

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich am besten gleich an unter https://zielgruppentag.pfefferminzia.de Weiterbildungsminuten können Sie auf unserem Digitaltag natürlich auch sammeln. Und, das Beste, die Veranstaltung ist dank unserer Co-Gastgeber HDI, Inter, Signal Iduna und Standard Life kostenlos für Sie!

Der Vertriebstipp von Peter Schmidt

Aktuell ist laut Branchenschätzung nur jeder dritte Makler in der Lage, seine Beratungs- und Arbeitsprozesse vollständig digital abzubilden. Ja, viele haben Teilbereiche digitalisiert, aber da geht noch deutlich mehr, findet Unternehmensberater Peter Schmidt. Und das muss auch gar nicht schwierig sein, sagt er. Aber hören Sie dazu jetzt mehr von ihm selbst in seinem Vertriebstipp der Woche.

Die News der Woche, Teil 2

Beim Thema finanzielle Freiheit sind die Bundesbürger eher bescheiden – das zeigt die aktuelle Ausgabe des „Financial Freedom Reports“ der LV 1871. So sehen 55 Prozent darin in erster Linie die Unabhängigkeit in allen Lebenslagen. Finanziell frei fühlen sich 47 Prozent der Befragten außerdem, wenn sie sich keine Gedanken um Geld machen müssen. Für 12 Prozent bedeutet finanzielle Freiheit, sich Träume erfüllen zu können, für gut 11 Prozent, nicht auf das Gehalt angewiesen zu sein und für etwa 7 Prozent nicht mehr arbeiten zu müssen.

Einen frühen Renteneintritt nannten in diesem Zusammenhang zwar nur wenige Befragte, nämlich 3,8 Prozent. Auf der anderen Seite zeigt sich aber: Werden die Deutschen konkret nach ihrem Wunsch gefragt, wann sie gerne aufhören würden zu arbeiten, geben etwa 70 Prozent an, spätestens mit 60 in Rente gehen zu wollen.

„Die Umfrage-Ergebnisse spiegeln eine typisch deutsche Bescheidenheit wider und zeigen zugleich ein Paradoxon auf“, sagt LV-1871-Vorstand Hermann Schrögenauer: „Die Menschen geben sich beim Thema finanzielle Freiheit bescheiden und bringen zum Ausdruck, dass ihnen Unabhängigkeit ausreicht. Doch Unabhängigkeit ergibt sich nicht von allein – man muss sie gezielt angehen.“ Mit ihren Finanzen wollten sich die Deutsche zwar eher weniger beschäftigen, dies sei aber „ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu finanzieller Unabhängigkeit“, so Schrögenauer.

Im Rahmen der Umfrage hat sich zudem herausgestellt, dass die Deutschen tendenziell ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, aber dennoch gern dem Sozialstaat vertrauen. Viele glauben daran, dass Arbeit sich auszahlt und der Generationenvertrag aufgeht. So beziehen 65,8 Prozent der Befragten ihr Einkommen aus einem Angestelltenverhältnis. Nur 15 Prozent nennen auch Geldanlagen und Kredite als Einnahmequelle. Auf Immobilien setzen 16 Prozent der Befragten.

„Die Mehrheit verlässt sich auf die vermeintliche Sicherheit der Festanstellung und die staatliche Altersvorsorge“, so Schrögenauer. Doch das stehe im Gegensatz zur langfristigen Entwicklung der Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels: Der Sozialstaat baue derzeit ab, langfristig tragende Lösungen seien nicht in Sicht, die Lebenserwartung steige und der Generationenvertrag wackele, so der LV-1871-Vorstand. „Gleichzeitig boomt der Kapitalmarkt.“

Schrögenauers Appell an die Deutschen: „Die Bundesbürger müssen aufhören, sich auf den Staat zu verlassen, der nicht mehr als die Grundsicherung garantieren kann. Sie müssen anfangen, anders zu denken und Risiko nicht mit Verlust gleichzusetzen, sondern mit Rendite. Wir verfügen in Deutschland über ein breites Anlage-, Vorsorge- und Absicherungsspektrum. Damit hat jeder Einzelne viele Möglichkeiten und Hebel, um sich finanziell besser aufzustellen. Dabei können und müssen nur das eigene Risikoempfinden und die eigene Lebensplanung berücksichtigt werden.

Wer sich der finanziellen Freiheit nähern wolle, könne sich unter anderem an Vorsorgeberater wenden. Einziges Problem: Das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, ist laut der Umfrage nicht so leicht. 26 Prozent vertrauen in Finanzfragen der Familie, 21 Prozent dem Bankberater und 17 Prozent unabhängigen Beratern. Da geht also noch wesentlich mehr.

