www.ndr.de: Legale Drogen per Mausklick bestellt – Legal Highs

52:57
 
Teilen
 

Manage episode 279088994 series 2511533
Von Audiomagazin piqd | entdeckt von Player FM und unserer Community - Das Urheberrecht hat der Herausgeber, nicht Player FM, und die Audiodaten werden direkt von ihren Servern gestreamt. Tippe auf Abonnieren um Updates in Player FM zu verfolgen oder füge die URL in andere Podcast Apps ein.

Sie heißen „Watermelon Bubblegum“, „High Speed Blues“ oder „Game Over“. Es braucht nur einen Mausklick und die portionierte Menge der Drogen mit den blumigen Namen wird dem Konsumenten frei Haus geliefert. Die Wirkung ist bisweilen mehrere Tausend Mal stärker als die von Heroin. Und man bekommt sie zum Schnäppchenpreis. Bei einem Preis von gerade mal 2 Cent für einen Drogenrausch bekomme „die Kleingeldsammlung im Kinderzimmer eine ganze andere Bedeutung“, so ein Referent auf einer Online-Veranstaltung zum Thema. „Legal Highs“ nennt man die neuen psychoaktiven Substanzen, denn sie bewegen sich im legalen Graubereich. Jörn Klare hat ein verstörendes und packendes Feature darüber gemacht. Die Grenze dessen, was bei dieser Art von neuen Drogen erlaubt und verboten ist, ändert sich in Deutschland jährlich mindestens zwei Mal. Und die Drogenentwickler liefern immer neue Zusammensetzungen, deren gesetzliches Verbot dem Verkaufsprozess hinterherhinkt. Einer dieser „kreativen Köpfe“ ist „Dr. Z“, er hat einen Doktortitel in angewandter Mathematik und der britische „Guardian“ nannte ihn einmal „The Godfather of Legal Highs“. Dabei muss Dr. Z nicht einmal kreativ werden, um seine gefährlichen Mischungen zu entwerfen. Das erledigt für ihn eine Software, die – auf Basis der bislang bekannten chemischen Verbindungen im Bereich der synthetischen Drogen – alle Zusammensetzungen durchforstet, die noch in keinem Patent, keinem Drogenbericht oder Gesetzestext vorkamen. Mit den neuen Verbindungen, die seine Software errechnet, ist er rechtlich auf der sicheren Seite, und damit macht er dann seine Geschäfte. Wie gefährlich der billige Rausch für Unbedarfte sein kann, zeigen die Todesopfer, die daraus hervorgehen. Denn bisweilen ist die Dosierung schwer einzuschätzen. Wenn 1 Milligramm einer Substanz schon einen todbringenden Unterschied ausmachen kann, kann man sich ausmalen, was es für Konsumenten bedeutet, die es mit der Dosierung nicht so genau nehmen.

„Legal Highs – Ein Feature über Drogen im Online-Handel“, von Jörn Klare, Regie: Friederike Wigger, ARD Radiofeature, Produktion: NDR 2020

540 Episoden