DK043 - Australien, Neuseeland und die unfähige Politik

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…und wie ist Tasmanien CO2-negativ geworden?

DK043 - Australien, Neuseeland und die unfähige Politik

…und wie ist Tasmanien CO2-negativ geworden?

"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.

In Folge 43 reisen wir auf die andere Seite der Erde. Zumindest wenn man es von Europa aus betrachtet. Wir schauen uns an, was das Klima in Australien und Neuseeland anstellen wird. Eh das, was anderswo auch passiert. Aber ein paar Besonderheiten gibt es doch. Die schrecklichen Feuer zum Beispiel die dort immer wieder auftreten zum Beispiel und in Zukunft noch häufiger auftreten werden. Die Hitzetage ebenso, was Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben wird. Und den Tourismus. Natürlich könnte man da was unternehmen. Dazu braucht es aber die passende Politik und was das angeht steht Australien nicht so gut da. Aber vor kurzem wurde dort gewählt, weswegen wir auch ein bisschen über Politik reden und nicht sehr optimistisch sind. Aber immerhin: Tasmanien ist CO2-negativ!

AG II Kapitel 11

Rückblick auf Kapitel 10: Asien

Letztes Mal war Asien dran, sehr kompliziert mit vielen Ländern. Aber auch mit viel Potenzial

Down Under

In dieser Folge geht es um Australien und Neuseeland und tatsächlich stammen alle Autor:innen des Kapitels aus der Region. Ansonsten ist das Kapitel vor allem voller Tabellen.

Was geht aktuell mit dem Klima in Australasien?

Australien und Neuseeland werden heißer, sie werden trockener, aber auch nasser, es wird mehr Feuer geben und weniger Gletscher. In Australien ist es jetzt schon um 1,4 Grad wärmer geworden; in Neuseeland um 1,1 Grad. Australien hatte in den letzten Jahrzehnten quasi ständig Dürren; die Waldbrände sind schon um 30 Prozent häufiger geworden.

Zukunft des Klimas In Zukunft wird der Meeresspiegel ansteigen: Bis zu 27cm bis 2050 und bis zu 66cm bis 2090. Kann aber noch mehr werden, wenn es in der Antarktis mit dem Gletscherschwund doof läuft. Die Tage an denen Brände ausbrechen können werden bis Ende des Jahrhunderts um 30 bis 110 Prozent ansteigen. Und zu dem Zeitpunkt werden die Gletscher in Neuseeland auch so gut wie weg sein.

Feuer

Dass die enormen Feuer in Australien jede Menge Schäden anrichten ist klar. Nicht nur direkt, sondern auch indirekt, zum Beispiel wenn Stromleitungen oder andere Infrastruktur beschädigt werden. Oder Menschen den Rauch einatmen. Oder der Dreck der Feuer bis nach Neuseeland auf die Gletscher gelangt und dort für noch mehr Eisschmelze sorgt. Und kosten tut das alles auch etwas. Zwischen 1987 und 2016 musste Australien 1 Milliarde Dollar pro Jahr ausgeben; in der Saison 2019/2020 waren es mehr als 5 Milliarden Doller. Und mehr als doppelt so viele Tote wie in den Jahrzehnten zuvor.

Wie sich Feuer auswirken kann man in dieser Abbildung sehen.

Abbildung Box 11.1.2

Das Great Barrier Reef in der Krise

Das Great Barrier Reef ist erstens wirklich great: 3863 Riffe nehmen eine Fläche ein, die so groß ist wie Deutschland. Das GBR hat eine kulturelle Bedeutung für die Menschen die dort leben. Und auch eine enorme touristische und wirtschaftliche Bedeutung. Und das Riff ist quasi schon weg. Die Korallenbleichen haben jetzt schon viel zerstört; und sie werden in Zukunft fast jährlich auftreten. Das schafft das Riff nicht mehr. Auch wenn wir das Ziel des Pariser Klimaabkommens noch erreichen, wird das dem Riff nichts mehr nutzen. Das haben wir verhaut; das Great Barrier Reef ist nicht mehr zu retten. Tja.

