Vorsorgen mit Versorgern ist kein Kindergeburtstag mehr.

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Energieunternehmen galten ja eigentlich als Bollwerk gegen Börsen-Tsunamis. Das dachte ich auch immer bis zur atomaren Fukushima-Katastrophe 2011. Da war ich dann doch überrascht, wie schnell mein Bollwerk E.ON einstürzte, als die damalige deutsche Bundeskanzlerin den Atomausstieg verkündete. DJ Kapital ist das Thema jetzt analytischer angegangen und hat sich die Performance der Versorger angeschaut. Als defensive Branche müssten sie sich im aktuellen turbulenten Marktumfeld ja besser entwickeln. Und tatsächlich ist der Stoxx Europe 600 Utilities-Index seit Jahresbeginn „nur“ um rund zwei Prozent eingeknickt. Die Anleger machen sich zu Recht wegen des politischen Einflusses auf Energieunternehmen Sorgen, der den Sektor ganz schön fordert. Sie sollen möglichst schnell unabhängig werden von russischen Energien wie Öl, Gas oder Kohle und gleichzeitig soll die Versorgungssicherheit gewährleistet und Gas- und Ölpreise womöglich noch gedeckelt werden. Der Russlandkrieg bringt hier eine österreichische OMV, aber vor allem auch die großen deutschen Energie-Unternehmen wie E.ON unter Druck, die Gas-Lieferverpflichtungen an Haushalte und Unternehmen haben, die sie ja irgendwie einhalten müssen.

Bei der Umrüstung auf erneuerbare Energien kommt noch hinzu, dass die Rohstoffengpässe zu hohen Materialkosten etwa beim Stahl führen und der Zinsanstieg Investitionen in Alternativnergien noch kostspieliger machen. Hinzu kommt die Planungsunsicherheit aufgrund des bitteren Revivals der Atomkraft. Belgien und Finnland haben etwa schon die Verlängerung der Laufzeiten ihrer Atomreaktoren angekündigt, Deutschland überlegt noch betreffend ihrer drei laufenden AKWs Isar 1, Emsland und Neckarwestheim. Andererseits fließt aber auch viel Fördermittel in die Branche. Schließlich sollen bis 2030 mindestens 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus „Erneuerbaren“ bezogen werden. Von einem beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien sollten neben Windturbinenherstellern wie Vestas oder Siemens Gamesa Anbieter von Erneuerbaren Energien wie der spanischen Photovoltaik-Spezialist Acciona Energias, die Portugiesen EdP Renovaveis, die alternativen Franzosen Neoen oder Dänen Orsted profitieren, meint DJ Kapital. Orsted ist einer der größten Betreiber von Mega-Windparks auf See. Bis 2030 planen die Dänen den Ausbau der Kapazitäten auf 12,7 auf 50 GW. Ich persönlich besitze auch Orsted-Aktien, daher nochmals der ausdrückliche Hinweis auf den anschließenden Disclaimer. Übrigens: Kommt es in Russland neben dem wenig beeindruckenden Kohleembargo dann doch auf Druck von den USA auch zum Ölembargo, würden hiervor vor allem US-Konzerne wie Chevron, Exxon, Occidential Petroleum oder Conoco Philipps profitieren, in Europa Konzerne wie der Franzose Total oder auch Royal Dutch. Was ich mit dieser etwas länger ausgefallenen Börsenminute-Episode sagen möchte: Langfristig vorsorgen mit Versorgern ist kein Kindergeburtstag mehr.

Rechtlicher Hinweis: Für Verluste, die aufgrund von getroffenen Aussagen entstehen, übernimmt die Autorin, Julia Kistner keine Haftung.

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Foto: Pixabay

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