Das Schwerpunktthema im August: Bundestagswahl 2021

In dieser Woche befassen wir uns für unser Schwerpunktthema zur Bundestagswahl 2021 mit dem Wahlprogramm der CDU/CSU. Beim Thema gesetzliche Rentenversicherung gibt es im Wahlprogramm der Unionsparteien erstmal nicht viel Neues zu lesen. Einen Hinweis auf das aktuelle Urteil des Bundesfinanzhofs gibt es allerdings: „Um das Vertrauen in die Altersvorsorge weiter zu stärken und Rentnerinnen und Rentner zu entlasten, werden wir eine Doppelbesteuerung von Renten verhindern und daher die Vorgaben des Bundesfinanzhofs schnellstmöglich umsetzen.“

Und dann geht es um die Selbstständigen: Um den sozialen Schutz dieser zu verbessern, wolle man eine Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen einführen, die nicht bereits anderweitig abgesichert seien. Sie sollen zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und anderen insolvenzsicheren und zugriffsgeschützten Vorsorgearten wählen können.

In der betrieblichen Altersversorgung haben sich die Unionsparteien vorgenommen, die Mitnahme der Ansprüche aus einer bAV bei einem Jobwechsel zu verbessern, mögliche Hindernisse beim Sozialpartnermodell will man auf den Grund gehen und abbauen. Und: „Gerade mit Blick auf Geringverdiener wollen wir ein Konzept einer ‚Betrieblichen Altersvorsorge für alle‘ entwickeln, um diese wichtige Säule der Altersvorsorge weiter zu stärken und noch attraktiver zu machen“, heißt es. Wie diese aussieht, beschreiben die Unionsparteien im Programm aber nicht.

Bei der privaten Altersvorsorge hat die Union Größeres vor, hier brauche man einen „Neustart“. Konkret steht im Parteiprogramm: „Wir werden Kriterien für ein Standardvorsorgeprodukt festlegen. Dieses Produkt ist verpflichtend für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, es sei denn, sie widersprechen der Einbeziehung. Das Standardprodukt soll ohne Abschlusskosten und mit möglichst niedrigen Verwaltungskosten auskommen. Dabei soll es eine attraktive und unbürokratische Förderung durch den Staat geben. Neben Produkten mit einer Leistungsgarantie sollen auch Produkte ohne Leistungsgarantie angeboten werden.“ Von dieser Maßnahme erhofft sich die Union, dass mehr Menschen privat vorsorgen. „Sollte sich diese Erwartung nicht erfüllen, werden wir das Produktportfolio um ein staatlich organisiertes Standardvorsorgeprodukt erweitern und prüfen, ob wir zu einem stärkeren Maß an Verbindlichkeit kommen müssen“, liest man in den Zeilen weiter.

Zudem wolle man ein „neues Konzept“ der kapitalgedeckten Altersvorsorge etablieren: „Dafür kann eine Generationenrente für eine Altersvorsorge von Geburt an ein guter Baustein sein. Wir werden prüfen, wie man die Generationenrente mit einem staatlichen Monatsbeitrag zur Anlage in einem Pensionsfonds – mit Schutz vor staatlichem Zugriff – ausgestalten kann.“

Am dualen Gesundheitssystem wollen CDU/CSU festhalten: „Eine umfassende Versorgung der Bürgerinnen und Bürger und den Erhalt unseres sehr guten Gesundheitssystems erreichen wir mit der bewährten Selbstverwaltung, der freien Arzt- und Therapiewahl sowie mit dem Zusammenspiel von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen. Eine Einheitsversicherung und Schritte dahin lehnen wir ab.“

Und nun erläutert uns der Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, im Gespräch, welche Ziele die Union vor allem in Bezug auf die Zukunft der Rente und der geförderten sowie der privaten Altersvorsorge hegt. Dabei sagte uns Weiß unter anderem diese bemerkenswerten Sätze: „Die Riester-Rente stirbt einen langsamen Tod. Ich glaube, dass sich der Name Riester verbrannt hat, deswegen sollte er so schnell wie möglich weg.“ Ach ja, nach 23 Jahren im Bundestag hielt der CDU-Abgeordnete Peter Weiß im Juni seine letzte Rede im Parlament – und bei seinem Abgang vom Rednerpult gab es sogar „Standing Ovations“ nicht nur von seinen Parteikollegen, sondern auch von den Grünen und der SPD, wie es in einem Medienbericht hieß. Doch „auch wenn er im September aus dem Bundestag scheidet, geht Peter Weiß noch lange nicht in den Ruhestand“, hieß es in dem Bericht weiter. Vielleicht lassen sich so auch seine teils sehr offenen Worte im Interview erklären. Aber hören Sie selbst.

Und damit sind wir für diese Woche wieder durch mit unserem Podcast. Wir hoffen, Folge 54 hat Ihnen gefallen. Lob, Kritik und Themenideen nehmen wir gerne über die Email-Adresse redaktion@pfefferminzia.de entgegen.

Ansonsten hören wir uns am kommenden Freitag wieder. Bis dahin gilt wie immer: Bleiben Sie gesund, genießen Sie das Wochenende und kommen Sie gut in die neue Woche.

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