Wie mit ungewisser Zukunft umgehen

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So ist dein Business gut gerüstet.

Wie mit ungewisser Zukunft umgehen?

Servus vom Serve. Herzlich willkommen. Denkst du auch darüber nach, wie du dich am besten auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten kannst? Was derzeit auf uns zukommt, scheint in irgendeiner Weise ungewisser als früher zu sein. Bis jetzt schien alles planbar, und plötzlich gerät die Welt aus den Fugen. Wir erleben Konflikte mit Russland, mögliche Probleme in Taiwan, eine Energiekrise und vielleicht innerpolitische Risiken. Irgendwie prasselt alles auf uns ein, und es scheint nach Corona alles immer schlimmer zu werden. Unsicherheit ist Gift für eine Volkswirtschaft, denn Investoren und produzierende Unternehmen benötigen ein stabiles Umfeld, um wirtschaften zu können. Wenn man richtig viel Geld in die Hand nimmt, um eine 10-Jahres-Agenda aufzustellen, dann muss man sich auf die Planung verlassen können. Aber wie geht man mit einer unsicheren Zukunft um?

Wenn wir es genau betrachten, dann war die Zukunft schon immer ungewiss. Nehmen wir als Beispiel Russland. Es könnte immer noch schlimmer kommen. Eine Achse zwischen Russland, Indien und China könnte entstehen mit der Bestrebung, den Petrodollar abzuschaffen und den US-Dollar zu schwächen. Damit könnte der Westen an Relevanz verlieren, weil Russland, Indien und China eine Kooperation auf die Beine stellen, die ihnen Vorteile gegenüber anderen Ländern verschafft. Diese Länder sind jedoch keine gefestigten Demokratien, und deshalb könnte es aber auch sein, dass sich die Situation verbessert, wenn irgendwann einmal ein Nachfolger Putins an die Macht kommt. Dann wäre es theoretisch möglich, dass Deutschland, Russland und die USA zusammenwachsen, weil die Russen die Schnauze voll haben und sich der Demokratie öffnen. Könnte theoretisch sein. Aber es kann natürlich auch alles noch viel schlimmer kommen.

In meinem Buch "Von der Wildsau zum Sparschwein" habe ich beschrieben, dass wir denken, dass wir in unserer großen Industrienation sicher wären. Aber ich habe das Gefühl, dass es jetzt schlimmer wird. Wenn man als Unternehmer genau hinschaut, dann erkennt man, dass Sicherheit immer trügerisch ist und dass man sich auf nichts verlassen kann. Die Demokratie ist ein Garant für Stabilität, zumindest in der Binnenwirtschaft, auch wenn sie natürlich immer noch verbesserungswürdig ist. Deswegen wird beispielsweise allgemein wenig in instabile afrikanische Länder investiert, weil man heute nicht weiß, wie morgen die dortigen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sein werden. Wenn bei uns nach einer Wahl die Partei an der Macht wechselt, ist trotzdem nicht das Grundgesetz gefährdet. Das muss man sehen. Es ist wichtig, dass Europa weiter zusammenwächst, um einen Gegenpol an Stabilität bieten zu können.

Dass sich die Welt verändert, ist nichts Neues. Dass sie sich im Moment besonders stark verändert, scheint mir eher ein Gefühl zu sein, weil wir durch die Informationsvielfalt der Medien überflutet werden. Früher gab es noch kein WhatsApp, das mit einem ständig wechselnden Status darüber informiert, was gerade passiert. Es gab auch keine Podcasts, zumindest nicht in der heutigen Downloadgeschwindigkeit. Es gibt acht Millionen Google-Suchanfragen täglich. Vor zehn Jahren war es nur ein Bruchteil davon. Das Internet ist unsere Informationsquelle geworden, und vieles wird dort aufgebauscht und dramatisiert, denn mit der Angst lässt sich gutes Geld verdienen.

