EP 45 _ Sei nicht perfekt - Sei Wabi Sabi

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Von Daniela Slezak entdeckt von Player FM und unserer Community - Das Urheberrecht hat der Herausgeber, nicht Player FM, und die Audiodaten werden direkt von ihren Servern gestreamt. Tippe auf Abonnieren um Updates in Player FM zu verfolgen oder füge die URL in andere Podcast Apps ein.

Die Idee zu dieser Episode kam mir, nachdem ich immer mehr graue Haare entdeckt habe und ich in Zeiten des Lockdowns und des Haare selber Färbens mit diesen immer mehr kämpfte.

Ich rannte in die Drogerie kaufte Haarfarbe und nach 2 Wochen machten sich am Ansatz wieder graue Haare bemerkbar. Ich war entnervt. Irgendwann dachte ich, was tue ich hier eigentlich, warum tue ich mir das an?

Dann fiel mir plötzlich Wabi Sabi ein, diese Japanische Lebensphilosophie, dieses Konzept, dass man Schönheit im Imperfekten findet. Und davon möchte ich heute erzählen.

Wabi Sabi ist die Ansicht oder der Gedanke, Schönheit in jedem Aspekt der Unvollkommenheit in der Natur zu finden. Es geht um die Ästhetik der Dinge, die als unvollkommen, unbeständig und unvollständig wahrgenommen werden.

Es ist im Wesentlichen ein Konzept oder eine Ideologie, die sich aus der “buddhistischen Lehre” der drei Existenzmerkmale ableitet, nämlich Vergänglichkeit, Leiden und Leere.

Wabi drückt den Teil der Einfachheit, Vergänglichkeit, Fehler und Unvollkommenheit aus, während Sabi die Wirkung der Zeit auf ein beliebiges Objekt ausdrückt. Zusammen ist Wabi Sabi die Idee der ästhetischen Wertschätzung des Alterns, der Fehler und der Schönheit mit all den Auswirkungen der Zeit und der Unvollkommenheiten.

Es steht also im krassen Gegensatz zu dem, was wir in der westlichen Kultur als schön und als perfekt empfinden.

Wir leben in einer Zeit, wo wir pausenlos und zwar von früh bis spät mit idealisierten Körpern, Autos oder Häusern bombardiert werden, Nicht nur in Social Media. Auf jeder Cremepackung wird uns versprochen noch jünger und schöner auszusehen.

Ganz im Gegenteil zu Wabi Sabi vergöttern wir einen Zustand der Perfektion, der eigentlich unerreichbar und unnatürlich ist.

Und dieser Drang nach Perfektion kann uns tatsächlich krank machen. Durch die vielen geschönten und positiven Posts und Fotos in Social Media erhalten wir den Eindruck, dass andere glücklicher sind als wir, und es ihnen besser geht als uns. Was wir dabei aber oft vergessen: Die Online-Plattformen bilden nicht die reale Welt ab. Viele Fotos sind stark bearbeitet, entsprechen nicht der Wirklichkeit – aber wir vergleichen unsere eigene Realität trotzdem damit. Dadurch wird unsere eigene Wahrnehmung möglicherweise verzerrt. Minderwertigkeitskomplexe oder Depressionen können sogar die Folgen sein.

Darum empfehle ich, lass etwas mehr Wabi Sabi in dein Leben. Auch du solltest aufhören, dir Gedanken über andere zu machen und zu versuchen das Leben der anderen zu leben. Du solltest anfangen dich umzuschauen und zu entdecken, was du schon besitzt, worauf du stolz sein kannst. Einen Gang zurückschalten mehr Zeit in der Natur verbringen. Wir alle sollten aufhören, die schönsten Momente in unseren Leben damit zu unterbrechen, das perfekte Foto zu machen um den Moment festzuhalten, besser sollten wir diesen wunderbaren Moment genießen. Mehr im Hier und Jetzt sein.

Auch in deine Wohnung kannst du Wabi Sabi einziehen lassen. Die Zeitschrift Schöner Wohnen beschreibt es so:

  • die Abkehr vom seelenlosen Konsum und das Sichhinwenden zur Natur
  • das Sichbesinnen aufs Wesentliche
  • das Verwenden einfacher,lokaler Produkte und Naturmaterialien von bester Qualität
  • das Wertschätzen, Pflegen und Vererben altgedienter Gegenstände
  • das Genießen von optischer Leere

Das alles ist für uns Europäer nicht so leicht zu verstehen und in dieser Zeit der Selbstoptimierung vielleicht auch nicht so einfach umzusetzen.

Aber ich denke es lohnt sich, sich näher mit dieser fernöstlichen Lebensphilosophie zu beschäftigen. Wer noch tiefer mit Wabi Sabi beschäftigen möchte dem empfehle ich das Buch von Beth Kempton „Wabi Sabi“.

Übrigens habe ich mich dazu entschieden meine grauen Haare zumindest teilweise Teil meines äußeren Ichs werden zu lassen. Ganz Wabi Sabi halt.

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