Der Wasser-Nexus in Neuseeland

Die Wirtschaft in Neuseeland basiert auf dem Wasser. Einerseits für die Primärproduktion. Andererseits aber auch für den Tourismus. Und für die Maori ist Wasser auch von kultureller und religiöser Bedeutung. All diese Interessen führen natürlich zu Konflikten…

Die Hitze macht Probleme. Schafskacke auch

Bisher gibt es schon 106 Tote pro Jahr durch die Hitze; und die Gefahren betreffen Frauen stärker als Männer. Im Jahr 2100 werden in australischen Städten bis zu 3,2 Prozent aller Todesfälle durch Hitze verursacht.

In Neuseeland sorgt dagegen der Regen für Probleme. 2016 wurden circa 8000 Menschen krank, weil Starkregen Fäkalien von Schafen in die Wasserversorgung gewaschen hat.

Außerdem: Armut macht Anfällig für Hitze, was diese Abbildung zeigt:

Abbildung 11.5

Tourismus Down Under

Australien hat eine Skiindustrie, tatsächlich. Aber nicht mehr lange. Da nutzt es auch nix, wenn dort jetzt in Schneekanonen investiert wird. Denn die werden auch bald nicht mehr funktionieren. Und die Touri-Magneten in Neuseeland, die Gletscher, sind auch bald weg. Die Anpassung findet leider auch politisch nicht statt. Da muss man langfristig denken, was aber nicht passiert.

Bergbau

Bergbau gibt es in Australien jede Menge. Aber wenn die Klimakrise weiter geht, wird die Hitze die Arbeit schwierig und die Menschen krank machen. Regen lässt die Minen volllaufen und Zeug aus den Minen läuft raus und schädigt die Umwelt.

Energie

Obwohl Australien und Neuseeland Nachbarn sind, ist ihr Energiemix enorm unterschiedlich. In Australien wird derzeit 79% der Energie fossil produziert. In Neuseeland kommt 82% Prozent der Energie aus Erneuerbaren und bis 2050 werden es 95 Prozent sein.

Cultural Flow der Aborigines

Menschen in Australien leben dort schon sehr lange. Die Region gehört zu denen, die auf der Erde am längsten durchgehend besiedelt ist. Die Menschen haben Ahnung, wie man dort lebt, auf dem trockensten Kontinent der Welt. Und deswegen lohnt es sich, ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Zum Beispiel bei den Water Entitlements, also der Ein- und Zuteilung von Wasser. Das machen die indigenen Völker dort auch, und zwar nennt sich das “cultural flows”. Da wird aber nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die spirituelle, religiöse und kulturelle Nutzung des Wassers berücksichtigt. Und wie die Forschung feststellt, kann eine Orientierung an cultural flows zu einer nachhaltigen Wassernutzung führen kann.

Dabei hat man sich zum Beispiel die Brewarrina Aboriginal fish traps untersucht, circa 40.000 Jahre alt. Kann man unter “Operationalising the ecosystem services approach in water planning: a case study of indigenous cultural values from the Murray–Darling Basin, Australia” nachlesen. Und auch in “Australian Indigenous Water Policy and the impacts of the ever-changing political cycle”.

Die Schlüsselrisiken von Australasien

Die Schlüsselrisiken für Australasien sieht man in dieser Abbildung:

Abbildung 11.6

Dazu gehört auch das Risiko dass durch die Unfähigkeit der Politik die Klimakrise zu managen entsteht.

Tasmanien ist CO2-negativ

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Tasmanien ist CO2-negativ. Die Wissenschaft dazu kann man hier nachlesen.

Die Regierung kriegts nicht auf die Reihe

Am 21. Mai 2022 waren Wahlen in Australien. [Gewonnen hat der Herausforderer des bisherigen Ministerpräsidenten[(https://www.derstandard.at/story/2000135933437/parlamentswahl-in-australien-stimmenauszaehlung-hat-begonnen). Aber es besteht zu befürchten, dass das auch nicht viel für das Klima bringen wird.

Vorschau auf die nächste Folge: Zentral- und Südamerika

In der nächsten Folge geht es um Zentral- und Südamerika. Und Claudia freut sich schon sehr auf etwaige Alpakas.

Weiterführende Informationen

Kapitel 11 des zweiten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.

Kontakt und weitere Projekte

Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.

Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.

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