Die beliebtesten Berufe des Jahres 2010, die gab es im Jahr 2004 noch gar nicht. Und das sind lediglich sechs Jahre Unterschied. Das bedeutet auch, wer heute ein Studium aufnimmt, der kann sich nicht sicher sein, ob seine Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt zu dem Zeitpunkt, wenn er das Studium beendet, überhaupt noch gefragt sind. In den Fünfzigerjahren bis hin in die Neunzigerjahre mag das noch der Fall gewesen sein, aber damit ist es seit der digitalen Revolution vorbei. Viele Berufe sind von der Digitalisierung eingeholt worden.

Ein anderes Beispiel ist die Halbwertszeit von Ingenieurswissen. Die liegt heute nur noch bei vier Jahren. Nach vier Jahren ist das Wissen veraltet, und der Ingenieur ist raus aus dem Geschäft, wenn er sich nicht ständig weitergebildet hat. Das bedeutet auch, dass unser Wissen spätestens nach einem halben Jahr nicht mehr aktuell ist, beziehungsweise, dass es sich halbiert. Wenn ein Ingenieur vier Jahre studiert, dann ist ein Teil seines Wissens bereits zum Ende des Studiums veraltet. Das ist verrückt. Eine weitere Kennzahl: 17 Prozent aller Frauen waren einmal im Leben ungewollt schwanger. Das ist auch nicht planbar. Ein militanter Linksradikaler aus den Siebzigerjahren wurde im Jahr 1998 Außenminister. Ich spreche von Joschka Fischer. Das alles kannst du bei dir selbst reflektieren. Denk darüber nach, was in deinem Leben alles so gekommen ist, wie du es dir als Teenager ausgemalt hast. Was ist aus den Bildern über deine berufliche Laufbahn geworden, die du damals hattest? Es ist sicher ganz anders gekommen. Psychologen nennen das "die Illusion vom Ende der Geschichte". Die Welt ändert sich, und auch wir selbst verändern uns. Manche Ereignisse sind absehbar, siehe Überfall Russlands der Ukraine, aber wir haben nicht hingeschaut und wollten es nicht wahrhaben. Wir haben uns in einer trügerischen Sicherheit gewähnt. Dass wir selbst uns ändern, lässt sich gut am genannten Beispiel Joschka Fischers aufzeigen, der sich sehr verändert hat.

Deswegen möchte ich an ein wichtiges Statement erinnern: Cash is King, und Cash wird immer wichtiger. Genauso wichtig wie Bargeld ist es, zu investieren, um sich aus der Abhängigkeit zu lösen, beispielsweise von seinem Unternehmen. Das bedeutet, dass man nicht nur in das eigene Unternehmen, sondern auch in den Kapitalmarkt investieren sollte. So sichert man sich ein zweites Standbein. Cash ist King, weil die Liquidität das Überleben sichert. Sie sorgt dafür, dass ich unsichere Zeiten überbrücken kann. Sie macht es mir außerdem möglich, dass ich in schlechten Zeiten gute Investitionsmöglichkeiten nutzen und meine Mitbewerber verdrängen kann. Liquide Geldmittel werden zu einer Kriegskasse, die mir hilft, auf Einkaufstour zu gehen, wenn andere das Handtuch schmeißen. Deshalb ist es so wichtig, die Finanzen im Griff zu haben. Wie willst du planen, wie willst du dein Unternehmen steuern, wenn du keine Kontrolle über dein Geld hast? Wenn du nicht weißt, wann du Personal entlassen musst? Wie viel Geld musst du mindestens verdienen, um dein Unternehmen am Laufen zu halten?

Das sind die Überlegungen, die ich anstelle, wenn es zu einer Krise kommt. Zu Beginn der Coronakrise habe meinen Vermögensliquiditätsplan genommen und die Parameter an den Stellen geändert, wo ich Risiken erkannt habe. Das schafft man mit wenigen Klicks, wenn die Zahlen aktuell sind. Ich errechnete meine Mindestfallhöhe und erkannte, wie lange meine Cashreserven reichen und ab wann ich wieder aktiv werden muss. Innerhalb weniger Minuten hatte ich Gewissheit über meine finanzielle Situation und fühlte mich sicher. Kenne deine Zahlen, dann kannst du planen, steuern und skalieren.

