«Best of»: Afghanistan: Wenn nicht ohne Taliban, dann mit ihnen

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Als die Taliban letztes Jahr die Macht übernahmen, brach für die Leute in den Städten die Welt zusammen. Plötzlich war Schluss mit Frauen- und mit Menschenrechten. Den Leuten in den Dörfern aber haben die Taliban Frieden gebracht. Hat das Land eine Zukunft mit den Taliban und wie soll sie aussehen? Wer die Machtübernahme durch die Taliban verstehen will, muss in den Süden Afghanistans reisen, dahin wo die militante Bewegung herkommt. In den letzten 20 Jahren hat die Bevölkerung dort nicht Fortschritt, zivile Freiheiten und wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, sondern Krieg und Zerstörung. Die Drohnenangriffe der USA kosteten vielen Zivilisten das Leben, genauso wie das brutale Vorgehen von afghanischen Einheiten, die vom CIA ausgebildet wurden. Viele junge Männer schlossen sich deshalb den Taliban an. Zudem mussten viele Menschen wegen des Kriegs in die Städte fliehen. Inzwischen können sie aber in ihre Dörfer zurückkehren und erleben die Machtübernahme durch die Taliban als Befreiung. Für Hunger und Not, die jetzt herrschen, machen sie nicht die Taliban verantwortlich, sondern die vorherige korrupte Regierung und den Westen. Schwarz und weiss gebe es nicht in Afghanistan, sagt die bekannte Menschenrechtsaktivistin Mahbouba Seraj, die in Kabul ausharrt. Das Bild gute Regierung gegen böse Taliban, sei falsch. Ohne die Fehler der gefallenen Regierung und des Westens wären die Taliban nicht da, wo sie heute sind. Und jetzt einfach Sanktionen zu verhängen, sei verantwortungslos. Seraj sieht den Ausweg in einem Geben und Nehmen zwischen dem Westen und den Taliban. (Erstausstrahlung: 7. Mai 2022)

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