Die nächste Empfehlung ist, mit Sicherheitspuffern zu arbeiten. Mein Vermögensliquiditätsplan arbeitet mit solchen Reserven, die mir als Inflationsaufschlag dienen. Ich reize meine Finanzen nicht zu 100 Prozent aus, sondern höchstens zu 80 Prozent. Außerdem ist wichtig, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wenn die Zukunft ungewiss ist, muss man verschiedene Standbeine haben, aber ohne sich zu verzetteln. Viele suchen nach etwas Besonderem, um sich zusätzlich abzusichern. Aber das ist nicht nötig. Versuche, aus deinen vorhandenen Ressourcen heraus ein zweites Standbein aufzubauen. Auch Amazon bedient sich dieser Strategie, indem es eine IT- und Server-Infrastruktur für den Onlineshop aufgestellt hat, die es nutzt, um den Kunden ein Prime Angebot mit Filmdownloads anzubieten. Diese Services liegen gar nicht weit auseinander, weil die Infrastruktur die Basis für beide Produkte ist. Wenn du sowieso Software programmieren lässt und Server nutzt, dann kannst du sie auch dafür verwenden, um weitere Service anzubieten. Dadurch bist du breiter gestreut und damit auf der sicheren Seite.

Ich empfehle dir, eine Liste mit den Situationen aufzustellen, die dir gefährlich werden könnten. Gibt es Kunden, die alle in einer einzigen Branche sind, die eventuell wegbrechen könnte? Bist du von Lieferanten abhängig? Bring etwas Paranoia aufs Papier und finde heraus, was riskant für dich und dein Unternehmen werden kann. Dann kannst du versuchen, eine Redundanz anzustreben. Bei meinem Hobby als Pilot sind Redundanzen extrem wichtig. Das bedeutet, dass man mehrere Systeme gleichzeitig laufen hat, um für den Krisenfall gewappnet zu sein. Fällt ein System aus, geht das andere an. Für ein Unternehmen gilt die Empfehlung, sich nicht von bestimmten Mitarbeitern abhängig zu machen. Und wenn ein Kunde ausfällt? Nicht schlimm, denn ich habe noch viele weitere Kunden. Dieses Backup solltest du in allen Bereichen anstreben. Gerade als Pilot bin ich über eine Redundanz sehr dankbar, denn wenn ein Tank ausfällt, steht mir ein zweiter zur Verfügung. Das Gleiche gilt für die Zündkreisläufe und für die Batterien, damit die Elektronik funktioniert und so weiter. Diese Absicherung ist beim Fliegen überlebenswichtig.

Der Nachteil ist, dass man Geld dafür aufwenden muss, denn Redundanz kostet. Zwei Backup-Batterien kosten mehr als eine. Für mich gilt die Devise, lieber haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben. Ich bin zwar ein optimistischer Mensch, aber in gewisser Weise bin ich ein bisschen paranoid. Mein Motto lautet, hope for the Best, plan for the Worst, hoffe auf das Beste, aber sei für das Schlimmste gewappnet. Methode Hosenträger-und-Gürtel. Auch beim Fliegen gelte ich als ein sehr zuverlässiger Pilot, der sich ultra gut vorbereitet. Ich will immer sichergehen, dass die Maschine zu 100 Prozent intakt ist, bevor ich abhebe, denn wenn ich erst einmal oben bin, kann ich nichts mehr ändern. Genau diese Einstellung empfehle ich dir für dein Unternehmen. Überlege dir, welche Faktoren dein Geschäft gefährden könnten und dann nimm Geld in die Hand und handle entsprechend.

Als vorletzten Punkt möchte ich dir folgendes mitgeben. Wenn du schon sparen musst, um dich besser vorzubereiten, dann setz bitte nicht nur an deinem Unternehmen an, sondern auch im privaten Bereich. Ich kenne jemanden, der hat in seiner Krise Mitarbeiter entlassen, aber die Putzkraft in seinem Privathaushalt, die hat er weiterbeschäftigt. Das ist in meinen Augen ein Unding. Was sichert mein Geschäft ab? Bestimmt nicht die private Haushaltshilfe, denn die empfinde ich als Luxus an. Spare nicht an der falschen Stelle. Schränke dich privat ein bisschen ein, und du wirst sehen, dass genau das sich motiviert. Aus einer Fastenzeit kann viel Kraft erwachsen. Wenn einem etwas fehlt, dann unternimmt man um so mehr Anstrengungen, um es wiederzuerlangen. Ich gebe Gas, um mich zu motivieren. Von anderen abhängig zu sein, bedeutet, dass andere über meine Lage entscheiden können. Und das mag ich überhaupt nicht. Ich mag es nicht, zu müssen, ich mag es lieber, zu wollen.

Das Ganze hat aber vielleicht auch etwas Gutes. Um es dir leichter zu machen, mit solchen Situationen umzugehen, möchte ich dir eine kurze Geschichte aus meinem Buch "Von der Wildsau zum Sparschwein" vorlesen. Das Buch gibt es übrigens als Audio-Version auf Spotify. Die Geschichte geht folgendermaßen:

In einem Dorf lebte ein alter, armer Bauer mit seinem Sohn. Eines Tages ging der Sohn in den Wald. Als er zurückkehrte, brachte er ein prächtiges Wildpferd mit, das er eingefangen hatte. „Oh, welch ein Glück!”, riefen die Dorfbewohner, „nun kannst du das Pferd vor den Pflug spannen und Getreide anbauen.“ Der Bauer aber schüttelte den Kopf, "ob es ein Segen ist, wer weiß? Die Zeit wird es zeigen.” Eines Tages entlief ihm das Pferd, und die Menschen im Dorf sprachen ihr Mitleid aus, „was für ein Unglück!" Doch der Bauer antwortete gelassen, „Fakt ist, das Pferd ist verschwunden. Pech oder Glück, wer weiß das schon?" Einige Tage später war das Pferd plötzlich wieder da und mit ihm einige andere prächtige Wildpferde. Die Dorfbewohner riefen verwundert, „was hast du für ein Glück!" Wieder entgegnete der Bauer, „Glück, wer weiß?"

Bildbeschreibung

Kurz darauf wollte der Sohn eines der Wildpferde einreiten. Er stieg auf das Pferd, das ihn sogleich abwarf. Dadurch brach er sich ein Bein. „Oh, welch ein Unglück!”, riefen seine Nachbarn aus, "was hast du für ein Pech! Jetzt kann dir dein Sohn nicht mehr bei den Feldarbeiten helfen."    Der Bauer aber schüttelte den Kopf, „Fakt ist, mein Sohn hat sich ein Bein gebrochen. Ob das ein Unglück ist, weiß ich nicht. Die Zeit wird es zeigen.” Es begab sich, dass das Land einen Krieg begann. Die Soldaten des Kaisers kamen auch in das kleine Dorf, um Männer für die Armee zu rekrutieren. Der ganze Ort war von Klagen erfüllt, weil man wusste, dass die Meisten nicht nach Hause zurückkehren würden. Der verletzte Sohn des Bauern jedoch wurde nicht eingezogen. Die Nachbarn kamen zu dem alten Mann und sagten, „du hattest Recht, es hat sich als Segen erwiesen, dass sich dein Sohn das Bein gebrochen hat. Unsere Söhne sind nun vielleicht für immer fort." Der alte Mann antwortete seinerseits, „ihr hört nicht auf zu urteilen. Fakt ist nur, dass eure Söhne in die Armee eingezogen wurden und mein Sohn nicht.“

Ab hier liegts an dir. Bis zur nächsten Folge, Dein Michael Serve.


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